Rezension: The Fault in our Stars von John Green

10 Juni 2013 |

Zum Buch

Dt. Titel: Das Schicksal ist ein mieser Veräter
Verlag: Penguin
Format: Taschenbuch
Seiten: 336
ISBN: 978-0-141-34565-9
Preis: £7.99
 

Zwischen Leben und Tod,
zwischen Liebe und Trauer

Sechzehn Jahre alt, Schilddrüsenkrebs und nur mit Atmungsgeräten überlebend kämpft sich Hazel Grace Lancester durch das Leben. Sie hätte schon längst tot sein können, hätte sie Phalanxifor, eine medikamentaler Versuch, sie nicht gerettet. Von ihren Eltern gezwungen zur Selbsthilfegruppe zu gehen, weil sie viel zu wenig raus geht für ihr Alter, lernt sie den siebzehnjährigen Augustus kennen. Er hat aufgrund einer Form des Knochenkrebs sein rechtes Bein verloren, war einst Basketballstar der Schule, und hat die Angewohnheit immer wieder Zigaretten in seine Mundwinkel zu stecken ohne sie jemals zu rauchen. Hazel findet schnell Zugang zu ihm und erzählt ihm über einen Roman, der ihr Leben zu beschreiben scheint. "An Imperial Affliction", ein Roman über eine krebskranke Teenagerin, der einfach aufhört, mitten in einem Satz endet. Und sie möchte wissen wie alles ausgeht, wie es allen Charakteren ergangen ist. Doch der Autor Peter van Houten hat bisher auf keinen ihrer Brief jemals geantwortet und noch heute sucht sie nach den Antworten. Schnell findet auch Augustus seinen Gefallen an dem Roman und beschließt seinen Wunsch, den er von einer Organisation bekommen hat, für Hazel Grace aufzuopfern und mit ihr nach Amsterdam zu fahren um ihren Traum, das Ende der Geschichte zu erfahren, zu erfüllen.

John Green ist ein Spezialist für Gefühle, einfallsreiche Geschichten mit lebhaften Charakteren und doch sprachlicher Einfachkeit. Einmal begonnen, legt man es erst wieder beiseite, wenn die letzte Seite gelesen ist. So ergeht es auch einem mit "The Fault in our Stars", welches einen komplett in das Leben von krebskranken Jugendlichen zieht, das aus der Hoffnung besteht überleben zu können und der Tatsache, dass alle einmal sterben müssen. Es brechen sich die Gefühle Bann, man leidet mit ihnen, fühlt mit ihnen, lächelt mit ihnen und weiß irgendwann nicht mehr wohin mit all den Gefühlen, die der Roman auslöst.
Denn John Green gelingt das, was nur wenige Autoren schafffen: Seine Charkatere leben. Sie sind Existenzen, die neben einen stehen könnten, vielseitig, farbenfroh und voller Tiefe. Die 16-jährige Hazel Grace Lancester, die sich mit ihren Leben und dem Tod abgefunden hat, neben den erblindeten Jungen, der sich doch nur Liebe wünscht und dem beliebten Augustus, dessen letzte Freundin den Kampf gegen die Krankheit verloren hat. Sie sind alle Figuren mit großer Last, die zueinander finden, aus Freundschaft oder sogar aus Sehnsucht nach Nähe. Dabei driftet niemand in den Kitsch ab, wird stereotypisch oder gar monoton. Vielmehr werden sie mit jeder weiteren Erfahrungen, jeder weiteren Szene nur impolsater und vielschichtiger. In Augustus steckt plötzlich noch ein Poet, in Hazel erkannt man versteckte Ängste. Und während man sich in diese Reise ihres Lebens bewegt, sieht man sich selbst an und weiß irgendwann nicht mehr wohin.
Der Autor bedient sich dabei einfachen Mitteln. Es ist keine schwierige Sprache, keine hochtrabende Poetik in seinen Worten, aber es herrscht Leben und Lebendigkeit in ihnen. Als Ich-Erzählerin Hazel erzählt er die Geschichte und beleuchtet ihr Innenleben wie Außenleben so detailgetreu wie möglich ohne zu viele Ausschweifungen oder unnötigen Sprachbildern. Vielmehr schafft er eine Symbolik, eine Allegorie, deren Schlüssel man in den Händen hält. Das Leben selbst fließt in den Worten dahin, in einfallsreichen Dialogen, in kreativen Einfällen und immer wieder in diesen jugendlichen Ton, der niemals künstlich wirkt. Spannend, unterhaltsam und gleichzeitig auf den Punkt gebracht, feinfühlig und mit vielen Zwischentönen. Immer mit einen lachenden Augen und immer mit einen traurenden Auge. Er findet zwischen all der Tragik, die sich abspielt, noch den Platz dem Leser ein Lachen abzugewinnen, ironisch zu sein und seine Charaktere Witze machen zu lassen.
Und so verhält es sich auch mit der Handlung selbst. Dynamisch wie sie ist, wirft sie einen in ein Gefühlsbad zwischen Verzweiflung und Hoffnung. Zwischen Todesangst und Lebensflucht. Das Herz schüttet sich beim Lesen vor einem aus  und man findet sich mit jeder weiteren Seite die Tränen aus den Augen wischend wieder. Es gibt immer wieder neue Spitzen, neue Spannungsbögen, die einen mitreißen und den Leser atemanhaltend stehen lassen. Die Krankheit wird fast schon Nebensache, ist nur noch ein Nebeneffekt, der alles beeinflusst und dann plötzlich wieder zur Hauptrolle wird. Die Geschichte spiegelt den Kampf mit der Krankheit wieder, sei es auf Seiten des Menschen, der darunter leidet, die Eltern, die pflegen und helfen wollen, aber doch nichts unternehmen können. Sei es der Kampf der Beziehung mit der Außenwelt, mit den Mitmenschen, die Isolation, die die Krankheit auslöst und das Mitleid, was einem täglich entgegenlächelt. Alles findet seinen Platz zwischen den Buchdeckel von "The Fault in our Stars", bekommt seine Rollen und findet sich in einer Geschichte wieder, die nicht bewertet, sondern die Dinge geschehen lässt wie sie sind. Und das vollkommen ohne stilistische Tränendrückerei, sondern mit viel Witz und Gespür für zwischenmenschliche Beziehungen.
Wer sich emotional stark genug ist, das Ende zu erreichen, der wird mit noch etwas anderen belohnt. Neben der Tragik, findet sich auf einmal Hoffnung. Und während man noch weint, lächelt man schon wieder. Das macht diesen Roman zu einen Werk, welches man gelesen haben muss. Auch wenn sich dadurch der Blick auf das Leben vollkommen zu verändern droht.

Fazit

"The Fault in our Stars" ist ein Roman, der voller jugendlichen Esprit und Lebendigkeit, das Leben mit einer Krankheit einfängt. Hoffnung, Trauer, Verzweiflung, Liebe spüren die lebensechten Charaktere wie der Leser selbst, kombiniert mit einer Geschichte, die mitreißt und einen nicht mehr loslässt. Aufwühlend, einzigartig und ein Roman, der wohl auch den stärksten Leser zum Weinen bringt und ihm dann ein Lächeln abgewinnen kann. Umbedingt lesen!

★★★★

Kommentare:

  1. Hallo ,

    nein, ist mir einfach zu traurig diese ganze Geschichte.

    Erinnert mich auch stark an die Geschichte, die letztens Mal wieder im TV lief.

    Wo ein Mädchen nur gezeugt worden ist um der krebskranken Schwester mit allen möglichen Organen zu helfen und plötzlich nicht mehr will.

    LG..Karin...

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  2. Mir sind doch tatsächlich beim Lesen der Rezension schon fast wieder die Tränen gekommen!
    Ich liebe dieses Buch! Deine Rezension ist richtig richtig gut! :)

    Liebe Grüße :)

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