Rezension: The Perks of Being a Wallflower von Stephen Chbosky

26 Juli 2013 |

Zum Buch

Verlag: Simon & Schuster UK
Format: Taschenbuch
Seiten: 240
ISBN 978-1-471-11614-8
Preis: £6.99

Das Leben als Mauerblümchen

Als Charlie sein erstes Jahr an der High School antritt, hat das Schicksal im schon viele Steine in den Weg gelegt. Seine Tante Helen, die er über alles geliebt hat, ist gestorben als er sieben Jahre alt und sein bester Freund auf der Junior High hat Selbstmord begangen. Er kommt mit nichts als schweren Gefühlen in das Leben einer High School und fühlt sich isoliert von der Welt. Sein Alltag verbringt er am liebsten mit Büchern, mitunter auch die, die ihm sein Englischlehrer immer wieder gibt und zu denen nur er Essays schreiben soll.
Sein Leben ändert sich erst, als er bei einen Footballspiel Sam und Patrick kennenlernt. Sie sind in ihrem Abschlussjahr und führen Charlie ins Schulleben ein. In ein Leben zwischen Zensuren, sozialen Druck und Drogen. Immer mehr versucht Charlie sich zwischen all diesen neuen Erfahrungen sich selbst zu finden. Über die erste Liebe, über das Scheitern und das Gefühl, alles falsch zu machen.

"The Perks of Being a Wallflower" ist ein Roman, der am Anfang der 90er Jahre ansetzt. Eine Zeit, in der das Internet und das Handy den Großteil des Lebens bestimmten, das soziale Leben von realen Treffen und Telefonaten über Festnetz bestimmt waren. In dieser Zeit, wo Mixtapes noch Bedeutung hatten befindet sich Charlie und versucht seinen Platz im Lebenskarussell zu finden. Bis dahin könnte man denken, man hätte es mit einer gewöhnlichen High School Geschichte zu tun, von einem, der am Rande der Gesellschaft ist und plötzlich aufsteigt und dann vielleicht wieder fällt. Doch darum geht es nicht in "The Perks of Being a Wallflower". Es geht vielmehr um eine Randfigur, in der großes Talent steckt, dass niemand sehen will. Charlie scheint für seine Umgebung fast unsichtbar und bekommt selten das zurück, was er anderen gibt. Er ist einer dieser Menschen, die sensibel sind, einfühlsam und alles tun, dass ihr Umfeld glücklich ist, aber nichts im Gegenzug verlangt, obwohl er die Anerkennung in seinem Leben braucht.
Und dieser Umstand macht diesen Roman zu einer Besonderheit. Verfasst in Briefen, die an eine anonyme Person geschrieben werden, erzählt Charlie aus der Ich-Perspektive seine Geschichte. Unverkrampft, ohne große sprachlichen Spielereien, sondern schlicht und einfach auf Papier gebannt. Es sind hier die einfachen Worte, die einem das Lesen schwer machen, weil sie so ehrlich sind und vom Herzen kommen. Manchmal sieht man sich selbst mit heruntergezogenen Mundwinkeln vor dem Buch sitzend, dann wieder strahlend und bangend und wünscht sich nur das Beste für Charlie, der endlich aus seiner Isolation herausbricht und am Leben teilnimmt.
Als Protagonist wiederspiegelt er die Ängste der Jugend, die jugendliche Verwirrung und die Freude, die man entfindet und die plötzliche Einsamkeit, wenn es nicht so klappt wie man es sich erhofft. Ein Jeder findet Facetten in Charlie, die einen an einem selbst erinnern. Und wenn es nicht Charlie ist, sind es die anderen Figuren, die einem ans Herz gehen. Ganz unabhängig davon ob es die einfühlsame Sam ist oder der homosexuelle Patrick, der seine Liebe zu einem Footballspieler verheimlichen muss.
Stephen Chbosky eckt an mit seiner Geschichte, greift Themen auf, die keiner richtig aussprechen will. Sei es der Drogenkonsum aus Verzweiflung oder das Austesten seiner Grenzen. Der oberflächliche Gruppenzwang und das Mitmachen, nur damit man in der Gruppe anerkannt wird. Die Probleme mit der Familie, mit den Geschwistern, wenn man größer wird. Oder das Verstecken seiner eigenen Sexualität, weil sie die Gesellschaft nicht anerkennen will. Wie man sich den Normaen der Gesellschaft fügen soll, aber es aus seinen Wesen nicht kann. Jeder möchte etwas Spezielles sein, jeder möchte anerkannt werden, doch manchmal will die Gesellschaft einen nicht so nehmen wie man ist.

Alle Themenfelder finden ihren Platz in diesen kontroversen Roman voller Tiefsinnigkeit, der es schafft in einfachen Worten die Geschichte eines Mauerblümchens einzufangen, das anfängt zu Leben, mit all seinen Zweifeln, Ängsten und Verwirrungen. Und der schlussendlichen Freude am Leben. Es ist diese Plastizität, die das Lesen manchmal schwer macht. Dinge wirken real, Situationen lebensecht und die Charaktere sind so unterschiedlich und einzigartig wie die Menschen selbst.

Fazit

Einfühlsam, authentisch und mit Blick fürs Detail hat Stephen Chbosky einen Roman geschaffen, der einen faszniert und in den Bann zieht. In "The Perks of Being a Wallflower" wird Jugend dargestellt wie sie ist. Rau, verwirrend und oftmals von vielen Ängsten geprägt. Eine nahegehende Geschichte mit Tiefgang und der Aussage, dass in jedem von uns ein Mauerblümchen stecken kann.


★★★★
£6.99
ISBN 9781471116148

Kommentare:

  1. Weißt du, was ich an deinem Blog so bemerkenswert und toll finde? Du liest keinen Einheitsbrei. Jedes Mal sehe ich Bücher bei dir, ich noch auf keinem anderen Blog gefunden oder gesehen habe. Es ist schön, dass du aus der Masse herausstichst.

    Herzlichst,
    Nazurka :)

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    1. Also der Roman ist schon sehr bekannt, aber ja, ich lese eher manchmal außergewöhnliche Bücher, die nicht jeder lesen würde.
      Freut mich, dass dir mein Blog deswegen gefällt. Aber ohne dich gäbe es doch meinen Blog gar nicht erst! Das weißt du aber mittlerweile bestimmt :)

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