Rezension: Tod im Anflug von Karin Bergrath

10 Juli 2013 |

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Verlag: FISCHER Taschenbuch
Format: Taschenbuch
Seiten: 304
ISBN 978-3-596-18957-1
Preis: 8,99 €

Fälle um den Gänserich Tom

1. Tod im Anflug
2. Mord im Tiefflug

Ein Gänserich ermittelt

Krimis mit Tieren fluten die Krimiabteilung. Früher waren es Katzen, späteren waren es Hunde und dann kamen alle anderen Lebewesen hinzu. Egal ob Schweine, Schafe oder hier Gänse.
In Karin Bergraths "Tod im Anflug" spielt die Hauptrolle ein Gänserich namens Tom, der mit Leidenschaft Magnum und CSI schaut und sein Leben auf einen Campingplatz als Paradies sieht. Täglich schaut er mit Ede, einer der Camper, die Nachrichten und entdeckt seine kriminalistische Ambitionen als ein Reiher tot aufgefunden wurde. Sein Spürsinn und die Kenntnisse die ihr aus seinen Lieblingssendungen seinen Vorbild Magnum bezogen hat, wecken in ihm den Ermittler. Doch auf den toten Reiher folgen bald ein toter Kater und schlussendlich stirbt der erste Flügellose. Die Kommissare Reiners und Hump werden dem Fall zugeteilt und ahnen nicht, wer auf diesen Platz längst die Ermittlungen begonnen hat. Gemeinsam mit dem Kormoran Rio ist Tom auf der Suche nach dem Mörder und verstricken sich in ein Netz von Geheimnissen und versteckten Identitäten. Aber egal wie knifflig der Fall, Tom weiß: Ohne ihn werden die Kommissare den Fall nicht lösen können.

Die Besonderheit des Krimimalromans ist der Protagonist. Er zeichnet ihn aus und bestimmt den ungewöhnlichen Verlauf der Geschichte. Die sympathische Art und der ungewöhnliche Charakter von Tom, der wider seiner Natur sich für die Kriminologie begeistert, lässt einen in die Welt der Vögel abtauchen. Es hat fast schon einen cartoonhaften Charme, der dem Leser gerne ein kleines Lächeln abringt. Die Welt aus der Sicht einer Gans hat amüsante Vorzüge, die dem Ganzen einen gewissen Touch gibt. So wie die Lebewesen beschrieben sind und wie sie sich verhalten, zeigt die Karin Bergrath große Beachtungsgabe und liebe zum Detail. Hier hat man es wirklich mit tierischen Instinkten zu tun, auch wenn der Gänserich Tom von seiner Sippe abweicht.
Doch da hört leider auch schon das Positive auf. Denn auch wenn die Flora und Faune ihren Charme hat, ist er den "Flügellosen" vollkommen abhanden gekommen. Die menschlichen Charaktere wirken gegenüber den tierschen eindimensional und stereotypisch. Es fehlt ihnen an speziellen Eigenschaften um sich von der breiten Masse abzuheben. Das gilt für die beiden Kommissare wie auch für die Leute auf dem Campingplatz. Niemand ist ein wirklich Charakterkopf.
Dieses Unausgefeilte findet sich auch in der Handlung selbst wieder. Der Krimi selbst wirkt eher blass, plätschert vor sich dahin und weiß nicht mit Spannung zu überzeugen. Auch wenn Kriminalromane grundsätzlich eher einen ruhige Grundstimmung haben, war dieser nicht mehr ruhig, sondern fast schon einschläfernd. Die Erkenntnisse, die gewohnen werden, erinnern an einem Krimi den man schon längst kennt, so dass Handlungverlauf und -wendungen eher schulterzuckend akzeptiert werden.
Der Spannungsbogen fehlt und auch beim schlussendlichen üblichen "Duell" am Ende wollte das Tempo nicht so recht zunehmen. Wer auf große Überraschungen hofft, der wird eher enttäuscht werden. Die einzige Ausnahme bildet das letzte Kapitel, welches denn ungeklärten Tod einer Person erläutert, den man so nicht erwartet hat, zumindest nicht in einer solch übertriebenen Form.
Auch dem Schreibstil fehlt es an Pepp. Man wünscht sich mehr Dramaturgie, die zumindest von der Verfassungart entstehen könnte, hat aber dann doch eher eine viel zu ruhige Beschreibung der Ereignisse, die selbst nicht mit Spannung überzeugen önnen. Karin Bergraths Stil zeugt von einem Blick fürs Detail, wenn auch teilweise mit unnötiger Kommentatur der Handlungen. So wirkt der Stil der Autorin eher hölzern und schwerhebig, als knackig und mitreißend wie es für einen Krimi sein sollte.

Fazit

"Tod im Anflug" kann mit einem interessanten Protagonisten aufwarten. Ein Gänserich, der ermittelt? Klingt ungewöhnlich und vielversprechend. Aber selbst die beste Hauptfigur kann nicht über einen unspannenden und typsischen Kriminalfall hinwegtäuschen, dem es an Originalität und Dramaturgie fehlt.

★★

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