Rezension: Total durchgeknallt, die Jungs! von Tina Zang

02 August 2013 |

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Verlag: edition tingeltangel
Format: eBook
Seiten. 205
ASIN B00DP648CC
Preis: 4,99 €

Liebe, Sommer und...
neues Ich?

Als die 16-jähirge Flora mitbekommt, dass sie von Zuhause kurzfristig ausziehen kann, versucht sie mit allen Mitteln bei den Verrückten einziehen zu können. Kennengelernt hat sie die vier Jungs, die eine WG gründen wollten, als ihre Mutter eine Wohnung an die vier unterschiedliche Kerle vermittelt hat. Da einer von ihnen einen Auslandsaufenthalt antritt, ergreift sie die Gelegenheit auf eigenen Beinen stehen zu können. Mitunter auch wegen ihren Freund Theo, der eine kleine Elternphobie hat. Sie können sich nur in der Öffentlichkeit treffen, Intimsphäre ist ihnen nicht gegönnt. Dabei möchte Flora endlich zur Sache kommen... es wäre die perfekte Gelegenheit!
Doch das ist nur ein Problem. Flora erfindet die Lüge, dass sie nicht mit Arik, ihren besten Freund, Salsa tanzt, sondern mit einer Ariana. Dabei wollte sie bloß die ewige Eifersucht ihres Freundes im Zaum halten. Aber wie soll sie auf die Schnelle eine Ariana auftreiben? Und da ist noch dieser Yannick, der das Liebeschaos perfekt macht. Und Tessa, ihre erste beste Freundin.

Wenn man den Titel liest, ist der erste Gedanke, es geht um eine kitschige Liebeskomödie, die sehr nach jugendlicher Überdramatisierung und großen Zickenkrieg schreit. Was man aber stattdessen bekommt, bringt den Lachmuskeln einen Muskelkater und immer wieder Momente, an denen man sich an die Stirn schlägt. Denn was hier zusammentrifft ist viel zu kompliziert und nur eine leichte Sommerliebeskomödie zu sein.
Der Roman lebt von seinen Charakteren, deren Jugendlichkeit und Charme einen sofort mitnimmt. Wie aus dem Leben gegriffen, sind sie alle vollkommen unterschiedlich und finden trotzdem zusammen. Der modebegeisterte, homosexuelle, Theaterklamotten sammelnde Vally, der jeden mit seinen Stylingstipps und Make-Up-Künsten in ein neues Licht rücken kann. Der Sportstudent Ches, der einen großen Frauenverschleiß hat und gleichzeitig Angst vor Spinnen. Und der tattoowierte Julius mit dem engelsgleichen Haare, der einen Faible für Schlangen und Spinnen hat. Und das sind nur ein Teil der ungewöhnlichen Charaktere, die allesamt authentisch wirken. Alle haben ihre Ecken und Kanten, ungewöhnlichen Hobbies und Eigenheiten, die sie lebendig, frisch und liebenswert werden lassen.
Alle voran Flora, die Protagonistin und Ich-Erzählerin der Geschichte, die einen ab der ersten Seite sympathisch ist. Ihre unverblümte, fröhliche Art steckt an und der sprudelnde Sarkasmus bringt Wortwitz und Pfeffer in die Geschichte. Ihre kleinen gedanklichen Ausflüge oder Erzählungen am Rande bringen einen immer wieder zum Grinsen, weil sie herrlich überdreht und überspitzt sind.
Die unverkrampfte Art spiegelt sich auch im Schreibstil wieder. Tina Zang hat ein Talent die Jugend so abzubilden wie sie ist, ohne bemüht zu sein bestimmte Indikatoren einzufügen, die alle irgendwie jugendlich erscheinen lassen müssen. Es wirkt nie gekünstelt und aufgesetzt. Das ist auch gar nicht nötig, denn schon allein ihre Charaktere und die Wortwahl macht die Geschichte altersgerecht. Die Worte fließen nur so dahin, emotionsgeladen und einfach aus dem Kopf heraus. Gefühlsecht und mit viel eigener Verwirrtheit.
Tina Zang erfindet mit ihrem Roman das Genre nicht vollkommen neu. Im Vordergrund steht die Liebesgeschichte, die komplizierte erste Beziehung, Liebeskummer und die Wichtigkeit von Freundschaften. Das Flora bei einer alleinerziehenden Mutter aufwächst und ihren Vater nicht kennt, scheint fast nebensächlich und ist nur am Rande wichtig, was dem Roman leider etwas schadet. Es ist einer der Handlugnsstränge, der eine Vertiefung nicht geschadet hätten.
Vielmehr lebt der Roman von Floras frecher Art und den ungewöhnlichen und orignellen Ideen und Charakteren. Die Konstellationen, die enstehen, als Arik sich als Ariana ausgibt und seine innerliche Veränderung geben dem Roman eine eigene Note und ruft Situationen hervor, die die Lachmuskeln angreifen. Und die Frage aufwirft: Ist ein anderes Ich wirklich so falsch? In eine fremde Rolle zu schlüpfen, ist es ein Fehler?
Diese Antwort gibt uns die Autorin am Ende ihres Romans, dass viel zu schnell vor einem steht, weil man einfach nur über die Seiten hinwegfliegt. Auch, wenn das Ende etwas abrupt daherkommt und der Kitsch zu sehr die Oberhand gewinnt.

Fazit

Tina Zang hat eine prickelnde, witzige und orginelle Sommerlektüre geschrieben. "Total durchgeknallt, die Jungs!" besticht durch ungewöhnliche Charaktere, aberwitzigen Situationen und jugendlichen Esprit. Kurzweilig und unterhaltsam. Perfekt für den Sommer.

★★★★☆

1 Kommentar:

  1. Das Buch hat mir auch supergut gefallen!

    Ich habe deinen Blog in meine Liste toller Blogs aufgenommen:
    http://mikkaliest.blogspot.de/2013/06/von-q-bis-s.html

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