Rezension: Rage Inside von Jeyn Roberts

09 September 2013 |

Zum Buch

Originaltitel: Rage Within
Verlag: Loewe
Format: Klappenbroschur
Seiten: 400
ISBN 978-3-785-57397-6
Preis: 14,95 €

Dark-Inside-Dilogie

2. Rage Inside
dritter Teil ist in Planung

Sind wir das Böse?

Drei Monate sind nun schon vergangen und die Hetzer beginnen sich immer besser zu organisieren. Menschen verstecken sich um nicht Opfer zu werden von der Gewalt, die die Straßen bestimmt. Überall sterben Menschen, werden gefangen genommen und einfach abgeschlachtet. Das Böse hat sich in den Menschen gefressen.
Aries versucht ihre Gruppe zu leiten. Sie haben Unterschlupf in einem sicheren Haus gefunden und organisieren sich untereinander. Vor der Tür sind Wachen, die Alarm schlagen im Notfall. Ihre Freudin Clementine befindet sich derweil immer noch auf der Suche nach ihrem Bruder Heath und stolpert durch den zerstörten Campus der British Columbia University. Michael hilft soweit er kann Clementine bei ihrer Suche. Mason schottet sich immer mehr von den anderen ab und verschwindet hin und wieder nachts aus dem Haus. Und Daniel bleibt der Gruppe immer noch fern. Nur vereinzelt trifft er sich nachts mit Aries.
Aber für sie ist der Frieden noch lange nicht gekommen und sie kämpfen immer noch ums Überleben. Denn die Gefahr ist an jeder Ecke. Weiße Transporter fahren durch die Straßen um auch die letzten Überlebenden aus ihren Häusern zu locken. Durchsagen, dass alle sich ins Stadtzentrum begeben sollten, locken Menschen in die Sicherheit und ihren sicheren Tod.
Doch Einzelne widersetzen sich noch und glauben den Hetzern nicht.

Jeyn Roberts setzt an den Cliffhanger ihres ersten Bandes an und peitscht ihre Charaktere durch eine rasante Geschichte voller Gewalt, Blut und Spannung. Und dabei schafft sie es die Schwächen ihres ersten Bandes auszumerzen und sich zu steigern.
Der Roman spielt schon wie im ersten Teil mit den Urängsten des Menschen. Mit den Misstrauen, das man gegen seine Umgebung plötzlich hängt und der Wunsch etwas glauben zu können. Diese Doppelbödigkeit und die beklemmende Stimmung lässt den Leser seine Finger in die Seiten krallen, während er sich vorantreiben lässt.
Wie uns solche Situationen verändern, lässt die Autorin an der Entwicklung ihrer Charaktere sehen. Wirkten sie in "Dark Inside" noch teilweise sehr flach und man konnte ihnen keine richtige Persönlichkeit zuordnen, entwickeln sich im Folgeband klar gezeichnete Charaktere mit Stärken und Schwächen heraus. Sie werden emotionaler, gefühlvoller oder auch gefühlskälter. Die Szenarien, in denen sie sich wiederfinden, härten sie ab, macht sie urplötzlich erwachsen. Ist Verantwortung immer gut? Wann ist es zufiel und was kann man es noch ertragen? Immer wieder gibt die Autorin Einblicke in das Seelenleben und wie manche innerlich aufgeben wollen, aber trotzdem kämpfen. Wie Selbstzweifel an einem nagen oder wie durch die extremen Situationen, Konflikte entstehen, die Katastrophen auslösen.
Durch diese Besserung kommen auch erstmals die verschiedenen Perspektiven wirklich zum Tragen. Die Vertiefung und plötzliche Vielschichtigkeit der Charaktere gewinnt dem Perspektivenwechsel neue Facetten ab. Was aus der einen Sicht in Ordnung erscheint, ist in der nächsten eine große Gefahr und umgekehrt. Spannung wird erzeugt, da der Leser ständig im Dunkeln gehalten wird und an allen Schauplätze zugleich ist. Während die einen noch bangen, weiß der Leser schon, dass man wirklich um sie hoffen muss und wirft sich selbst in das Gefühlschaos hinein. Dabei bleibt Jeyn Roberts ihren harten, aber gefühlvollen Stil treu, der auf den Punkt die Dinge beschreibt, aber nicht unnötig ins Detail geht. Gefühle bleiben so oberflächlich, dass sie nicht zu kitschig wirken und doch so klar gezeichnet, dass einem die Charaktere leid tun.
Man hetzt sich von Seite zu Seite wie die Charaktere um ihr Leben kämpfen, während man immer noch am Rätseln ist, was das "NICHTS" ist. Die Perspektive des "NICHTS" spricht immer noch vom Bösen und hat trotzdem diesen tiefen inneren Zwiespalt, der dem Leser Fragezeichen auf die Stirn bereitet. Der philosophische Ansatz, das im Jedem das Böse steckt, wird dabei nur weiter vertieft, lässt aber immer noch Platz für Fragen offen. Woher kommt es? Warum jetzt? Dinge wie Umweltverschmutzung und das der Mensch und die Überbevölkerung die Erde zerstört und dadurch ausgerottet werden soll kommen wieder auf. Aber ob die Hypothese stimmt und der Wahrheit entspricht, und es wirklich der Auslöser für das Chaos und der viele Tod sind, steht nicht fest.
Was aber feststeht, ist dass Jeyn Roberts eine spannende Fortsetzung von "Dark Inside" vorlegt. Temporeich und abwechselungsreich schickt sie den Leser zurück in ihre postapokalyptische Welt, die immer mehr Opfer fordert. Zeitweise ist die "Rage Inside" weitaus brutaler und kaltblütiger als es schon "Dark Inside" war. An diesem Roman klebt Blut, jede Menge Blut, dass so manchen Leser erschrecken wird, aber die Tiefe und das Ausmaß der Geschichte erst noch verdeutlicht. Manchmal wünscht man sich mehr Überraschungsmomente, da die Handlung sehr geradlinig verläuft und ohne größere Überraschungen auskommt. Für den ein oder andere Wendung ist gesorgt, die man so nicht erwartet, aber kommen musste und unausweichlich war. Dem Roman fehlt es daher manchmal an einschlagenden Wendepunkten, die dem Leser dem Atem rauben, wobei es "Rage Inside" bei Weitem nicht an Spannung fehlt. Man fliegt nur über die Seiten hinweg mit vielen Fragezeichen im Kopf. Nervenaufreibend und manchmal hat man als Leser kaum noch Zeit Luft zu holen.
Aber ein Manko bleibt: "Rage Inside" fühlt sich nicht wie ein Abschluss an. Die angekündigte Dilogie soll noch einen weiteren Teil bekommen, der noch auf sich warten lässt. Denn noch viele Fragen bleiben offen, ein Ausgang lässt sich noch nicht sehen und so ist es bisher nur eine weitere Episode in der Trümmerwelt von Jeyn Roberts, die den Leser wieder mitnimmt und fesselt, aber an manchen Stellen noch unbefriedigt zurücklässt.

Fazit

So wünscht man sich eine Fortsetzung! Spannender, ausgeklügelter, perfider und vor allem vielschichtiger als "Dark Inside" schafft es der zweite Teil "Rage Inside" den Leser in den Bahn zu ziehen. Einzig und allein die teilweise vorhersehbare Handlung macht das Glück nicht perfekt. Trotz allem hat Jeyn Roberts ein wahres postapokalyptisches Fest geschaffen, dass wieder zu überzeugen weiß. Lesenswert!

★★★★☆

Kommentare:

  1. Wirklich gutes Fazit. Ich habe bislang leider keines der beiden Romane gelesen, aber ich neige wohl doch dazu, mir sie nun schon früher anzuschaffen als geplant. Nur, du kennst es ja, wann soll ich sie alle lesen? Hachja, es ist doch wohl ein Teufelskreis.

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  2. Ich fand das Buch auch recht gut, genauso wie dir hat mir das "nichts" eigentlich ganz gut gefallen.. :D
    Ich weiß nicht, ob ich das Buch nun als abgeschlossen oder nicht ansehen soll.. :/

    LG
    Tabea

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