Rezension: Losing It von Cora Carmack

27 Oktober 2013 |

Zum Buch

Seiten: ca. 288
Format: eBook
ISBN 978-0-062-27324-6
Preis: 4,21 € (26.10.13)

Losing It-Reihe

1. Losing It
1,5. Keeping Her
2. Faking It
3. Finding It
3,5. Seeking Her

Das tollpatschige Mädchen und Mr Darcy

Bliss Edwards hat es satt die einzige Jungfrau in ihrem Freundeskreis zu sein. Dieses Manko an ihrem Leben soll endlich beseitig werden, den wer ist schon gerne die letzte Jungfer, die es mit ihren 22 Jahren noch nicht ins Bett mit einem Typen geschafft hat. Ihre beste Freundin hat sich da schon was ausgedacht: Sie gehen in eine Bar, suchen sich einen One-Night-Stand und dann ist endlich Schluss mit der Jungfräulichkeit.
Gesagt, getan, findet sie zuerst keinen einzigen Mann, der sie anzusprechen vermag. Keiner ist der Richtige und alles scheint nur noch eine blöde Idee bis sie einen Mann entdeckt, der ein Buch liest. Besser gesagt, ein Drama von Shakespeare und sie verfällt sofort seinen britischen Akzent. Der Abend scheint doch noch vielversprechend, trotz manch kleinerer Katastrophe, und sie landen bei ihr in der Wohnung, stehen kurz davor es miteinander zu tun, als Bliss kalte Füße bekonnt und mit einer haarstraubenden Lüge versucht dem Dilema zu entgehen.
Leider ist ihr Verehrer von letzter Nacht, nicht nur eine kurze Begegnung, denn er stellt sich am nächsten Tag als ihren neuen Professor für Theaterwissenschaften vor. Garrick, der Typ mit dem heißen britischen Akzent, ist der Verantwortliche für ihren Kurs und das bei ihrem Abschlussjahr. Das Chaos ist perfekt.

Genau dieser Anfang machte mich auf diesen Roman neugierig und ich war eigentlich gespannt auf eine leichte, lockere und unterhaltsame Geschichte. Eben einen Roman für den Hunger zwischendurch, den man lesen kann ohne groß nachzudenken. Nur, wenn man unterhalten werden soll, sollte zumindest ein Minimum an Anspruch vorhanden sein, vor allem, wenn es sich hier um Leute dreht, die sich mit Dramen von Shakespeare und der Antike beschäftigen.
Was man bekam, bis auf die amüsant zurechtkonstruierte Ausgangssituationen, einen Schmachtfetzen, bei den man sich beim Lesen fremdschämen musste. Allen Anfang machen die beiden Hauptdarsteller Garrick und Bliss. Während Bliss als tollpatschiges Mädchen, dass nicht weiß, was sie will und sich nicht so recht traut, weil sie nicht so viele Erfahrungen gesammelt hat, an sich sympathisch herüberkommt, trotz ihren Klischees, ist Garrick nur noch ein Konstrukt seiner selbst. Der britische Gentlemen durch und durch, Traummann, der außer seine Schönheit und seiner Makellosigkeit absolut nichts zu bieten hat. Nicht nur fehlen ihm andere Attribute außer seine "Hotness", sondern verhält er sich für einen erfolgreichen Schauspieler, der Jungschauspielern etwas beibringen soll, ziemlich unprofessionell und fast schon jugendlich. Er entspricht weder seinen eigenen Idealen, noch wirkt er in irgendeiner Weise wie ein Mensch, sondern einfach wie ein Mr Darcy, dem seine Authenzität vollkommen abhanden gekommen ist. Weder Bliss noch Garrick kratzen überhaupt an der Oberfläche ihres Spektrums! Schon allein ihre Gefühle grenzen schon an einen kitschigen Groschenroman, als wirklich eine unterhaltsame Lektüre.
Frei nach der Formel: Ein bisschen Drama braucht eine Liebesgeschichte versucht es die Autorin auch noch eines hinzubiegen. Was ihr zwar gelingt, aber schlussendlich nur in einem weiteren Beziehungsdreieck endet, das in keinster Weise irgendeinen Höhepunkt konstruiert. Allgemein fehlt der kompletten Beziehung von Garrick und Bliss es an Substanz: Auf und ab? Ja, gibt es, aber im geringsten Maße und bildet einen so flachen Spannungsbogen, dass man sich als Leser insgeheim wünscht, sie soll doch endlich entjungfert werden und Friede, Freude, Eierkuchen. Was haben wir nicht alle Tränchen in die Augen vor Rührung. Hach, es ist alles so wunderschön! Mein Gott, fiebere ich mit und wünsche mir doch nur, dass sie zusammenkommen und glücklich werden, obwohl er ihr Lehrer ist und sie die unschuldige Schülerin.
Der Schreibstil der Autorin ist auch eher minimalistisch als wirklich bewunderswert. Zwar schafft Cora Carmack es einen das ein oder andere Schmunzel abzuringen, was aber an der Ich-Erzählerin Bliss liegt, die trotz ihrer flachen Persönlichkeit eine witzige Art noch zu versprugen vermag, doch dabei bleibt es auch schon. Kleine Momente, die ein wenig Witz in die Geschichte bringen und schon ist dort Schluss. Emotionen werden nur in den Kitsch beschrieben, nicht aber in die Realität herhoben.
Dafür, dass hier das Theater eine große Rolle einnimmt, verhalten sich die Figuren bei weitem nicht wie bei einem solchen, sondern nicht nur schlechte Abklatsche einer furchtbaren Inszenierung, die keiner sehen will und kann, weil das Publikum vorzeitig aufgestanden ist.
Und wenn es doch noch bleibt, verpasst eigentlich gar nichts, denn der Schlussakt setzt dem Kitsch noch die Krone auf. Als Groschenroman hätte das Ganze wohl noch funktioniert, als vernünftige Unterhaltungsliteratur oder neudeutsch "Contemporary Romance" versagt "Losing It" vollkommen.

Fazit

"Losing It" von Cara Coramack zeichnet sich durch flache Hauptdarsteller aus, die sich für ihre eigene Darstellung und Inszenierung schämen sollten. Klischeehaft und furchtbar kitschig, da kann sich der Leser nur noch Fremdschämen den Roman gekauft zu haben.

 ★☆☆☆☆

Kommentare:

  1. Ok, krass, so eine Bewertung hätte ich echt nicht erwartet! Der Klappentext klingt nämlich nach einer richtig, richtig lustigen Studentengeschichte. :D

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    1. Tja... leider hört es bei dem guten Anfang auf. An sich hätte die Geschichte viel Potenzial gehabt.

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  2. Oje, schade, dass ich mir dieses Buch vor ein paar Wochen gekauft habe. Das ist nicht die erste negativere Rezension, die ich dazu lese. Ich fürchte mich schon fast, das Buch überhaupt zu beginnen. Das war wohl leider ein Fehlkauf. Trotzdem werde ich es natürlich lesen, Geschmäcker sind ja sehr oft verschieden.

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