Rezension: Lügen auf Albanisch von Francine Prose

07 Oktober 2013 |

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Originaltitel: My New American Life
Format: Klappenbroschur
Verlag: carl's books
Seiten: 320
ISBN 978-3-570-58511-5
Preis: 14,99 €

Die kleinen Lügen
einer albanischen Immigrantin

Als die Alabanerin Lula in den USA ankommt, geht es vor allem um zwei Dinge: Endlich dem Land den Rücken kehren zu können, unter dem sie solange leiden musste und die Greencard bekommen, den Traum des amerikanischen Lebens leben. Und beidem kommt sie mit jedem Schritt näher. Seit sie bei Mister Stanley arbeitet, ist ihr neuer Job die Versorgung eines Teenagers. Sie soll für ihn kochen, was mehr aus Tiefkühlkost besteht, und sich um ihn kümmern. Denn die eigentliche Mutter ist schon längst gegangen und leidet unter starken psychischen Problemen, die das Famlienleben seitdem belasten.
Lulus Tage sind daher eher trist und sie kommt kaum aus dem Haus heraus. Doch auf einmal stehen drei Landsmänner vor ihrer Tür. Alvo, der Anführer der drei, verschlägt ihr sofort die Sprache und übergibt ihr etwas, was ihren amerikanischen Traum zerstören könnte. Es könnte ihre GreenCard kosten. Aber was tut man nicht alles, wenn das Herz einmal das Schlagen begonnen hat.

Francine Prose will eine Immigrationsgeschichte schaffen, die mit Kritik an die USA und seine Einwanderungspolitik nicht spart, einen Blick in das zerrüttete Leben mancher amerikanischer Familie geben und gleichzeitig den ewigen Stolz der amerikanischen Seele einen Tritt verpassen will.  Was wie eine bitterböse und aberwitzige Satire wirkt, verkommt aber schnell zu  einer belanglosen Geschichte, die an allen Enden und Ecken schwächelt.
Wenn man sich die Charaktere ansieht, bekommt man unnahbare Persönlichkeiten, die entweder total überzeichnet sind und das Satirische zerstören oder sie sind so flach, dass man nicht weiß, was man mit ihnen anfangen soll. Stereotypische Stempeln kleben ihnen auf der Stirn ohne dass sie ihrer Funktion als amüsantes oder karikaturhaftes Abbild der Realität gerecht werden. Sei es der Anwalt von Lula mit seinen ewigen Heldentum, dem die Weltrettung nicht genug erscheint oder Mister Stanley, der, obwohl er einen Großteil des Romans einnimmt, nicht wirklich ein Bild ergibt. Mist Stanley ist nur der Vater von Zeke, verdient gutes Geld und ist eigentlich unglücklich mit seinen Job, unternimmt aber nichts für sich selbst. Allen voran fehlt es der Protagonistin an Feinschliff, obwohl sie der einzige Charaktere ist, der es ein wenig schafft hervorzustechen. Das liegt aber vor allem an der personalen Ich-Perspektive, die die Autorin verwendet. Ihre Art, mit kleinen Lügen die Welt zu verändern, die Geschichten aus Albanien ihren Bedürfnissen anzupassen und den doch trocknen Humor, machen es möglich, dass man sie ein wenig ins Herz schließt. Nichtsdestotrotz bleibt sie dem Leser ziemlich fern und weckt wenig Interesse. Obwohl ihre Persönlichkeit den Schreibstil trägt, herrschen auch dort einige Probleme.
Francine Prose schafft es unglaublich direkt zu sein, sehr böse Spitzen zu schaffen und dabei noch eine schelmische Natur an den Tag zu legen, die sie mit interessanten Vergleichen und Metaphern aufzupeppen vermag. Die Sprache ist wahrlich ein Genuss und ist auch einer der wenigen Aspekte, die für den Roman sprechen. Er hat seine eigene Note, die einen verzaubert, wobei auch hier an manchen Stellen weniger mehr gewesen wäre oder wiederum an anderen Stellen genau umgekehrt. Es findet sich kein richtiges Gleichgewicht zwischen der Sprache, den Charakteren und den herrschenden Umständen.
So ist es auch in der Handlung. Alles wird angeschnitten, aber nichts wird fertig gebaut. Es gibt ein Fundament für verschiedene Kritikpunkte an die USA, doch dabei bleibt es. Es bleibt nur bei oberflächlichen Dingen, es wird angesprochen und wieder vom Tisch gekehrt. Die sonst geradlinige überrascht wenig und wirkt oftmals so belanglos, dass man den Roman in die Ecke werfen und sich stattdessen viel lieber etwas anderes lesen will. Einzig das letzte Drittel nimmt etwas Fahrt auf, nachdem der Anfang ziemlich langatmig daherkommt und wie ein viel zu langer Vorspann wirkt. Wenn man den Schluss einmal erreicht ist, ist es zumindest rund und alle Fragen sind geklärt, das Leben aller Charaktere besiegelt, lässt aber einen genauso zurück wie man sich beim Lesen gefühlt hat: seltsam unberührt. "Lügen auf Albanisch" versucht Familientragödie, Satire und Immigrationsstory in einem zu sein und hat trotzdem keinen Bereich davon wirklich abgedeckt.

Fazit

"Lügen auf Albanisch" bietet gute Fundamente für eine Satrie auf das amerikanische Leben und seine Immigranten. Nur dabei bleibt es auch. Nichts wird zu Ende geführt, was angefangen worden ist. Da kann auch ein guter Schreibstil nicht mehr helfen und dem Roman das Leben einhauchen, was er so dringend nötig hat.

★★

Kommentare:

  1. Schade, wirklich schade. Ich hatte überlegt, das Buch meiner Mama zu kaufen (da wir aus dem Kosovo stammen und sie ja alles verschlingt, wenn es um Albaner geht ;D). Allerdings denke ich, dass der Roman für jemanden, der nicht so viel liest, vielleicht gar nicht so schlecht wäre? Kannst du eine Kaufempfehlung dafür aussprechen, obwohl es nicht sonderlich gut abgeschnitten hat?

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    1. Vielleicht hätte ein Albaner mehr Freude daran, aber ich könnte trotzdem keine Kaufempfehlung aussprechen... Gründe findet man ja oben genug.

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  2. Es lohnt sich immer das Buch zu kaufen. Ich habe es.

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