Rezension: Roter Zar von Sam Eastland

25 Oktober 2013 |

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Originaltitel: Eye of the Red Tsar
Format: Taschenbuch
Verlag: Knaur TB
Seiten: 384
ISBN 978-3-426-51049-0
Preis: 9,99 €

Inspektor Pekkala-Reihe

1. Roter Zar
2. Der rote Sarg
3. Sibirisch Rot


Der Sonderermittler des Zaren

Als Pekkala, Sohn eines finnischen Bestatters, zum russischen Militär geht, wie es sein Bruder zuvor getan hat, wusste er nicht wie weit er kommen würde. Weil er sich weigerte sein Pferd so zu quälen wie es der Ausbilder verlangt hatte, erkannte der Zar sein Potential und seinen starken Willen, und auch seine Talente: ein vollkommenes Gedächtnis und eine herausragende Auffassungsgabe.
Er wurde zum Smaragdauge, zum persönlichen Sonderermittler des Zaren. Doch die russiche Revolution änderte nicht nur das Machtgefüge, sondern auch die Stellung Pekkalas. Als Zwangsarbeiter landet er bei einem Holzfällerkommando und verbringt seine Tage alleine in der sibirischen Taiga, bis ein Kommissar kommt und ihm einen Koffer bringt. Einen Koffer mit seinem Smaragdauge, das Zeichen des Sonderermittlers des Zaren, und der Aufgabe von Stalin den Tod der Romanows und des Zaren aufzuklären um den verschlollenen Reichtum der Zarenfamilie zu finden. Was geschah wirklich mit der Familie?

Sam Eastland stürzt sich wie schon viele zuvor auf das Mysterium des großen, verschollenen Vermögens der Romanows, dass seit deren Tod nie entdeckt wurde. Auch heute sind die Todesumstände der Familie nicht vollständig aufgeklärt und ihre Leichen nur zum Teil entdeckt. Mehrere Mythen rangen sich um deren Tod und das nutzt Eastland für seinen historischen Kriminalroman, der Fiktion und Wahrheit gekonnt miteinander vermischt.
Im Gegensatz zu vielen Autoren, die sich der Historie bedienen, stützt sich Sam Eastland auf die Fakten, die bekannt sind und macht aus ihnen seine Geschichte. Detailgetreu und vor allem historisch korrekt zeigt er uns das Russland rund um die russiche Revolution, den Kampf zwischen den Roten (den Anhängern des Zaren) und den Weißen (die Zarenstürzer) und macht daraus eine spannende Geschichtsstunde, die den Fall um den Tod der Romanows löst. Gut recherchiert und anschaulich dargestellt, passend in den historischen Kontext eingefügt, ohne dass an der Realität geschraubt wurde, außer die Passagen, die die Lücken der Geschichtsschreibung stopft. Gerade diese Genauigkeit tragen zum Roman bei. Es sind authentische Momente, die von Korruption und dem schwierigen Machtgefüge geprägt sind.
Dabei merkt man den Roman an, dass im Vordergrund nicht die Charaktere stehen, sondern vielmehr die Handlung selbst. An vielen Stellen fehlt den Akteuren es an Farbe und Tiefe, die sich erst gegen Ende entwickelt und auch zuletzt eher hölzerne Persönlichkeiten hervorruft. Allem voran Pekkala, der herausragende Fähigkeiten besitzen soll, die aber seltsamerweise nie zum Einsatz kommen oder nur angerissen werden um wieder vom Tisch gekehrt zu werden. Seine Besonderheit wird betont, aber nicht von seiner Persönlichkeit wirklich reflektiert. So verhält es sich ebenso mit dem anderen Personal, welches sich erst gegen Ende wahrhaftige Wesenszüge aneignet, die vorher vollkommen fehlen und die Charaktere zu Hohlkörpern machen, denen es an Dimensionen fehlt. Sie sind streng getrennt, können aber ihrer Rolle selten gerecht werden.
Beim Schreibstil spart sich Sam Eastland große Sprachspielereien und kommt kurz und knapp auf dem Punkt. Er lässt der Handlung ihren Freiraum und macht aus ihr eine Art Tatsachenbericht und ist gerade dadurch erschreckend. Es kommt der Detailreichtum der Geschichte zum Tragen, von dem der Roman lebt. Er spielt in zwei Zeitebenen: die Haupthandlung, die Suche nach dem Schatz der Romanows und die Rückblenden, in denen aufs Pekkalas Vergangenheit eingegangen wird, wie er zum Zaren kam und was ihn ausmacht. Das bewirkt vor allem, dass der Leser zu Beginn von Pekkala überhaupt keinen Eindruck hat, ihn als etwas Fremdartiges wahrnimmt und dieses Gefühl durch die Rückblenden nur bedingt aufgehoben wird. Was aber dem Roman nicht umbedingt dienlich ist. Die Kombination aus Vergangenheitselementen und Pekkalas Gegenwart bringen Spannung und lassen erahnen, was in Pekkala steckt, obwohl ihm viel Feinschliff fehlt.
Handlungstechnisch kann der Roman wiederum mit der ein oder anderen Pointe punkten, vor allem der Schluss bringt Überraschungen hervor, die so nicht abzusehen wahr. Es ist eine kriminologische Geschichte, in der Dinge nicht nur über reine Technik gelöst werden kann, da diese noch gar nicht so weit, sondern auch nur über Feingefühl und Menschenkenntnis.

Fazit

"Roter Zar" ist ein interessanter Auftakt rund um einen Ermittler in der Sowjetunion zu Zeiten Stalins. Detailreich und mit Bedacht recherchiert hat Pekkala Chance ein vielschichtiger Protagonist einer historischen Krimi-Reihe zu werden, die viel Luft nach oben bietet und dessen Potenzial bei Weitem nicht ausgeschöpft ist.

★★

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