Skoobe Blogger Treffen oder Wie ich als Mann unter Buchbloggerinnen überlebte

24 Oktober 2013 |
Alles Schöne beginnt mit einem weiten Weg und der lieben deutschen Bahn, die uns zuverlässig und mit voller Motivation an unseren gewünschen Zielort bringt. So stand ich startbereit an meinen Heimatbahnhof, der Zug aus Nürnberg sollte eigentlich eintreffen, aber er kam nicht. Keine Lautsprecherdurchsage, nirgends stand etwas von einer Verspätung und mich beschlich das leise Gefühl etwas ist furchtbar schief gelaufen. Als ein Zug aus der Gegenrichtung urplötzlich auf einem total anderen Gleis einfuhr von dem ich bisher nur vom Hörensagen was gehört hatte, wurde es mir so langsam kalt. Der Zug wird doch nicht ausfallen? Ich muss nach München, verdammt! Leichte Panik beschlich mich und ich lief immer nervöser am Bahnsteig entlang, an der nächsten Zigarette ziehend, bis mit einer fast halben Stunde Verspätung sich die Bahn erbarmt hat uns abzuholen. Meine leise Hoffnung, pünktlich anzukamen, war auf einmal ziemlich gering.
Was will man da schon machen, als sich für die zweistündige Fahrt einen Roman zu schnappen (es lebe der so gehasste eReader, der überall Platz findet) und in Ruhe zu lesen. Geschweige denn, man kommt dazu! Ihr kennt das bestimmt bei öffentlichen Verkehrsmitteln. Diese kleinen Problemchen, dass man eben nicht alleine in einem Waggon sitzt: Da hat man die schnatternden Hühner, die ihren Mund nicht zubekommen, die kleinen Kinder, die durch die Gänge schreien oder die Betrunkenen, die einen mit irgendeinen Schwachsinn vollsülzen. Das Schönste ist es dann, wenn jemand (aus Platzmangel), den man überhaupt nicht kennt und vom ersten Blick an hasst, neben einen sitzt und dann Small Talk beginnt, den man gar nicht haben will. Ich dachte, das ist das Schlimmste: Besoffene, die einen mit Schnapsgeruch ihr Leben vorheulen. Aber es geht schlimmer. Es sind die Pärchen! Ich rede nicht von schmusenden Pärchen, die sich liebenssüchtig angucken und ruhig der Welt zeigen, sie sind glücklich zusammen und für immer und ewig, Amen. Ich rede von diesen frisch verliebten, die ihre Hände nicht bei sich lassen können, nur noch reden, kichern und "JA! ICH AUCH! WIR SIND SEELENVERWANDT!" überall herausschreien. Die, die nicht mehr aufhören und bei denen die Lippen sich wie Staubsauger aufeinanderzubewegen und du das Schlappern der Zunge, wie sie sich in die Mundhöhle des Gegenübers drückt, hörst. Ein Schmatzer da, ein Kuss hier und steck ihr doch noch gleich die Zunge rein und pack sie auf dem Sitz zusammen, unter aller Augen. Das leise Aufstöhnen der Beiden machte mir Sorgen, ob ich nicht doch in einem unfreiwilligen Pornofilm gelandet bin: "Bahn macht mobil", auch in sexuellen Dingen. Nichts gegen die Liebe, aber zwei Stunden Dauergeknutsche von einen lieb blickernden Blondchen und einem schlecht deutschsprechenden Franzosen, der mit seinem "Je t'aime!"-Zungenschlag einen ganz nervös macht, kann viele Nerven kosten. Und wie soll es auch anders sein, stiegen sie nicht aus. Am selben Bahnhof eingestiegen und beim selben wie ich wieder hinaus. Manchmal hat man auch so ein Glück im Leben! Fremdschämen fühlte sich noch nie so unehrlich an, wenn man Leuten eigentlich die Liebe gönnt, aber sie dafür hasst. Als dann mir die nette Durchsage des Schaffners eröffnete: "Der Anschlusszug wird nicht erreicht!" war ich sauer, sauer das die Bahn diese Leute damit wieder warten lässt und fröhlich darüber, dass es nicht mein Anschluss war, der mal wieder nicht erreicht wird. Die Verspätung reicht ja schon, oder?
Umso glücklicher war ich am Bahnhof (die Bahn hat ihre Verspätung eingeholt. Magie? Ich weiß nicht wie das funktioniert hat, aber ich grüße an dieser Stelle alle Leute, die trotzdem ihren Anschluss verpasst haben). Mit ausgestreckten Armen wurde ich von bekannten Gesichtern empfangen und wir begaben uns endlich richtig Café Lotti. Unsere Führerin Shou brachte unsere kleine Gruppe ohne Navigationsschwierigkeiten ans Ziel und ich sah mich in meiner Männlichkeit  plötzlich ein wenig eingeschränkt. Ich meine, ich bin es gewöhnt, dass mindestens 90% der Personen, die um mich herum laufen, weiblich sind, aber die rosafarbenen Wände, die einem sehr schön dekorierten Café gehörten, das nach Kaffeeklatsch unter Freundinnen schreit und dabei so niedlich wirkte, ließ meine innere Frau glücklich seufzen. Die Aussage: "Die haben Haargel und Haarspray auf dem Klo!" einer Bloggerin machte mir noch mehr Sorgen. Gibt es überhaupt eine Toilette für Männer oder muss ich draußen bleiben: Männer raus?
Bin ich denn der einzige Mann hier? Leise betete ich das vielleicht doch noch ein männliches Wesen hereinspaziert kommt, nachdem immer wieder Bloggerinen auftauchten. Es kamen sogar Männer ins Café, sie gehörten aber zum Skoobe-Team, die das Bloggertreffen organisiert haben, sodass ich auf der Bloggerfront wenig Unterstützung erhielt. Auf einmal war man wie eine Anomalie, etwas Widernatürliches, und fühlte sich seltsam fremdartig. Ich stellte mich froh, trank Kaffee, auf dem ein Herzchen auf dem Milchschaum gemacht wurde. Ein Herzchen! Meine Männlichkeit ließ ich einfach über Bord gehen und ließ mich auf die leckeren selbstgemachten Schorlen ein, die das kleine, niedliche, feminene Café doch zu einem schönen Ort machten. Lauschig und eben... mädchenmäßig süß. Irgendwie arrangiert man sich als Mann dann doch mit der rosa Farbe, aber mir kam mittlerweile, neben der Männerquote, die ich mit voller Überzeugung durchzusetzen versuchte, dass ich auf einer Kaffeefahrt gelandet bin. Beim Kuchenverzehr wurde ich misstrauischer, als immer noch nicht eine Werbeveranstaltung in Sicht war. Wo bleibt die Präsentation, wo uns die App gezeigt wird und jemand mit dem Tablet herumsteht, es in kreisförmiger Bewegung anpreist und wie ein Marktschreier uns versucht zu hypnotisieren, dass wir endlich kaufen... KAUFEN KAUFEN!
Stattdessen wurde über alles Mögliche kräftig geplaudert. Von guter Literatur, von schlechter Literatur, von netten Autoren, von komischen Autoren, von Spinnern oder von ganz außergewöhnlichen Gesalten (und der ein oder anderen sexuellen Vorliebe mancher Poetry Slammer). Egal ob Blogger oder Skoobe-Mitarbeiter oder die blanvalet-Mitarbeiter, dass war gar nicht mehr so wichtig. Es war ein kleines Treffen in einem abgeschlossenen Kreis, mit freundlichen Menschen, witzig und unglaublich charmant, weit weg von einer bloßen Werbemasche. Auch wenn ich mir etwas deplatziert vorkam, vor allem nachdem die erste Person mit neugierigen Blick ankam und den Worten: "Du bist der erste männliche Buchblogger, den ich begegne." Ich bin doch eine seltene Spezies. Dass mir Herr Rothfuss von blavalet dann auch noch sagte, er habe von 600 Bloggern, gerade einmal 5 Männliche in seiner Kartei, ließ mich geschockt zurück.

(c) Annika
Und als wäre das nicht schon schön genug, gab es eine Lesung obendrauf. Juli Rautenberg setzte sich an ihren Platz, leicht nervös wirkend vor ihrer Lesung, an ihrer Seite die Lektorin und Pressevertreter von blanvalet, die sich unter das Literaturvolk gemischt haben. Es war klar, dass es Romane aus dem Chick-Lit-Bereich sind und mein Kopf war gar nicht so angetan davon, anfangs zumindest, bis ich sie vorlesen hörte. Anfangs schilderte sie die Entstehung des Romans, der durch einen Blog und der Frage, wie finde ich endlich meinen Mann, geprägt war. Und wie sie es machte, ließ alle aufhorchen. Auf verschiedenen Wegen schritt sie durch das Flirt- und Datingchaos und las dabei aus ihrem Leben vor. Manche mussten aufpassen vor Lachen nicht zu Weinen oder Lachkrämpfe zu bekommen, denn vor uns saß eine wirklich sympathische Autorin mit Charme und vor allem großartigen Sinn für Humor. Ich war überzeugt, ich muss diesen autobiografischen Roman lesen, egal ob ich jetzt die Zielgruppe bin oder nicht.
So schnell man sah, war die Lesung aus ihren beiden Romanen auch schon vorbei, wir haben geklatscht, waren überzeugt und uns wurde das Buch dann auch noch kostenlos in die Hand gedrückt, sodass wir uns gleich noch eine Signatur holen konnten. Für mich blieb immer noch: Wo ist der Haken? Wo bleibt jetzt die Werbung? Bin ich schon reingefallen und weiß davon nichts? Geschickte Promoaktion für Juli Rautenberg?
Man saß noch ein wenig im Café, trank und aß und bekam dann, wer wollte, Skoobe so ganz nebenbei erklärt, ganz unaufgezwungen. Niemand musste sich etwas antun, wenn er nicht wollte. Für die, die gekommen waren, gab es noch einen Gutschein für drei Monate und eine Tasse! Ja, eine Tasse! Ich hatte darauf plädiert (im Spaß) und bekam meine Tasse nachträglich, obwohl keine mehr übrig war!
Leider mussten wir uns dann an dieser Stelle von den meisten verabschieden, weil Bus und Bahn erreicht werden mussten (und die Pünktlichkeit der deutschen Bahn ist ja bekannt. Ich habe es selbst erlebt! Zuverlässig und vor allem zügig ist man da ja immer am Ziel), sodass ich und zwei Weitere übrig blieben und wir noch einen kleinen Rundgang durch die Skoobeschen Hallen (zwei Räume) bekommen haben. Ein kleiner, aber interessanter Einblick in ein Unternehmen, das sympathische Mitarbeiter hat (wo kann ich anfangen?) und sich im E-Business versucht zu platzieren.

Und was vom Tage übrig blieb? Nette Gespräche, spannende Bloggerinnen (ich musste die Männerquote erfüllen) und eine sympathische Autorin. Und einen großen Dank an das Skoobe-Team, das dieses wunderbare Treffen organisiert hat und mir und vielen Anderen einen wunderschönen Tag beschert hat. Und auch an Juli Rautenberg und die sehr amüsante Lesung. Außerdem weiß ich jetzt wie "skoobe" ausgesprochen wird. Weder schwedisch, finnisch, norwegisch oder sonst für kryptische Sprachen, sondern einfach nur ENGLISCH. So einfach kann die Lösung sein, wenn man sich nicht immer selbst ein Bein stellt.

Vielen Dank an dieser Stelle auch an: ShouJennifer JägerMonika Schulze, Melanie Stoll, Dagmar Stoll, Jana PetiteRicarda, Vero NefasSabrinaSelinaNatalie, Kasia und Alice. Man sieht sich bestimmt mal wieder.

Kommentare:

  1. Was für ein schöner Bericht! :)

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    1. Dankeschön und war auch ein wirklich schöner Tag.

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  2. Haha wie genial. xD Marie und ich wollten eigentlich auch kommen, aber die Busfahrt hätte 11 Stunden gedauert. :-(

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  3. Wirklich ein toller Bericht, ich hab mich weggeschmissen. Ich hab zwar keine Ahnung was skoobe ist und genau macht, aber ich werds gleich mal googlen =). Du hast da übrigens einen genialen neuen Werbeslogan für die Bahn. Damit würden die glatt aus ihrer negativen Presse raumkommen =)

    Ein Hoch auf die männlichen Buchblogger!

    LG
    Anja

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    1. Freut mich, wenn du dabei lachen konntest ;) Und wenn die Bahn en Spruch haben möchte, würde ich den gerne gegen Bezahlung abgeben! Ich wehre mich nicht.

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  4. xD
    Ich mag deinen Schreibstil immer noch. Ihr wart aber ziemlich wenige, habe ich das Gefühl. Ich wäre so gerne dabei gewesen, aber es war doch zu teuer :( und so konnte ich ins Kino - man muss sich ja alles schön reden.

    Ja, Chrissie, erfüll mal deine Männerquote oder hol uns mehr Y-Chromosome in die Buchbloggerwelt!

    Liebste Grüße
    Tabea

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    1. Wenn die männliche Buchbloggersuche nicht bloß so schwierig wäre...

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  5. Ohh, Moni und Nata!! ;)
    Ohje, des tut mir ja echt leid, was du da im Zug erlebt hast, total schlimm. Ich brauche auch völlige Ruhe zum Lesen, aber nachdem ich in den letzten Jahren viel pendel. hab ich mich ein bisschen drangewöhnt. Schreiende Kinder dürfen dann aber trotzdem nicht im Abteil sein.
    Musst männliche Blogger anwerben ;)

    lg. Tine =)

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    1. Mir sind die Kinder noch lieber, als dieses Pärchen... das drängt sich so auf. Ich brauche keine absolute Stille, aber zumindest darf ich nicht abgelenkt sein.

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