Rezension: 434 Tage von Anne Freytag

06 Januar 2014 |

Zum Buch

Format: eBook
Seiten: ca. 215
ASIN B00B2SG7QA
Preis: 4,99 €

Was will mein Herz,
was der Verstand?

Irgendwie ist die Sache viel zu kompliziert um es zu beenden und viel zu kompliziert wie es begonnen hat. Nach Jahren trifft Anja Julian wieder und weiß nicht mehr was sie tun soll. Eigentlich hat sie alles, was sich jeder wünscht. Erfolgreich im Job, mit einem Mann zusammen, der sie liebt, der mit ihr ein Haus baut und bei dem sie sich sicher fühlt. Das Glück, was man sich wünscht, hat sie bekommen... und trotzdem fehlt da ein Stück. Mit Tobias ist es perfekt. Aber ist es das richtige Glück? In diesem Augenblick, als sie Julian auf ihrer Geschäftsreise in Genf trifft, scheint es ihr klar zu sein. Und sie tut das, wofür sie sich niemals fähig gefühlt hat zu tun. Sie führt eine Affäre und findet sich in einem Beziehungsdreieck wieder, in der sie nicht weiß für wen sie sich entscheiden soll. Welches Leben sie leben will und vor allem, ist es auch wirklich das, was der Andere auch fühlt?

Manchmal bekommt man eine Romanempfehlung, der steht man anfangs skeptisch gegenüber. Sie führt also eine Affäre... sie hat daheim alles. Alles klar, sie brennt natürlich mit der Liebe ihres Lebens durch oder sie findet sich selbst wieder, kehrt zu ihrem Mann zurück, der sie wieder in die Arme nehmen wird.
Wer so an diesen Roman herangeht und die lockerleichte Liebgesgeschichte mit klasschichen Dreiergespann erwartet, wird enttäuscht werden. Hinter "434 Tage" verbirgt sich vielmehr eine Geschichte, die das Leben geschrieben haben könnte. Liebe ist nicht so einfach gestrickt wie man glaubt und das gefundene Glück scheint manchmal nur an der Oberfläche die Glückseligkeit nach der wir alle suchen. Anne Freytag schickt ihre Protagonistin Anja auf Selbstsuche, auf eine brutale Art und Weise, in einer Situation, wo sie ihre Lebensentscheidungen immer wieder hinterfragen muss, ihr altes Ich aus verschlossenen Türen hervorholen muss um die Frage zu klären, die man sich ungern stellt: Wer bin ich eigentlich?
Hinter all den Rollen, die wir im Leben spielen, verlieren wir oftmals die Persönlichkeit und uns selbst. Stürzen uns in Leben, die wir niemals so geplant oder gewollt hätten und fühlen uns glücklich, weil wir nicht mehr wir selbst sind. Genau da setzt "434 Tage" ein und beschreibt die Entwicklung von Beziehungen, die nur durch verschiedene Prämissen überhaupt möglich waren.
Sie beschreibt wie sie zu ihrem Ehemann kam und wie es überhaupt mit Julian soweit kommen konnte. Dabei verwischt sie oftmals die Grenzen zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Immer wieder wechselt die Autorin zwischen den Zeitebenen hin und her, so dass Anjas Vergangenheit mit Julian und ihre Zukunft zu einer Einheit verschmelzen. Bewusst bringt Anne Freytag uns dazu, diese Situationen zu hinterfragen, ihre Entscheidungen anzuzweifeln und schafft gleichzeitig, dass wir ein Bewusstsein für Anja bekommen. Dass es nicht eine Anja gibt, sondern mehrere Versionen von ihr, bei der nur Eine, die wahre Persönlichkeit ist.
Der ganz spezielle eigene Ton von Anne Freytag bringt der ganzen Geschichte ihre Farbe. Oftmals amüsant, dann wieder poetisch, schreibt sie über das Zerfallen einer Beziehung, das Einschlafen von Leidenschaften und die Flucht nach vorn oder nach hinten. Greift dabei zu ungewöhnlichen Metaphern und gibt allem seine ganz eigene Note. Gerade die Mischung aus den witzigen und sarkastischen und gleichzeitig poetischen, analytischen und eindringlichen Schreibstil bringt den Charakteren ihre Eigenschaften. Man hat ein klares Bild von ihnen und hat oftmals das Gefühl, dass man sie gut kennt, ihre Schritte vorahnen kann und findet sich doch wieder in Sackgassen wieder, in Pointen, die ihre Unberechenbarkeit klarstellen.
Was anfangs noch wie die klassische Dreiecksgeschichte wirkt verkommt zu einer hochkomplexen Situationen, in der der Leser keine Grenzen mehr ziehen kann, ob etwas falsch ist oder doch richtig. Man tut sich schwer, Anja abzustrafen, Julian zu verurteilen oder Tobias kein Mitleid zu schenken. Alle wissen, was passiert und niemand spricht darüber. Sie alle halten still, kapseln sich ein und findet sich dann im großen Dilemma wieder.
In einem Dilemma, in der die schlussendlichen Entscheidungen die großen Konsequenzen nach sich ziehen. Bis zum Ende weiß man nicht, welchen Weg welche Person gehen wird und findet sich in einem Schluss wieder, der einem still stehen lässt. Lange weiß man nicht, ob man es befürworten soll oder kritisieren, ob es das Richtige ist oder nicht... ob es ändern hätte können oder nicht. Wahrscheinlich hätte man vieles verhindern können, was in diesem Roman geschieht, wenn die Personen zu sich selbst gestanden und miteinander geredet hätten, gemeint hätten, was sie sagten und ehrlich davon sprechen, was ihnen fehlt. Doch wie so oft fehlte die Kommunikation.

Fazit

Anne Freytag stürzt sich mit ihren Roman "434 Tage" in eine Ménage-à-trois, die sich durch ihre ungewöhnliche Komplexität von vielen anderen abhebt. Einfühlsam, eindringlich und unglaublich authentisch erzählt sie eine Geschichte, bei denen die Charaktere eins vergessen haben: Sich selbst und die Anderen. Außergewöhnlich anders und wundervoll in Worte gekleidet.

★★★★

Kommentare:

  1. Huhu!

    Das Buch klingt ja wirklich echt toll und spannend!
    Es landet jetzt auf meine elendig lange Wunschliste^^

    Eine sehr tolle Rezension!

    Liebe Grüße
    Julchen

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    1. Hoffentlich ist auch auch von der Wunschliste bald im Regal! ;)

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  2. Wow! Das Buch klingt klasse. Und deine Rezension ist wirklich super schreiben, sehr wortgewand (;
    Liebe Grüße,
    Jasi

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  3. Hey Sky!

    Aaaarrgh du machst es mir nicht gerade leichter meinem SuB anzubauen ^^
    Tolle rezi und petzi hat es mir ja auch schon so wärmsten empfohlen..
    Ich muss es wohl bald lesen..

    Liebst, Lotta

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    1. Und Petzi hat es mir empfohlen... und jetzt sage ich auch: LES ES!!

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  4. Tolle Rezension - welche dazu geführt hat, dass das Buch jetzt erst mal auf meine Wunschliste landet, da ich aus deiner Rezi rauslese, dass das ein Must-Read ist und mir gefallen könnte =)

    LG Simone

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  5. Ich liebe deine Rezension. Freut mich total, dass Petzi und dir mein Roman so gut gefallen hat. Danke und ganz liebe Grüße,
    deine Anne

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