Rezension: Das Trüffelschwein auf Gottes dunklen Pfaden von Stefan M. Fischer

25 Januar 2014 |

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Format: eBook
Seiten: ca. 81
ASIN B00HY19Z36
Preis: 2,99 €

Bayrischer Provinzkrimi trifft auf Sadomaso

Horst-Johann Doblinger ist mit seinen 45 Jahren immer noch Single und verbringt seine Abende am liebsten mit seiner Gummipuppe - Secondhand für unter zwei Euro ersteigert - "Franzsika Beckenbauer". Als eingefleischter FC-Bayern-Fan musste so ein Name sein, nur Franz Beckenbauer war dann doch ein wenig unangebracht.
Sein Frauengeschmack ist eben ein wenig anders. Die älteren Damen haben es ihm angetan, bringen sein Herz zu flattern und den ein oder anderen Fetisch hat er auch, der Doblinger. Und gerade, als er beim "Spielen" mit seinem Sexshopflirt ist, ruft Mama an und führt ihn zu seinen ersten Fall. Denn die Lösung aus Hartz-IV heißt "Das Trüffelschwein", seine eigens gegründete Detektei.
Die Katze McBacon ist entflohen nach einem ausgiebigen Streit mit ihrem Besitzer, bei der die Liebe zu einem Hund eine Rolle spielt. Er soll sie bitte finden... doch auf seiner Suche stoßt er auf einen viel größeren Fall. Pfarrer Max Dominikus bekommt seltsame Botschaften und Marien-Statuen verschwinden in der Gegend. Doblinger soll ermitteln und landet unfreiwillig in einer ziemlich verfahrenen Geschichte, mehr als ihm lieb ist.

Schon die Eröffnungszene hat es in sich. Ältere Dame, gefesselt und geknebelt, wartend auf ihre Liebesknochen und als Leser schaut man erstmal verwundert und verstört aus der Wäsche. Bis das Telefon klingelt. Was ist hier los? An dieser Stelle würde man denken, man hätte es mit einen perversen Killer zu tun. Das ist er! Mein Gott, ist das krank! Dass es hier um den Protagonisten Horst-Johann Doblinger geht, der einfach ein paar Fetische hat und auf Frauen jenseits des Rentenanspruchs steht, zeigt gleich: ein normaler Krimi ist dieser Kurzroman sicher nicht.
Denn hier geht es nicht nur skurril, sondern teilweise abgedreht zu. Mit oberpfälzisch-bayrischen Charme angehaucht, befinden wir uns in der Kleinstadtidylle, in der vieles nicht ganz so normal ist. Die eigenwilligen Leute, die einen aufgezeigt werden, treiben einen nicht nur ein Grinsen ins Gesicht, sondern bringen einem zum schallenden Lachen. Überzeichnete Figuren, wie eine leicht herrische Mutter, die ihre Körperausdünstungen nicht ganz bei sich belassen kann, ein Ermittler, der in vielen Dingen einfach einen an der Klatsche hat und man ihn trotzdem sympathisch findet und eine Katze, die auf McBacon steht, mit einem Besitzer, der mit ihr kommuniziert. Irgendwie haben alle einen kleinen Schaden, aber wer ist heute schon normal? Wirklich ernst darf man hier keinen nehmen, und fällt auch wirklich schwer.
Alles in einem Topf geworfen, erzählt Stefan M. Fischer eine skurrile Krimi-Komödie, bei der die Lachmuskeln sich anspannen. Immer wieder den Dialekt pflegend, und die teils ruppige Art der Leute einfangend, bekommt man einen Gag nach dem anderen serviert. Und mittendrin spielt Doblinger den Antihelden, der einfach so in diese Geschichte gerät, die er anfangs gar nicht so vermutet hatte. Voller gelungener Vergleiche, witziger und spezieller Metaphern und skurrilen und obskuren Momenten, kann man sich nicht mehr vor Lachen halten und muss sich öfter mal die Hand vor dem Mund halten, um nicht die Mitfahrer in Bus und Bahn zu belästigen. In bester Provinzkrimimanier wird hier herumgedruckst und ein wenig in die vermeidliche Harmonie der Kleinstadt hineingeleuchtet. Immer mit einer pointierten Sprache, bei der man manchmal den Kopf schüttelnd weiterliest oder das Schmunzeln nicht mehr lassen kann. An vielen Stellen wird es öfter mal derb, typisch bayrische Klischee aufgegriffen (die gar nicht so Klischee manchmal sind), überspitzt und abgedreht, aber immer passend und so karikaturhaft, dass es in den kurzen Roman passt
Die Handlung und die Ermittlung verläuft dabei knapp und kurz, ohne viel Prunk und große ermittlerische Arbeit, was vor allem an den eher tollpatschigen Doblinger liegt, der nicht nur bei seinen Spielchen speziell und etwas ungelenk ist, sondern auch bei seiner kriminalistischen Arbeit. Es ergibt sich einfach, wenn auch mit Zufällen, die Lachtränen hervorbringen. Vor allem der Schluss und die Auflösung ist so abgefahren, dass man als Leser erstmal erstaunt ist wie logisch es klingt, so unwahrscheinlich es sein mag. Man rechnet mit allem, aber nicht mit diesem Ende! Verblüffend, unvorhersehbar und einfach nur genial witzig.

Fazit

Stefan M. Fischer schafft eine skurrile Krimi-Komödie mit einem sympathischen Möchtegernprivatdetektiven, der mit seiner leicht trotteligen, aber herzlichen Art, sich dem Leser präsentiert. Was er so im privaten Keller betreibt ist zwar abgedreht, aber so ist halt der liebe Herr Doblinger. Eine Krimi-Komödie mit der richtigen Portion derben Humor und bayrischer Beschränktheit. Herzig und zum schieflachen.

★★★★

Kommentare:

  1. Das klingt...anders, aber irgendwie auch so, als wenn es was für mich wäre. ;)
    Mal sehen, ich habe von dem Autor schon vor einiger Zeit "Das Mondgeheimnis" gelesen, das mir sehr gefallen hat, obwohl das in eine ganz andere Richtung ging.

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    1. "Das Mondgeheimnis" hab ich leider noch nicht gelesen, möchte ich aber noch tun. Aber ich mochte auch sein "Den Teufel am Hals"!

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  2. Oh Gott, du liest ja komische Bücher :D

    Haha, nein ehrlich.. das hört sich schon ziemlich abgedreht an.. Ohne das Sadomaso-Zeugs wäre es etwas für meine Oma - die mag regionale Krimis.. Aber ich glaub, ich empfehle es ihr dann doch nicht :D

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