Rezension: Dein Blick so kalt von Inge Löhnig

21 Januar 2014 |

Zum Buch

Format: Paperback
Verlag: Arena
Seiten: 368
ISBN 978-3-401-06762-9
Preis: 12,99 €

Das Praktikum wird zum Albtraum

Nach ihrem Abschluss wollte Lou endlich ihren Traum wahr machen: Sie will Mediengestalterin werden, am besten in München. Raus aus Straubing, rein ins Leben und in die Großstadt. Doch ihr stehen einige Hürden im Weg: Ständig bekommt sie Absagen und ihre Wunschausbildung rückt in weite Ferne. Ihre Eltern sind absolut dagegen und wünschen sich für ihre Tochter eine solide Ausbildung als Arzthelferin in ihrer Heimatstadt, was für Lou der blanke Horror wäre.
Auch bei der letzten Bewerbung wurde sie wieder nicht zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Ihre Freundin Caro hat aber eine Idee: Sie soll in der Agentur anrufen, woran es gelegen hat, dass sie abgelehnt wurde. Schnell muss sie feststellen, dass ein vorangegangenes Praktikum die Regel ist und die Tür zu ihrem Traumberuf öffnen kann. Auf ihr Drängen, entschließt sich die Agentur sogar, sie als Praktikantin anzunehmen und dann eventuell die Ausbildungsstelle zu bekommen.
Es ist die Gelegenheit! Lou bekommt den Platz, darf nach München und zieht in ihrer erste kleine Wohnung, wenn auch vorerst nur für zwei Monate. Frei von Eltern und in er Großstadt angekommen, lernt sie schnell Leute können und fühlt sich wohl. Bald scheint aber ihr Traum zum Albtraum zu werden. Ihre Mitpraktikantin, mit der sie sich im Wettstreit befindet, ist eine Zicke, ihr Chef, ein Mann, der seine Finger nicht bei sich lassen kann und sie bekommt seltsame Briefe und Nachrichten. Irgendjemand will sie fertig machen und heftet sich an ihre Fersen. Die Polzei nimmt sie nicht ernst und ihre Verzweiflung und Panik wird immer größer. Wer will ihr etwas Böses?

Inge Löhnig ist bekannt für die erfolgreichen Kriminalromane um den Kommissar Dühnfort und zeigt mit "Dein Blick so kalt", dass sie den Jugendthriller genauso gekonnt beherrscht.
Das erste, was auffällt, ist das Feingefühl und die Authenzität der Protagonistin, die den Thriller trägt. Sie ist tough, frech, aber genauso noch hilflos und braucht in vielen Dingen noch eine führende Hand. Trotz ihrer sechszehn Jahren wirkt sie schon sehr erwachsen, bewegt sich aber noch unsicher und neigt zu Überreaktionen und Überschätzungen. Das Bild, was die Autorin dabei kreeiert, ist so einfühlsam und wohlgeformt, dass Lou eine starke Figur ist, in der sich Jugendliche schnell wiederfinden werden und können. Sie hat ein Gespür für ihren Willen, dass sie sich selbst entwickeln wollen, und zeigt auch den Starsinn der Eltern, die ihre Kleine doch nur beschützen möchten, das Beste sich für sie wünschen. Die Konflikte, die daraus entsehen und die Art wie sie angegangen werden, finden wohl in jedem Haushalt statt. Oftmals prallt derWillen der Eltern auf den Willen der Kindern und die Vorstellungen können weit auseinander gehen. Hier ist die Ausbildungsstelle das emotionale Minenfeld, was zu einen Streit führt.
Auf diesen Grundkonflikt baut sie ihren Roman auf, bei dem Lou aus Straubing flieht und in München sich ihr Leben aufbauen will. Inge Löhnig beschreibt das so unglaublich leicht und realitätsnah, dass man auch auf beruflicher Ebene weit über die Oberfläche hinausgeht. Sie spart nicht mit Details, Herangehensweise und Techniken, die eine Mediengestalterin ihr Handwerkszeug nennt und schafft mit der Mitpraktikantin eine allzu verständliche wie nervenaufreibende Situation. Als studierte Grafikdesignerin kennt sich Inge Löhnig in diesem Bereich bestens aus und das merkt man an den Formulierungen und der Verhaltensweise ihrer Charaktere, die in die Agentur natürlich reagieren und arbeiten.
Der Stil des Thriller wechselt dabei immer wieder, je nach Perspektive. Es wird zwischen Lou, den Täter und ihrem Freund gewechselt. Es entsteht ein allumfassender Blick, der gerade für den Leser fatale Konsequenzen hat. Ist man anfangs noch sicher wie die Sache ausgehen wird, wer der Strippenzieher ist, wird man immer weiter verunsichert, steigert sich in seine eigene Theorie hinein und läuft damit gegen eine Wand. Inge Löhnig leitet den Leser gekonnt und führt ihn durch ihre verschiedenen personalen Perspektiven unbemerkt auf's Glatteis. Zusätzlich werden Zeitungsartikel zum Mordfall an einem Mädchen eingeschoben, de aber stilistisch zu wenig nach objektiven Journalismus klingen und selbst als Reportage besitzen sie zu viel literarischen Charakter, was aber der Spannung nicht schadet.
Denn einmal in der Geschichte gefangen, liest man sie konsequent bis zur letzten Seite, obwohl der Verlauf teilweise zu geradlinig erscheint und es hier und da an Pointen mangelt, steigt die Spannungskurve mit jeder Seite nach oben. Man liest gebannt weiter, sieht die Katastrophe kommen, weiß nicht mehr, wer dahinterstecken soll und kann es sich nicht mehr erklären. Die Überraschung der Auflösung kommt erst zum absoluten Schluss und die Einzelteile fügen sich zusammen: Logisch, lückenlos und vor allem mit atemenloser Hochspannung bis zur letzten Seite.

Fazit

"Dein Blick so kalt" ist kein perfekter Jugenthriller, aber einer, der es in sich hat. Spannend, authentisch und nah an der Jugend dran, erzählt der Thriller eine Geschichte einer jungen Frau, die ihren Weg geht und dabei ihren schlimmsten Albtraum begegnet. Ein Jugendthriller mit Anspruch und Pageturnerqualität.

★★★★☆

1 Kommentar:

  1. Hey Sky,
    Na das habe ich ja mal absolut nicht von diesem Buch erwartet :D
    Ich glaube ich werde es auch lesen müssen ;) vielen Dank fürs drauf aufmerksam machen :D

    Liebst, Lotta

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