Rezension: Winterkartoffelknödel von Rita Falk

31 Januar 2014 |

Zum Buch

Format: Taschenbuch
Verlag: dtv
Seiten: 240
ISBN 978-3-423-21330-1
Preis: 8,95 €

Eberhofer-Franz-Reihe

1. Winterkartoffelknödel
2. Dampfnudelblues
3. Schweinkopf al dente
4. Grießknockerlaffäre
5. Sauerkrautkoma

Bayrische Komödie trifft Dorfpolizisten

Als Müncher Polizist in sein Heimatdorf Niederkaltenkrichen straftversetzt, gibt es in der Idylle nicht viel zu tun. Da läuft man halt eben mit dem Hund durch den Wald, genießt die bayrischen Köstlichkeiten von der tauben Oma und geht auf ein Bier ins Wirtshaus. Alles ganz normal auf dem Land. Natürlich gibt es auch mal den ein oder anderen Verkehrssünder, doch sonst ist da nicht viel los. Glaubt man, bis dem Eberhofer Franz doch etwas seltsam erscheint. Die Neufhofers sterben alle miteinander irgendwie auf seltsame Weise. Jeder tut es ab, aber der Eberhofer sieht darin Parallelen. Dass er allgemein als bekloppt gilt, weil er seit dem Vorfall mit dem Kinderschänder, der eine Kugel von seinem damaligen Partner zwischen die Beine bekommen hat, eben das ein oder andere psychische Problem mit sich bringt, hält ihn nicht auf. Schließlich will ein Mord ermittelt werden!

Rita Falk schafft es mit dem ersten Fall des Eberhofer Franz, einen herzigen, wenn auch eigenwilligen Dorfpolizisten, eine Figur zu erschaffen, die einen unterhält und gleichzeitig auch noch so manch bayrische Nervtötigkeit oder Angewohnheit wiederspiegeln kann. Seine Persönlichkeit prägt den Roman, denn er erzählt die Geschichte... und wer jetzt glaubt, in schön formulierte und hochtrabende Sätze sich verlieren zu können, der täuscht. Hier kommt einen die geballte Umgangssprache entgegen. Der Eberhofer erzählt wie ihm der Schnabel gewachsen ist und das mit bayrischen Einschlag, sprachlichen Angewohnheiten wie Eigenheiten und er benutzt auch gut und gerne mal die selben Floskeln. Da wird es halt mal etwas ehrlicher, bisschen derber und es wird geflucht. Ganz nach der Art des Bayern, die ja etwas rubbiger sind und schnell zur Sache kommen. Der sagt dir halt die Meinung, auch wenn du sie nicht hören willst. Deswegen entwickelt sich eine relativ einfach gehaltene Sprache, die aber durch ihre Einfachheit so ist wie der Mensch selbst.
Für die, die nicht aus Bayern kommen wir "Winterkartoffelknödel" eine Hürde sein. Ihm werden die Ohren schlackern bei den ganzen Begrifflichkeiten. Freundlicherweise gibt es ein Glossar, dass mit witziger Art die Wörter übersetzt und erläutert und dem Nicht-Bayern auf die Sprünge hilft. Wahrscheinlich geht einem außerhalb der bayrischen Grenzen der ein oder andere Gag durch die Lappen, aber bei der Menge, die einem aufgetischt wird, bekommt jeder genug.
Aber als waschechter Bayer liebt Eberhofer Franz  nun einmal die Knödel und Braten von der Oma. Selbstgemacht, nach guter Tradition. Und genau da fängt es an... die Tradition, die man noch auf einem bayrischen Dorf hat und hier die Lachmuskeln in Bewegung bringen. Man muss oft schmunzeln mit der Fülle der Figuren, die alle in das klischeehafte Bild passen, dass man von Bayern hat, welches aber oftmals gar nicht so Klischee ist. Die brauchen ihr Bier, ihr deftiges Essen und die Sprache, sonst können die nicht überlegen. Und weil es so schön ist, gibt es auch gleich ein paar Repräsentaten dieser Vielfältigkeit. Beispielsweise die taube Oma, die kein Blatt vor dem Mund nimmt, die alle bekocht, Sonderangebote stöbert und sie hamstert, als wäre sie im zweiten Weltkrieg. So wunderbar herrlich gezeichnet, dass man sie sofort ins Herz schließt und trotzdem Sprüche ablässt, bei denen man blöd schaut und erstaunt ist.
Dass dahinter noch ein Kriminalfall steckt, wird fast schon hintergründig. Ein Gag nach dem Anderen entsteht schon allein durch die kuriose Dorfgemeinde, die ein Sinnbild bayrischer Dörfer darstellt. Ein wenig überzeichnet, aber durchaus nah an der Wirklichkeit, muss man immer wieder grinsen. Die Zufälle sind wunderbar hergestellt, und macht die Enge und das Gefühl "Jeder-kennt-Jeden" und "Jeder-beobachtet-Jeden" deutlich klar. Romantische Dorfidylle in Bayern? Das täuscht!
Der Fall selbst ist sehr linear gehalten, ziemlich vorhersehbar und gar nicht so interessant. Zwar überzeugt die eigenwillige Art Eberhofers und die Ermittlungstechniken, die er anwendet (Leute in einem Dorf reden halt gern), aber es bleibt manchmal die Spannung auf der Strecke. Was dem Roman aber kaum etwas nimmt, schon allein durch die Beschreibung und Ausarbeitung der bayrischen Provinz und deren liebevollen, wenn auch verschrobenen, Einwohnern. Die Kombination der einzelnen Charaktere machen den Witz des Buches aus, da dadurch immer wieder einzigartige Situationen entstehen, bei denen man schallend lachen möchte. Und wer Bayern kennt, kann auch noch kräftig den Kopf nicken, weil er weiß wie chaotisch es in so einem bayrischen Dorf zugehen kann. Für alle außerhalb... glaubt mir, es ist teilweise wirklich so.

Fazit

"Winterkartoffelknödel" von Rita Falk ist ein ehrliches Schaubild einer vermeintlich bayrischen Dorfidylle. Sehr amüsant, unglaublich nah und herrlich bayrisch. Wer bayrischen Humor mag und Einblick in deren Dorfgesellschaft haben will, wird diesen Roman lieben, auch wenn der Kriminalfall leider etwas in den Hintergrund rückt und wenig zur Spannung beitragen kann. Witzig, herzig und vor allem ein Provinzkrimi zum Schmunzeln.

★★★★☆

Kommentare:

  1. Hallöchen
    tolle Rezi! Ich bin schon gespannt wie dir die anderen Teile gefallen werden. Ich fand sie alle ganz lustig. Wo ich schon mal hier bin: folge dir!
    LG Cornelie

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    1. Dankeschön und ich freu mich auch schon auf die anderen Teile! "Dampfnudelblues" liegt hier auch schon ;) Und danke für's Folgen!

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