Zerrissene Seiten: Was wird das Buchjahr 2014 bringen?

01 Januar 2014 |

Geschafft... endlich geschafft. Verlagsvorschu 4.278 von vorne bis hinten durchgesehen und nachgesehen, was das anstehende Jahr mit sich bringen wird. Auf welche Pferde setzt der Buchmarkt um uns das hartverdiende Geld aus den Taschen zu ziehen und was bringt uns in die richtige Stimmung, dass wir wieder Kreischen wie mit 13 Jahren, als wir beim Boybandkonzert einen Tinnitus bekamen, der von den Schreien und dem Quietschen der Mädels neben uns kam (als Kerl bleibt so etwas einem ja erspart... naja, wobei... stellt euch niemals in die Nähe eines Lautsprechers!).Was wird uns bloß verzücken, begeistern, zum Weinen oder gar uns resignieren lassen über das Leben, das Universum und den ganzen verdammten gefühlvollen gesellschaftlichen Rest.
Oh, Orakel, sag uns, wie wird es aussehen... wie dürfen wir uns die Fortsetzung unserer persönlichen Buchreihe vorstellen? Wen wollen wir heiraten, gegen die Wand klatschen oder als Schürfeuer nehmen? Welche Kriege werden wir bestreiten? Wo werden wir verlieren? Mit wem werden wir ins Bett steigen?
Nun... Spiegelein, Spieglein an der Wand, sprechet mit uns Buchsüchtigen.

Nun... eins kann ich verlauten, es wird blutig. Ich würde an eurer Stelle schonmal guten Reiniger kaufen um die Blutflecken von den Wänden zu bekommen und Bleichmittel um diese lästigen roten Spritzer auf eurer Bettdecke entfernen zu können. Morden ist aber auch so eine Saurerei, sage ich euch. Ich weiß gar nicht, warum man sowas überhaupt macht. Denkt doch mal an den weißen Teppich! Rotweinflecken sind ja schon schlimm, aber Blut? Das ist selbst für die Hauswirtschaftlerinnen mit chemischer Waffenausbildung ein Horror. Kein Wunder, dass es professionelle Tatortreiniger gibt. Manchmal ist es ja mit dem Gift - sauber, wenig Dreck, mit dem passenden Gift nicht nachweisbar - doch viel einfacher, aber weniger spaßig... da braucht es schon ein Schlachtfest, möglichst ekelig und ich will den Leser erbrechen sehen. Der soll über der Kloschüssel hängen, Paranoia entwickeln und sich nicht mehr vor die Tür trauen, sich einsperren und am besten mit Waffen aufstatten, damit keiner rein noch raus kann. Und panisch werden... ja, die Panik und Angst sind entscheidend. Geradezu essentiell!
Eigentlich nichts Neues, wenn man es so betrachtet. Thriller gibt es schon en masse und es werden nur immer mehr und mehr... ich weiß schon nicht mehr, wo ich die ganzen Handtücher hinlegen soll, weil die Seiten nur so tropfen. Sowas versaut den Boden!
Da lobt man sich den immer größer werdenen Jugendthriller, der auch nächstes Jahr den Markt bestimmen wird. Ja, die Jugend liest wieder kräftig mit und bekommt jetzt, passend zum Mount Everest des kriminellen Romans, seinen persönlichen Berg an Neuerscheinungen, bisschen unblutiger, bisschen liebevoller und mit ganz viel Jugendlichkeit. Und weil das mittlerweile erkannt wurde, steigen auch die Profis ins Jugenthrillergschäft ein. Arno Strobel, der sich ja schon längst einen Namen als Shootingstar des Thrillers gemacht hat, schreibt jetzt auch für die Gruppe unter 18. Oder Friedrich Ani, gefeierter Kriminalautor... ich frag mich nur, wo Fitzek bleibt? Wobei... Sebastian Fitzek und Jugendthriller? Wir wollen lieber doch keine traumatisierten Jugendlichen, die zu Serienkillern werden, durchdrehen oder sonstige Psychosen nach sich ziehen... lassen wir das doch lieber sein.

Der gute alte Kriminalroman, der wie der sonntagliche Tatort nicht mehr wegzubringen ist, verlagert sich diesmal eher Richtung Norden. Skandinavische Krimis kommen meistens aus dem IKEA-Staat oder der einsamen Insel Island. Diesmal wird es aber etwas abgedrehter... es wird finnisch! Passend zum Finnlandjahr auf der Frankfurter Buchmesse. Da wird es dezent skurril wie die Finnen eben sind (wer Fisch isst, der stinkt wie verwest (ist er auch... in der Tonne "gereift") kann ja auch nicht ganz sauber im Stübchen sein. Allgemein ist der Finne ein sehr spezieller Genosse! Die Übersetzer tuen mir jetzt schon leid... 15 Fälle in einer Sprache! Das grenzt an Perversion!
Außerdem bietet die finnische Taiga alles für einen guten Kriminalroman: kalt, einsam und viel Platz und wenig Leute. Gibt es einen schöneren Platz zum Morden? Ich kann es mir nicht vorstellen! Okay... es ist da oben ein wenig kalt im Winter, aber Alkohol gibt es ja auch (wenn da die Mehrwertsteuer nicht wäre...).
Außerdem hat der Franzose eine leichte Dominanz zu vermelden. Es erscheinen relativ viele Krimis, die sich als Schauplatz die Provence oder andere Teile von Frankreichs herausgesucht haben. Da würd der französische Accent gepflegt und man fühlt sich wohl mehr als einmal zu einem schmutzigen Angebot eingeladen, mon amour! 'allo... isch bin la commissaire! Irgendwie kann ich mir das schon sehr gut vorstellen: Poetische Geschichten mit Liebe, Sex und... Leichen? Naja... wo gehobelt wird, fallen Späne.

Und weil die Jugend so kaufkräftig ist und man ja die ganz tolle Gruppierung "Junge Erwachsene" geschaffen hat, wird es auch so richtig sexy. Das geht ins Höschen, sprichwörtlich... da verliert sich schon so Einiges im kommenden Jahr. New Adult nennt sich das jetzt, Literatur für "Junge Erwachsene", die schon wissen wie der Hase läuft. Hier geht es nicht um die Bienchen und Blümchen, sondern nunmal um die schönste Nebensache der Welt, die gar nicht so nebensächlich ist: S-E-X. Es darf gestöhnt werden, das Gesicht rot anlaufen, die Zunge rausgestreckt - ne... moment, war Miley Cyrus! Falsches Thema - die Zunge anderen in den Hals gesteckt werden und es wird nicht dort aufgehört. Es geht weiter! Ja, man hat es begriffen, man hat Sex auch in der Jugend... man guckt sich nicht nur verliebt an, nein... man treibt noch mehr (denkt an den Gummi, Kinder! Schützt euch!). Und für jeden Leserin ist was dabei: Bad Boys, Sunnyboys... bedient euch Mädels, für jeden Kuchen gibt's die passende Sahne! Welches Sahneschnittchen hätten sie denn gern? Dunkelhaarig, hellblond? Durchtrainiert, blauäugig oder doch eher drahtig, der Typ von nebenan? Macho, eher schüchtern, so einen richtigen Cutie oder ganz Gentleman? Ach egal, es wird jeder was finden. Das ganze Spektrum von Traumprinzen ist abgedeckt und manche mögen es halt eben dirty... aber wer hat auch gesagt, dass die Prinzessin immer brav sein muss und will? Sind wir nicht alle ein wenig schmutzig, wenn wir ehrlich zu uns sind? Und was nicht passt, wird halt passend gemacht... was ist schon pervers?

Und was macht die Zukunft? Die ist noch düster... so ein wenig, aber nicht mehr ganz so schlimm. Irgendwann hat man ja auch diese dunklen Aussichten auch irgendwie satt, oder? Deprimiert, saugt einem die ganze Fröhlichkeit aus dem Leib und so macht Leben doch keinen FUN! YOLO! Und so weiter... Jugendsprech halt. Der Dystopiefan kommt zwar noch auf seine Kosten, aber es wird dünn mein Lieber. Die Reihen werden beendet, aber es ziehen nicht mehr ganz so viele in die Zukunftsschlachten und stürzen dunkle Regime. Wir werden nicht mehr genmanipuliert und wir werden auch nicht mehr in Hungerspielen abgeschlachtet. Innovation hört auch irgendwann in diesem Genre auf... und Wiederholung ist immer ein Trendtod. Ein wenig kann sich der Trend noch halten, aber lange hält er es nicht mehr durch. Er schwächelt!

Das Fantasy- und Horrorensemble bleibt dabei wie immer beständig. Der Zombietrend bleibt bestehen, es hagelt immer noch ein paar Köpfe, also haltet bitte eure Schrottflinten schussbereit. Zwar müssen wir nicht mehr mit der schlimmsten aller schlimmen Apokalypsen rechnen und der Nachbar beißt nicht mehr ganz so oft ins Gras und ins Gehirn, aber sonst bitte immer Regenschirm mitnehmen... Fleischfetzen sind nicht schön auf der prallen Haut. Und es könnte doch gerade in diesem Bereich noch zu einem weiteren Boom kommen. Bisher ist der Umgang mit Zombies zaghaft, steigt aber stetig an. Sie sind halt schon immer da, und irgendwie auch nicht. Halten sie sich also bereit, sollte es doch noch zu seltsamen Vireninfektionen, Mutationen oder sonstigen Veränderungen ihrer Mitmenschen kommen. Dies ist eine nationale Warnung um ihren eigenen Körper und Geist zu schützen.

Nur die Liebe... ja, die hat es jetzt ein wenig schwerer unter den Fantasygeschöpfen... (im realen Leben wird ja kräfig zugelangt, ma cherie!) die Liebe ist so ein wenig eingefrostet. War Edward doch ein wenig zu kalt für die liebe Bella? Sieht wohl so aus... es reicht nur noch für den ein oder anderen Schmöker und Schmachtfetzen, der den Damenschritt erotisiert und Frühlingsgefühle hochkommen lässt und Mütter dazu veranlässt, 16-jährige Jungmänner an ihre Brust zu drücken um sie an ihre Tochter zu verschachern. Nach der "New Adult"-Welle werden es jetzt wohl die Töchter selber tun und dann bringen sie nicht den Traumschwiegersohn ins Haus, sondern doch eher das Gegenteil. So ist das Leben! Und die holde Jungfrau, die errettet werden will... naja, die wird nicht sehr lange Jungfrau mehr brauchen. Die macht sich nackig. Freiwillig! Für ihren Liebsten, für ihr Betthäschen. So zaghaft sind die Mädels von heute da nicht mehr... die bestimmen jetzt einfach das Tempo!
Der Rest der Fantasy? So wie immer... epochal und wieder für jeden Geschmack was dabei. Wird wieder ein kleinen Aufschwung bekommen, gedankt sei es der Hobbit-Verfilmung. Hier aber wieder von einem Boom zu sprechen, wäre eher gewagt. Das Genre bestimmt nicht den Markt.

War 2013 nicht auch mal Zeitreisen ein Thema? Ja, doch... schon, also ein bisschen, dass ändert sich im neuen Jahr auch nicht wirklich. Es gibt sie, spärlich, aber die Explosion der Zeitreiseromane bleibt noch aus. Tragt euch schonmal "Zeitsplitter" von Cristin Terrill ein. Könnte was sein... wird wohl was werden. Ich hab schon 2015 in Teil zwei reingesehen, wird bestimmt den ein oder anderen Leser erfreuen.

Dafür Leiden wir immer schöner. Ich hab die Unschuld kotzen sehen! Mehrfach! Sick-lit (nicht zu verwechseln mit Chick-lit. Hier der Unterschied: Chick-lit funktioniert: Erfolgreiche Frau trifft geilen Typen... geiler Typ will sie nicht, sie mag geilen Typ nicht mehr, geiler Typ will sie, sie ringt sich durch. Sie haben Sex, sie heiraten, Kinder und so weiter. Sick-lit: Leben ist scheiße... mag nicht mehr! Oh, guck mal.. ein Hoffnungsschimmer. Er funkelt!), also das Leiden und krank sein und deprimiert sein und alles scheiße finden, dass gibt es dafür umso mehr. Wir werden immer weiter leiden, ganz im Zeichen von John Green, müssen lernen zu lieben, in Zeiten, wenn es uns nicht gut geht, wir gemobbt werden und an unseren Lebensinhalt zweifeln... ja, dass werden wir 2014 lernen, das Leben mit der inneren Krankheit, den Kampf gegen sich selbst und der Hoffnung, es wird alles gut werden... irgendwie, irgendwann unter unseren Trümmerwelten aus Hass begraben, werden wir unser Herz wiederfinden. Versteckt unter Psychosen, Depressionen und schizoiden Schüben. Leidend unter Krebs und immer den Tod vor Augen... traurige Aussichten, die das Herz zum Schütteln bringen.

Und jetzt folgt doch bestimmt noch der absolute Trend, Geheimtipp und das, was uns auf jeden Fall erwarten wird und nicht mehr zurücklassen kann. Ich muss enttäuschen... das fehlt so ein wenig im neuen Jahr. Irgendwie nichts Neues, vielleicht doch und ich bin blind, aber ich sehe nicht den ganz großen Trend für 2014. Der wird wohl noch kommen müssen. Alles rund um die hohe Literatur klammere ich dezent aus, sie ist eh was eigenes und eigenständiges. Kann ich aber an's Herz lagen, da der Mainstream dieses Jahr eher spärlich mit Innovationen daherkommt. Dafür schaut es bei der Gegenwartsliteratur sehr gut aus, geradezu prächtig! Bunt gemischt zwischen Komik, Herzschmerz und Tragik. Ungewöhnliche und skurrile Ideen. Vielleicht mal dort reinschnuppern! Sonst: 2014... kommt da noch was?

Kommentare:

  1. Bist du denn irre so lange Texte zu schreiben? Ich muss gefühlte 3 milliarden Blogs zu lesen und bei dir hänge ich eine halbe Stunde. Das geht nicht :b
    Du hast aber wirklich einen interessanten Text gelesen und es clever gemacht, weil man nicht einfach über die Bilder scrollen kann ^^

    Ich wünsche dir, falls ichs noch nicht getan habe ein frohes und gesundes neues Jahr und freue mich auf ein weiteres spannendes Lesejahr mit dir :)

    Liebst, Lotta
    Von lottasbuecher

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    1. Ich kann mich eben nicht kurz fassen :)

      Dir natürlich auch ;)

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  2. Ich mag deine Zerrissenen Seiten sehr, wie ich eigentlich auch allgemein deine Schreibweise mag. Sie ist leicht zu lesen, doch trotzdem grammatikalisch korrekt (was man auf vielen Blogs nicht findet und mich dann etwas stört) und das Niveau ist genau richtig. Ich würde mich auch gerne so ausdrücken können :)
    Ich freue mich schon auf deine diesjährigen Rezensionen.
    Liebe Grüsse

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    1. Das nenne ich ein Lob! Und es ist grammatikalisch korrekt? Trotz meiner Dativ-Akkusativ-Schwäche? Glück gehabt! :D
      Sowas hört man doch gern.

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    2. Dann muss ich wohl auch eine Dativ-Akkusativ-Schwäche haben, denn mir ist bisher nichts aufgefallen^^

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