Rezension: Der süße Kuss der Lüge von Beatrix Gurian

25 März 2014 |

Zum Buch

Format: Klappenbroschur
Verlag: Arena
Seiten: 360
ISBN 978-3-401-06712-4
Preis: 12,99 €

Hat mein Freund meine Nichte entführt?

Als Lu mit ihrem Bruder in eine Polzeikontrolle gerät, trifft sie das erste Mal auf Diego. Der attraktive Beamte bringt sie vollkommen aus der Fassung und lässt ihr keine Ruhe mehr. Aber was will er schon von einem 16-jährigen Mädchen, dass zu viele Kilos um ihre Hüfte hat. Doch Diego ruft bei ihr an, will sie sehen und treffen und ihr Herz pocht. Es entwickelt sich eine intensive Beziehung zwischen ihnen und für Lu wird alles wie ein schöner Traum.
Bis der Albtraum seinen Lauf nimmt: Lu soll auf die Nichte ihres älteren Bruder und seiner Frau Yukiko aufpassen. Nichtsahnend geht sie mit ihr auf den Spielplatz und lässt sie kurz aus den Augen. Doch beim Versteckspiel ist nicht zu finden, dabei hat sie immer die einfachsten Verstecke! Aber auch nach akribischer Suche bleibt sie spurlos verschwunden. Voller Panik ruft sie ihren Freund Diego an, doch die Polizei kommt einfach nicht. Hat Diego sie angelogen? Wo ist Ida? Ein Anruf bei der Polizei bestätigt ihren Verdacht. Diego hat seine Kollegen nicht informiert, wenn es überhaupt seine Kollegen sind! Ida scheint aber niemand zu gesehen zu haben und plötzlich liegt eine Lösegeldforderung vor ihnen. Sie wollen zwei Millionen für Ida, sonst stirbt sie. Hat ihr Freund etwas damit zu tun?

In "Der süße Kuss der Lüge" geht es eigentlich um ein klassischen Konflikt. Ein attraktiver Kerl macht sich an eine 16-Jährige ran um Lösegeld erpressen zu könnnen. Zumindest glaubt man, dass es so einfach ist. Aber die Geschichte ist weitaus verfahrener als man denkt. Immer wieder kommen Sachen auf, die den Verlauf der Handlung vollkommen ändern. Pointen werden gesetzt, die einen von der einen Seite zur Nächsten treiben, einmal Diego glauben schenkt, in ins positive Licht rückt, dann wieder nicht. Man zweifelt, man will es glauben, traut der Sache nicht und weiß bald nicht mehr, wen man jetzt eigentlich glauben soll.
Die Protagonistin Lu ist dabei als 16-jährige Jugendliche vollkommen überfordert. Sie macht sich selbst Vorwürfe, was sie falsch gemacht hat, warum sie ihm geglaubt hat und versinkt immer mehr in ihren Ängsten um Ida. Ihr Naivität macht ihr zu schaffen und manchmal denkt man sich auch als Leser, so glaubwüridg wirkt er nicht, aber schlussendlich sind solche Dinge Realität, auch wenn in Lus Fall die Naivität viel zu groß erscheint und man Diegos vorschnelle und fast schon schleimige Art schnell bemerken müsste.
Sie ist so wechselhaft gezeichnet, dass man ihre Panik spürt, ihre Unruhe glaubt und man sie mitleidig betrachtet. So etwas will niemand erleben, dass die vermeindliche Liebe vielleicht nur ein Spiel und mIttel zum Zweck war. Aber war es das? Ist sie wirklich blind vor Liebe gewesen? Irgendwo ist der Haken bei der Sache, glaubt man, man weiß es aber nicht.
Ihre Lebendigkeit prägt den Roman. Sie fungiert als Ich-Erzählerin, durchbrochen von weiteren Perspektiven, die Rückblenden von einem Jungen schildern, deren Schwester ertrunken ist, der sich aggressiv gibt oder auch Situationen, oder der von Ida wie sich als kleines Kind, als Bambusprinzession, ihre Angst zu besiegen versucht. Dieser stetige Wechsel haucht dem Thriller Spannung ein, treibt einen voran und man hofft nur das Beste für alle Betroffenen, egal wie schlimm und verfahren die Situationen erscheint. Auch wenn gerade Idas Perspektive nicht immer dem Kind selbst gerecht wird, komplexer daherkommt, als es die Denkweise eines Kindes ist.
Mit Spannungsmomenten und gekonnten Pointen verleitet Beatrix Gurian den Leser in Ecken, in die man gar nicht wollte, geht ihr immer wieder auf dem Leim, obwohl man schon glaubt alles überblicken zu können.
Der Schreibstil ist dabei voller Dramatik, emotionsgeladen und schafft eine Nähe zu Lu, deren Probleme und deren Welt. Immer wieder verfällt sie ins Selbstvorwürfe, versucht stark zu sein für Ida und muss doch den Kopf schütteln, in den Tränen nahe. Die Emotionen springen auf den Leser über, schlimm und intensiv, und bringt Wut hervor, weil man ihr keine Vorwürfe machen kann. Ihre Selbstkastellei nicht dudlen will, sie einfach nur umarmen, so plastisch sind ihre Gefühle gezeichnet. Doch sie kämpft bis zum bitteren Ende, was mit Wahrheiten aufwartet, die man bei weitem nicht so kommen sah, bei denen man nicht weiß, ob man sie verurteilen soll oder nicht. Und manchmal erscheinen auch die Dinge noch so klar, am Ende sind so doch anders als gedacht.

Fazit

Spannend erzählt Beatrix Gurian in ihrem Jugendthriller "Der süße Kuss der Lüge", die einen geradezu an die Seiten tackert. Dramatisch, einfühlsam und vor allem voller überraschender Wendungen. Ein Jugendthriller der Extraklasse!

★★★★☆

Kommentare:

  1. Hi :)
    Schön geschriebene Rezension!
    Bei den meisten Jugendthrillern ist das so, dass sie mir zu flach und vorhersehbar sind. Relativ früh wird klar, wer was getan hat und auch warum … Aber dieses Buch hört sich sehr spannend an. Ist sicher eine Überlegung wert :)

    Liebe Grüße

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    1. Ist oft das Problem, da hast du recht. Aber hier war es nicht so, zum Glück!

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  2. Das Cover hat mich neugierig gemacht und so hab ich direkt deine Kritik mitgelesen. Klingt auf jeden Fall interessant. Das Genre gehört zwar nicht in meine bevorzugte Sparte, aber sollte es mir mal reduziert über den Weg laufen, würde ich es auf jeden Fall lesen.

    Grüße :)

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    1. Kleiner Tipp, momentan gibt es den Thriller bei Arvelle zum halben Preis (ist mir zufällig letztens begegnet). Und danke für den Kommentar ;)

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    2. Momentan #konsumfasten und so ;)
      Aber ich merk mir den Tipp vor!

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