Rezension: Der Tod fährt Audi von Kristian Bang Foss

28 März 2014 |

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Originaltitel: Døden kører Audi
Verlag: carl's books
ISBN 978-3-570-58529-0
Seiten: 224
Preis: 14,99 €

Eine besondere Freundschaft

Für Asger hat sich einiges geändert. Er verliert seinen Job als Werbetexter in Kopenhagen, weil er gegen Lizenzrechte verstoßen hat. Mit seiner Freundin ist auch Schluss. Seitdem verbringt er seine Tage auf der Couch, schüttet Alkohol in sich hinein und versumpft in seiner Wohnung, glotzt Fernsehen bis die Programme kein Bild mehr zeigen. Dann tritt plötzlich Waldemar in sein Leben. Asger lernt ihn bei einem Pflegejob kennen, den er auf Anraten eines Freundes annahm. Nun muss Asger die Verantwortung für den Menschen übernehmen, bei dem schon die Ärzte sagen, dass nur noch der Tod auf ihn wartet. Doch Asger erkennt in Waldemar bald einen wahren Freund, mit dem er sich nicht nur die Leidenschaft für Reality-TV, sondern auch den Zynismus gegen die Welt und den schwarzem Humor teilt. Auf den Tod warten, möchte Waldemar allerdings nicht. Er will zu einem Heiler nach Marokko, der ihm helfen soll gesund zu werden. Für Asger eine schwachsinnige Idee, sein Freund will sich allerdings nicht davon abbringen lassen. Die beiden schaffen sich einen alten VW-Bus an und begeben sich auf eine Reise voller skurriler Begegnungen und atemberaubenden Momenten. Eine Reise von Dänemark und Marokko, die beide verändern wird.

"Der Tod fährt Audi" ist eine Tragikomödie, die an mancher Stelle an "Ziemlich beste Freunde" erinnert, aber doch ihre ganz eigene Geschichte erzählt, die mit einem bitterbösen Ton und ohne Weichspüler daherkommt. Asger und Waldemar entwickeln, so unterschiedlich sie sind, eine besondere Freundschaft, die den Leser tief berührt. Ihre unverkrampfte Umgangsweise lässt oft vergessen, dass Waldemar schwer krank und dem Tode näher  als dem Leben ist. Seine Person blüht geradezu auf. Man ist von seiner Stärke fasziniert und muss sich immer wieder daran erinnern, dass dieser Mensch schwerste gesundheitliche Probleme hat. Ihre Art von Humor, der schwärzer als der Tod ist und vor Zynismus trieft, gibt dem Roman einen eigenen Ton, der einen gleichzeitig zum Lachen bringt. Dadurch gelingt es, dass man irgendwann aufhört Waldemar nur als Opfer seiner Umstände zu betrachten. Es entstehen plastische Charaktere, die man schnell ins Herz schließt, für ihre Eigenheiten liebt und in denen man sich selbst wiederfinden kann.
Der trockene Humor und die bildhafte Sprache lässt einen oftmals auflachen. Gleichzeitig ist man erstaunt und verwundert von all den skurrilen Momenten, die sie erleben. Es geht fast schon ins Surreale und kratzt doch an der Wirklichkeit. In all den fernen und traumhaften Szenen, steckt Wahrheit, verkleidet in poetischen Metaphern und wunderschönen Vergleichen. Durch Asgers Betrachtung der Welt, verkommt manche Situation zur Gesellschaftssatire. Seien es die Einkäufe bei Netto oder der Besuch bei den Ämtern, die er mit bitterbösen Blick analysiert und bei denen man bejahend nicken muss. Man lacht und sieht trotzdem der kalten Realität ins Gesicht, die dunkler ist, als man wahr haben will.
Der Verlauf der Geschichte ist pointiert und auch die Beziehung der beiden Hauptcharaktere hat seine Tiefs und besonderen Momente. Es entstehen Insider, Erinnerungen, die für die Ewigkeit gemacht sind. Was als ungewöhnliche Kumpelgeschichte anfängt, schlägt zu einem Roadmovie um, ohne das Gefühl zu vermitteln, dass die Vorgehensweise konstruiert daherkommt. Gemeinsam erobern Asger und Waldemar die große, weite Welt bis sich der Zustand des Freundes verschlechtert. Mit einem Weg gezeichnet, der kommt wie man es niemals vermutet. Was nämlich zu Beginn noch so humoristisch daherkommt, hat leider einen dunklen Kern, den man schnell als Leser vergisst und der  knallhart zuschnappt.
Kristian Bang Foss ist es gelungen, die Tragödie und die Komödie auf einen Nenner zu bringen, den Leser lachen zu lassen und gleichzeitig eine reinhauen zu können, ihn wachzurütteln. Ohne uns ins Mitleid verfallen zu lassen, ohne das Gefühl zu vermitteln, dass man auf die Tränendrüse drücken möchte . Zeitweise begibt man sich in eine Gefühlsachterbahn mit Pointen, die einen nicht nur einmal überraschen. Doch ein Problem bleibt: Der Autor huscht geradezu über die Szenen, lässt ihnen zu wenig Raum, damit sie wirken können. Gerade gegen Ende wird es immer deutlicher wie nur noch an Oberfläche etwas behandelt wird und man als Leser das Gefühl bekommt, man hat etwas verpasst. Es fehlt mancher an Tiefe, an Eindringlichkeit, auch wenn es Kristian Bang Foss gelungen ist jeglichen Weichmacher aus seiner Geschichte zu entfernen, um Waldemar und seiner Krankheit eine Bühne zu geben, die sie benötigt. Keine mit großem Schmerz, sondern eine mit Stärke und Willenskraft, auch wenn es dem Bühnenbild an Farbe fehlt. Einmal ist man melancholisch, dann wieder fröhlich und plötzlich steht man auch schon beim Ende und es sickert tief in einen hinein. Tiefer als man geglaubt hat, trifft es einen und beim Schließen des Buchdeckels muss man seine wahren Gefühle unterdrücken.

Fazit

"Der Tod fährt Audi" ist eine Geschichte über eine besondere Freundschaft, den Willen und Stärke eines Menschen, der Überleben und Leben will und eine tragikomische Geschichte, die einen nicht nur zum Lachen bringt, sondern auch tief berührt.

★★★★☆

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