Rezension: Mr. Penumbra's 24-Hour Bookstore von Robin Sloan

19 März 2014 |

Zum Buch

Dt. Titel: Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra
Verlag: Atlantic Books
Seiten: 304
ISBN 978-1-782-39233-0
Preis: £6.99

Computer vs Bücher

Die Rezession hat viele Menschen getroffen. Auch Clay Jannon, der früher für eine Kaffeehaus-Bagelkette NewBagel Webdesigner war und den Twitteraccount betreut hat, schließt sich die Tür und er steht auf der Straße. Während er durch diese Straßen von San Fransicso streift, findet er bei "Mr. Penumbras 24-Hour Bookstore" ein Gesuch nach Aushilfen. Und wie das Glück so will, bekommt er auch eine Anstellung bei Mr. Penumbra. Doch bald muss er feststellen, dass der staubige Buchladen nicht so normal ist wie er scheint. Kunden kommen eher selten vorbei und wenn, dann sind es Menschen, die Bücher ausleihen. Aber nicht die, die für jeden zugänglich sind, sondern von der "Waybacklist". Seltsame Bücher, die ein Geheimnis zu bergen scheinen, Bücher in die er nicht hineinschauen soll. Was verbirgt sich dahinter? Nachdem ihn ein Freund dazu ermutigt einmal hineinzulunzen, sieht er nur seltsame Zahlen und Buchstaben, keiner Systematik folgend.
Mit seinem Laptop bewaffnet will er dem Laden helfen Kunden anzulocken und fertig ein Visualisierung des Ladens an. Mit allem Bücher, auch von der "Waybacklist". Als sogar jemand auf eine Anzeige hin den Laden betritt, ist er hin und weg von der Kundin. Denn Kat ist begeistert von seinem Modell und findet den Fehler in seinem Code. Außerdem arbeitet sie bei Google, ist intelligent und technikversiert. Vielleicht auch mehr als das. Gemeinsam mit ihr und seinen Freunden will er dem Laden auf den Grund gehen und kommt hinter ein Geheimnis, was viele schon lange beschäftigt hat.

Wer glaubt, man hätte es hier mit einen wahren Fest für Bibliophile zu tun, die gedruckte Bücher geradezu lieben und die Druckerschwärze aufsaugen, wird schnell feststellen, dass Technologie eine wichtige Rolle spielt. eBooks, Kindle, Google und vieles mehr finden sich darin und zeichnet die heute technologisierte Welt, bei das Papier immer weniger zu werden droht. Dass die Geschichte in einer Buchhhandlung beginnt, die wie aus einer anderen Zeit stammt, deren Kunden höheres Alters sind und Clay, im Kontrast dazu, mit seinen Laptop und den heutigen Möglichkeiten versucht das Geheimnis der Bücher herausfinden, lässt zwei Welten aufeinandertreffen, die in einen Konflikt stehen. In einer Welt, in der eine Generation fest an den Printmedien klammert, während die Nächste schon längst alles digitalisiert hat.
Schon allein deswegen müssen ein paar Klischees sein, die Robin Sloan in amüsante Situationen verpackt. Allgemein hat man oft das Gefühl einen Seitenhieb zu lesen, der gerade manchen Biblophilen sauer aufstoßen könnte. Clays teils sarkastischen Kommentare zu mancher Situationen lassen darauf schließen. Er selbst besitzt einen Kindle, was für die andere Gruppe fast schon ein Verbot ist! Wie kann man nur zur Lösung des Rätsels Technologie verwenden! So bleibt es nicht aus, dass seine witzige Art sich im Roman niederschlägt und man oftmals grinsen muss. Teils überspitzt dargestellt, findet man aber doch die ein oder andere Facette, die nur ein Buchliebhaber so richtig verstehen kann. Aber gerade Clay, der einer Fantasysaga seit Kindheit an verfallen ist, kann vieles nachvollziehen, schafft es aber mit seiner humorvollen und sympathischen Art, dem Roman seinen eigenen Ton zu geben, der teils frech daherkommt und irgendwie ein wenig durchgeknallt ist.
Wobei durchgeknallt es am besten trifft. Irgendwie sind alle Charaktere Nerds, sehr intelligent, aber etwas eigen. Kate mit ihren Visionen, Mat mit seiner Kleinkunst und viele andere haben eines gemeinsam: Sie sind sehr speziell, haben aber in ihrem Gebiet wahnsinniges Talent und Potenzial. Sie sind teilweise so verrückt, dass man verwirrt und fasziniert von ihnen zugleich ist. Man mag sie einfach, weil sie manchmal einen herrlichen Dachschaden haben und in Dimensionen denken, die einen so fern erscheinen und doch so schön, aber auch unbegreiflich sind.
Die Technik nimmt ungewöhnlich großen Platz ein. Vor allem Google springt hier einem ins Auge. Nicht nur arbeitet Kate bei Google, die Clay tatkräftig zur Hilfe eilt, sondern vieles wird mit Google gelöst. Buchscanner, Werbetechniken und sie befinden sich sogar noch auf dem Gelände der Firma. Als sehr beliebter Arbeitgeber und auch als vorantreibende Kraft in Sachen Technologie, ist es nicht verwunderlich, dass gerade Google, mit seiner Allmachtstellung, hier oft auftaucht. Durch Kate und die der Macht Googles werden Möglichkeiten offen, die sie sich vorher nicht gedacht haben, die ihre Aufklärungsversuche neu gestalten und es ihnen ermöglicht, den Geheimnis der Bücher noch näher zu kommen.
Und wie soll es anders sein, ein paar Klischees müssen bedient werden, aber immer mit einen zwinkerden Auge. Denn hinter dem Geheimnis der Bücher steckt so einiges, was einem zum Lachen bringt, beeindruckt und gleichzeitig dem Ganzen die Krone aufsetzt. Man denkt sich: Echt jetzt? Und fühlt dann doch den Witz der Sache... manchmal stecken eben Organistationen oder seltsame Gruppen. Wer kann das so genau sagen, aber es muss irgendwo so sein, oder? Wir wissen doch alle, dass es auf Verschwörungen herausläuft, immerzu!
Leider hat trotzdem Robin Sloan den ein oder anderen Durchhänger in seiner Geschichte. Es kommt zu Durststrecken und gerade gegen Ende zieht sich der Roman. Da helfen auch nicht mehr die liebgewonnen Charaktere mit ihrer speziellen Art und der Humor des Buches. Man muss sich etwas durchbeißen und auch der Verlauf wirkt zu geradlinig, manchmal auch nicht immer zu 100% schlüssig, plätschert gerne mal so dahin ohne wirklich mit Höhepunkten daherzukommen. Es fehlen einfach die Überraschungen und Pointen, die einen umwerfen können, die "Mr. Penumbra's 24-Hour Bookstore" stärker vorangetrieben hätten. Sie bleiben aus, was dem ganzen Konzept den Atem raubt. Doch eine Frage treibt einen voran: Was ist das Geheimnis dieser Bücher? Wie entschlüsselt man sie?
Was dann die schlussendliche Lösung des Rätsels ist, bewirkt etwas, was man nicht vermutet, trotz der vielen Technik, die hier zu tragen kommt: Manche Dingen können nur auf einen Weg gelöst werden... auch wenn man es in einer Technokratie nicht wahr haben will.

Fazit

Robin Sloan hat mit "Mr. Penumbra's 24-Hour Bookstore" ein interessantes Debüt hingelegt, welches zwei Buchgenerationen aufeinandertreffen lässt. Die Bibliophilen, die sich an Buchrücken reiben und die, die ihren Kindle heilig sprechen. Witzig und mit unglaublich charmanten, wenn auch speziellen, Charakteren schafft er eine amüsante Geschichte, die den ein oder anderen Seitenhieb austeilen kann. Spannend, unterhaltsam und ungewöhnlich.

★★★★☆

Kommentare:

  1. Ich schwöre, dieses Cover ist einfach atemberaubend. Ich denke nach der guten Bewertung landet das Buch erstmal auf meiner Wunschliste!

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    1. Ich behapute, es ist nicht für jeden Leser was... eben wegen den vielen technischen Details. Aber das Cover ist wirklich genial ;)

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  2. Hallöchen Sky,
    Ich gebe zu, diesmal habe ich nur dein Fazit gelesen. ich wollte eigentlich gar keine Rezension zu diesem Buch lesen, aber irgendwie kam es über mich und ich muss doch mal rein lesen. Das klingt nach einem wirklich interessanten Buch und mehr und mehr gelange ich zu der Überzeugung, dass ich es wohl doch noch lesen muss xD

    Liebst, Lotta

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  3. Zack, auf der Wunschliste :D Auch wenn das Originalcover echt Kopfweh macht xD Aber ich lese es ja dann eh auf Deutsch xD

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