Buchneurosen: Zwanghafter Regalperfektionismus #1

21 April 2014 |
Unter der Bibliophilie gibt es viele verschiedene Abspaltungen dieser Liebschaft, die zu krankhaften Fanatismus werden kann. Symptomatik, Krankheitsbild und Verlauf können verschieden sein, werden aber über den Oberbegriff "Buchneurosen" zusammengefasst.. Diese Reihe soll Betroffene wie ihren Angehören helfen, Symptome zu erkennen und rechtzeitig Handlungsschritte ausführen zu können. Genaueres finden Sie in der Einführung.


Patienten, die diese Störung aufweisen, neigen zu massiven Perfektionismus, der sich in diesem speziellen Fall auf Bücherregale bezieht. Störende Faktoren innerhalb oder außerhalb der Regalbretter, insbesondere auch Staub, führen zu negativen Gefühlen und Überreaktionen, die ihnen selbst und anderen Schaden können. Eine feste Systematik, die nur Regalperfektionisten selbst verstehen, muss bestehen und darf nicht gestört werden. Die Regeln legen sie dabei selbst fest. Wird diese wiederum durchbrochen, kommt es zu massiven Gefühlsschüben, die nicht selten in Gewalt enden. Depressionen können die Folge sein. Außerdem neigen sie zu einer Möbelsprache, die nur innerhalb von IKEA gesprochen wird. Dies kann soweit führen, dass sie ihr ganzes Leben auf die Ausrichtung des Regales fokussieren und die sozialen Kontakte immer weiter einstellen.

Die Krankheit beginnt schleichend und ist erst für die Umgebung erkennbar, wenn sie das Phänomen im Extrem selbst erlebt haben. Betroffene haben oft ein starke Bindung zu ihrem Büchern im ästhetischen Sinne. Sie dienen als Aushängeschild für ihre Persönlichkeit. In der Praxis haben sich daher vier spezielle Fälle herauskristallisiert, die als sichere Auslöser für Schübe gelten:

1. Cover- und Verlagsänderungen
Dieses Phänomen wurde sehr oft bei Lesern englischer Literatur gesichtet. Durch die starke optische Präsenz auf den angloamerikanischen Buchmarkt bauen Betroffene eine fanatische Bindung zu den Motiven auf. Passen die einzelnen Elemente von Reihen oder Trilogien nicht zusammen, führt das zu einen Aggresionsschub, der nicht mehr kontrollbar ist. Diese Gefühle werden meist sprachlich entladen, können aber auch zur Eskalation führen. Einigen Patienten gelang es nicht mehr die Reihe, aufgrund der plötzlichen Coveränderung, zu beenden. Sie verloren schlagartig die Lust am Lesen von Fortsetzungen, sobald sich die Ähnlichkeit der Abbildungen zu sehr unterschieden um eine Erkennbarkeit der optische Zugehörigkeit der Reihen nicht mehr festsellbar ist.
Manche Betroffene entfanden schon die Änderung des Verlaglogos einen Anlass sofort Gegenmaßnahmen einzuleiten. Autoren, die von einem Verlag zu einem anderen wechselten, wurden nicht mehr gelesen, weil die Einheitlichkeit innerhalb der Bücher nicht mehr bestehen konnte. Diese Änderung betrifft oftmals aber nicht nur das Cover oder das Verlaglogo, sondern auch durchaus die Größenproblematik, mit denen Erkrankte nicht zurechtkommen. (s. Punkt 2)
Um diesen Mangel zu beheben, versuchen Menschen mit zwanghaften Regalperfektionismus, bei Coveränderungen, alte Ausgaben zu erlangen, die sich mit ihren Eigenen zu einem Bild fügen oder eben die Reihe durch die neue Optik zu ersetzen.
Dies kann auch geschehen, selbst wenn die Reihe abgeschlossen ist und die Systematik und Ästhetik perfekt erscheint. Sind neuere Auflagen attraktiver, werden Alte im Regal ausgetauscht, was zur Geldnot Betroffener führen kann, die durch die Einschränkung anderer Medien ausgeglichen werden muss.
Neuere Studien haben ergeben, dass auch der moderne "Rough Cut" für viele Regalperfektionisten mit dieser Ausprägung ein starke Beeinträchtung darstellt, die es zu beheben gilt.

2. Größenunterschiede
Dieser Störfaktor kann verschiedenartig sein. Je nach Patient ist dieser unterschiedlich. Häufigstes Problem scheint dabei aber der Größenunterschied innerhalb eines Verlages zu sein. Gehören Taschenbücher einem Verlag an und weisen trotz allem signifikante Merkmale in Größe und Breite auf, bringt das Betroffene in schwere Gewissenkonflikte bei Veränderungen. Verlage haben bei diesen Personen oftmals einen vermehrten Aufwand, da sie ihren Unmut freien Lauf lassen. Dieser läuft oftmals weitaus persönlicher ab, als es bei Punkt 1 ist. Dort neigen Patienten zwar auch zur Verbalisierung ihrer Wut, tun dies aber meistens öffentlicher Natur via Blog oder über soziale Netzwerke, da solche Entscheidungen nicht rein in der Obhut der Verlage liegen. Anders verhält sich es bei Verlagsentscheidungen, die direkt beeinflusst sind. Drohbriefe oder Anschuldigugnen an entsprechende Anstalten sind keine Seltenheit.
Geschieht dies in Kombination mit Punkt 1, kann dies zu einer enormen Gefühlsentladung werden, die auch das Umfeld ertragen muss. Stimmungsschwankungen sind die Folge und die Nachbesserung vom Verlag wird verlangt. Geschieht das nicht, hat er die Loyalität für sie verspielt und sie brechen die Beziehung schlagartig ab. Plötzlich distanzieren sie sich von diesem Verlag und ignorieren ihn vollkommen. Patienten schränken sich damit selbst ein und kapseln sich in einen bestimmten Verlagskosmus ein, um ihre heile Welt bewahren zu können. Dabei ignorieren sie Neuerscheinungen und stecken in eine Vergangenheitsschleife fest aus der sie nicht mehr entkommen können. Ihr Lesekosmus reduziert sich auf Dauer so stark, dass sie schlussendlich in Apathie verfallen, da die Aufgabe - immer eine einheitliches Format im Regal zu haben - scheitern muss.
  

Kommentare:

  1. Richtig toller Post :D Und ich befürchte, ich bin ein Patient dieser Krankheit :0

    AntwortenLöschen
  2. Ohja, das kenne ich... Früher habe ich da noch nicht so drauf geachtet, aber inzwischen ärgert es mich besonders bei englischen Taschenbüchern, dass die Bücher immer andere Größen haben, selbst wenn man sie vom selben Verlag bestellt.. >.<

    AntwortenLöschen
  3. Ich kenn das.. Ich sortiere meine Bücher nach Verlag, dann nach Autor und dann nach Reihe & Größe.. Und wenn dann ein Verlag-Regal drei verschiedene Größen hat... -.-"

    AntwortenLöschen
  4. Same here xD Nicht ganz so extrem, aber ja, ich bin einer von diesen Kranken :'DDD

    AntwortenLöschen