Buchneurosen: Zwanghafter Regalperfektionismus #2

24 April 2014 |
Unter der Bibliophilie gibt es viele verschiedene Abspaltungen dieser Liebschaft, die zu krankhaften Fanatismus werden kann. Symptomatik, Krankheitsbild und Verlauf können verschieden sein, werden aber über den Oberbegriff "Buchneurosen" zusammengefasst.. Diese Reihe soll Betroffene wie ihren Angehören helfen, Symptome zu erkennen und rechtzeitig Handlungsschritte ausführen zu können. Genaueres finden Sie in der Einführung.



3. Regalproblematik
Aber nicht nur der Inhalt der Regale spielt eine Rolle. Unabhängig davon wie perfekt die Reihenunterteilung ist und das Angleichen der Bücher gelingt, bleiben für viele Patienten die Regale die letzte Hürde. Oft aus dem schwedischen Möbelhaus aus Kostengründen, dürfen sie nur einreihig eingeräumt werden und keine Lücken aufweisen. Sind welche voerhanden, müssen diese mit neuen Büchern geschlossen werden.
Da bibliophile Menschen eine Vielzahl an Werken ihr Eigen nennen, benötigen sie Stauraum, den nur Regale bieten. Für zwanghafte Regalperfektionisten dürfen Bücher niemals oder nur in Ausnahmen auf den Boden gelegt und dort gestapelt und gelagert werden. Wichtig ist für sie auch, dass der Lichteinfall gering bleibt, damit Seiten nicht bleichen oder sich verfärben können, damit also an Qualität einbüßn könnten. Lagern in Kisten ist ebenso nicht möglich, da damit die Ästhetik leidet und das Buch selbst Schaden nimmt durch seine Umgebung (meistens feuchte Keller oder der überhitzte Dachboden).
Regale müssen daher der gleichen  Systematik folgen und einheitlich sein. Unter keinen Umständen dürfen sie sich unterscheiden, sollten repräsentativ sein und die Bücher in Szene setzen. Dies gelingt oft aus Platzgründen äußerst selten, weil Wohnraum zu klein oder das Geld, durch die stetige Erneuerung der Reihen, fehlt. Depressionen sind die Folge, da sie schlussendlich ihren Wohnraum für die Bücher einschränken müssen. Die schlimmste Folge ist ein Abdriften in das Messie-Syndrom (nähres zum Thema Buch-Messie-Sydrom folgt), welche den Perfektionismus ablöst.
Neueste Tests haben ergeben, dass die Änderung des IKEA-Regals EXPEDIT zu KALLAX, dessen Maße minimal vom alten Modell abweichen, noch gravierende Folgen für viele Betroffene haben wird. Prognosen weisen daher für die kommenden Jahre einen höheren Teil von zwanghaften Regalperfektionisten unter den Biblophilen aus, die unter depressiven Schüben leiden werden.

4. Schäden am Buch
Einer der größten Auslöser für Überreaktionen sind Schäden am Buch. Daher können Erkrankte niemals solche tolerieren, da sie die Perfektion ihrer Regale zerstören würden. Gebrauchte Bücher oder Mängelsexemplare sind für sie ablehenswert und zweitklassig und sie würden niemals ihre Bücher verleihen. Die schlimmsten Erfahrungen muss das Umfeld machen, wenn sie Knicke in Buchrücken verursacht haben. Diese massive Schädigung am Buch kann zu Freundschaftskündigungen führen. In extremen Fällen kam es schon zu Mordfällen, da sie ihre Gefühle über den Verlust und "Tod" des Buches nicht mehr unter Kontrolle hatten. Durch die Verletzung des Buches haben sie die Kontrolle über die Perfektion verloren und befinden sich in einer emotionalen Zwickmühle, die sie nur noch Kurzschlusshandlungen lösen können.
Auslöser können dabei nicht nur Knicke sein, kleine Risse in Seiten oder leicht beschädigte Ecken stellen schon Probleme da für die sensiblen Gemüter der Regalperfektionisten. Daher sollte das Beschädigen von Büchern eingedämmt werde. Viele setzen es sprichtwörtlich mit Mord gleich. Extreme Schädigungen wie Wasser oder Feuer brachten Patienten auch schon zu starken Trauergefühlen, die mit dem Versterben eines geliebten Menschen gleichgesetzt werden können.
Weitere Störfaktoren in dieser Funktionen sind auch Unterstreichungen innerhalb des Textes, Markierungen oder auch Widmungen - ausgenommen davon sind Autorensignaturen, die den Wert des Buches in diesem speziellen Fall steigern statt mindern -, die als Belästigung und einen Missbrauch das Buches darstellen. Personen mit stark ausgeprägter Symptomatik brauchen daher ständige Betreuung, damit sie nicht ins soziale Tief sinken.

Empfohlene Behandlung
Patienten, die an zwanghaftem Regalperfektionismus leiden, benötigen ständige Betreuung. Sie müssen lernen Ungereimtheiten zu akzeptieren und ihren Perfektionismus in den Griff zu bekommen. Ein erster Schritt ist daher die langsame und logische Heranführung an das Problem. Betroffenen muss vermittelt werden, dass es natürlich ist, dass Dinge sich ändern, Verschleiß und Schäden keine Makel sind und Objekte nicht immer konserviert werden können. Bibliotheken, die unterschiedliche Auflagen von Reihen führen, sind daher ein wichtiger Behandlungsort um ihnen auch die Ästhetik der Unordnung zu verdeutlichen. Speziell Universitätsbibliotheken sind hier anzumerken. Außerdem beherben solche Orte auch Bücher, die von vielen Menschen benutzt werden und daher Schmutz, Knicke und starke Abnutzerscheinungen aufweisen, die Regalperfektionisten lernen müssen erdulden zu können. Gleichzeitig darf und muss man ihnen klar machen, dass Chaos auch keine Lösung ist, da Patienten dieser Art oft zu Extremen neigen und schnell neue Neurosen entwickeln können.
Ein weiterer wichtiger Behandlungspunkt ist die soziale Kompetenz zu steigern. Sie müssen lernen auch ihre Bücher mal zu teilen und verleihen zu können. Ganz wichtig ist es hier, dass ihnen klar gemacht wird, dass auch ein gemeinsames Lesen deselben Buches Glücksgefühle hervorrufen kann statt das reine Besitzen und Pflegen des Objekts.

Von medikamentöser Behandlung ist in diesem Fall dringend Abstand zu nehmen, da diese den Krankheitsverlauf massiv beeinträchtigen können und ein Abrutschen in neue Neurosen hervorrufen können.

1 Kommentar:

  1. Hey =)
    Ich glaube, ich bekomme gerade meinen ersten depressiven Schub wegen des Expedit-Skandals! =(. Nur das Wochenende kann mich jetzt noch retten...

    LG
    Anja

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