Vergangenheitsschnippsel: März 2014

02 April 2014 |

Der Schweiß rinnt von der Stirn und läuft in die Augen. Ich versuche es wegzublinzeln um weiterzumachen. Ich muss die Übung auf den Laptopbildschirm sehen, verdammt! Die Hanteln werden immer schwerer, die Hände zittern unter der Last. Noch einmal in die Beuge, noch ein einziges Mal. Es zieht und man will weinen. Nein, stark bleiben... stark bleiben! Du schaffst das, du kannst das. Du weißt, für was du es tust.
Okay, noch einmal auf die Knie, ein paar Liegestütz', ein paar Situps. Plankpose, halten... halte sie. Komm schon, gib nicht auf. Gott, verdammt, scheiß Körper! Mach schon!
"You finished it!", sagt endlich die Stimme und ich klatsche schwer atmend auf die Matte. Alle Glieder von mir gestreckt und das Zucken der Muskeln spürend.
Es war Tag eins des Trainings, der erste Tag, seitdem ich wieder aktiv Sport treibe um mein Übergewicht den Gewichten zum Opfer geben will. Endlich dahin zu gelangen, wo ich will. Zu dem Körper, den ich mir schon immer wünsche. Du weißt, warum du das tust, haucht das Gewissen in mein Ohr, als ich mich wieder aufraffen kann und unter die Dusche schleiche. Der Kreislauf weiß nicht mehr wohin mit sich und rennt davon. Ich muss mich an den Fließen abstützen, als das Wasser über meine Schulter läuft. Gott, warum ist das so schwer?
Am nächsten Tag kam er, der Muskelkater und es schmerzte überall, selbst an Stellen, die mir vorher muskellos vorkamen. Ich wollte nicht mehr und wusste doch, du musst weitermachen, einfach weitermachen. Es war noch härter und das Atmen noch schwerer. Im Liegestütz zusammengebrochen, am Boden liegend, schlagen meine Fäuste nur noch auf die Matte. Ich will brüllen, weil ich so unfähig bin. Es kann doch nicht sein, fuck! Es sind 20 Minuten, ich muss das schaffen können! Ich kann das, ich kann das... Die Hanteln in meinen Händen können nicht mehr hochgezogen werden, die Finger wollen sich von der Last lösen. Irgendwo in der Dusche will ich Wutränen vergießen.
Es waren die ersten Tage, die den Kampf bedeuteten. Bis das erste Level geschafft war, der "Point of no return" überschritten wurde und ich nicht mehr verlieren wollte. Ich zog es durch. Tag 11, 12, 13... 30. Dreißig Tage... so war die Aufgabe. 30 Tage durchgehend schwitzen, leiden und den Muskeln keine Ruhe geben, alles Mögliche tun, damit man sich aufrafft.
"You finished Level 3!", waren die Worte der Stimme, die einen jetzt schon lange gequält hatte. Überall roch es nach dem salzigen und säuerlichen Geruch des Transpierierens. Es war das letzte Mal. Das Workout durch, die Muskeln durch. Geschafft. Geschafft...?
Die Erkenntnis dauerte noch etwas. Es ist vorbei. Du hast es durch. Ich fühlte unter dem Wasser meinen Körper. So anders. Die Wirbelsäule so gerade, die Arme nicht mehr schlaff... irgendwas ist anders. Es fühlt sich besser an, viel besser an. Alles, irgendwie schöner, vitaler... Ein Lächlen stahl sich auf mein Gesicht. Du hast es durchgezogen. Alter, du hast es durchgezogen!
Und es geht weiter... nächstes Workout, nächste Aufgabe. Und die Motiviation ist anders. Auf einmal macht man es einfach, weil es einem gefällt.

"30 Days Shred" heißt das gute Stück von Jillian Michaels, was ich mir angetan habe und meinen Körper und meine Einstellung zu Sport verändert hat. Alle 30 Tage durchgezogen, konnte ich gar nicht mehr warten, dass nächste Workout zu machen. Auch von ihr, aber es fühlt sich bisher großartig an, aber auch herausfordernd. Wer es nicht kennt und fitter werden will, probiert es aus, verliert nicht den Mut dabei! Es ist anfangs hart, weil es ungewohnt ist, aber man schafft es. Es fühlt sich einfach gut an! Mit meiner Motivation hab ich schon andere Anstecken können und bisher bereut es keiner.

Neu im Regal


"Serienunikat" von Cantal-Fleur Sandjon klingt nach einen schönen Berlin-Roman, der vielleicht die Hipster-Kultur auf die Schippe nimmt, modern daherkommt und den Zeitgeist einfangen kann. Freu mich schon wie verrückt darauf!
Der Klappentext von "Der Allesforscher" von Heinrich Steinfest hat mich schon so angesprochen, da musste es her. Es klingt skurril und herzerwärmend zugleich.
Als mich die Tage "Totenfrau" von Bernhard Aichner erreicht hat, musste ich grinsen. Das Buch wollte ich umbedingt haben und dann lag es einfach überraschend vor meiner Tür. Von Bernhard Aichner habe ich schon zwei Bücher geniesen dürfen. Einmal "Die Schöne und der Tod" (Rezension) und "Für immer tot" (Rezension). Ich mochte seinen speziellen Stil und ich hoffe, dass auch "Totenfrau" genauso gut wird wie die beiden Krimis.
Wer sich fragt, was ist denn "You & I" von Emily Gillmor Murphy, der sollte sich einfach mal den deutschen Titel ansehen: "Jetzt und hier und vielleicht für immer". Dürfte wohl mehr Leute ein Begriff sein und es spielt in Dublin. Das reicht schon um es haben zu müssen, vor allem für einen kleinen Liebhaber von Irland und Großbritannien. Außerdem klingt die Geschichte sehr interessant.
Die John-Green-Box! Muss ich dazu mehr sagen? Da ist alles drinnen, was ein Leser von John Green braucht. Looking for Alaska (Rezension) und The Fault in Our Stars (Rezension) hab ich schon gelesen und war von beiden wahnsinnig begeistert. Jetzt darf ich mich bald auch auf "Paper Towns", "An Abundance of Katherines" und "Will Grayson, Will Grayson" freuen.

Gelesen

Ich hab nicht ganz das geschafft, was ich wollte... was auch ein wenig daran lag, dass ich eine Leseflaute habe/hatte. Irgendwie kann ich mich momentan nur schwer zum Lesen aufraffen. Was beim Sport super klappt, funktioniert beim Lesen leider nicht ganz so einfach. Liegt es an der Literatur, liegt es an mir? Ich weiß es nicht... hoffentlich geht das wieder vorbei.

Robin Sloan - Mr. Penumbra's 24-Hour Bookstore (Rezension)
Beatrix Gurian - Der Kuss der Lüge (Rezension)
Kristian Bang Foos - Der Tod fährt Audi (Rezension)
David Levithan - Every Day (Rezension folgt)
Urban Waite - Wüste der Toten (angelesen)

Highlight

Every Day von David Levithan
Es ist einfach wunderschön. Schon diese Idee, dass A jeden Tag in einem anderen Körper aufwacht, immer 16 Jahre alt, Mädchen oder Junge, kräftig oder schlank, einmal in einer harmonischen Famlie, dann wieder in einer Katastrophe, ist einfach genial. Philisophisch, unglaublich tiefgründig und es bildet alle möglichen Schichten der Gesellschaft ab. Er verliebt sich als er Justin ist in dessen Freundin. Will sie immer sehen, gibt sich alle Mühe und doch bleibt das Problem, dass er jeden Tag in einem neuen Körper aufwacht. Eine Liebe, die zum Scheitern verurteilt ist.
David Levithan kommentiert nicht, er lässt stehen und vor allem schafft er ein unglaublich realistisches Ende, obwohl man das bei dieser Geschichte nicht so ganz glauben will. "Every Day" lehrt wie sehr die Liebe doch von inneren Werten lebt, wie bedeutsam sie sind und auch, dass die Äußerlichkeit, das Bedürfnis jeden Tag den gleichen Menschen zu begegnen, seelisch wie physisch, ein wichtiger Bestandteil für unser Zusammenleben ist. Der ganze Roman ist eine Gruppe an Fragen, deren Antwort wir nicht kennen und so bezaubernd, so wunderschön. Die Sprache, eindrücklich, so ehrlich und doch so einfach. Lest es einfach alle, bitte! Lest es! Es gehört zu meinen Lieblingsbüchern, seit ich es beendet habe.

Coming Next

Ich probier es noch ein letztes Mal mit einer Leseliste. Irgendwie bin ich wohl nicht ganz so der Typ dafür, der sich dann an sowas hält. Irgndwie mach ich meistens das Gegenteil, wenn ich mich an sowas halten soll. Innerer Wille gegen Regeln zu brechen? Mal sehen, ob ich diesen Berg bewältigen kann. Dieses Wochenende möchte ich noch zum intensiven Lesen nutzen, danach beginnt wieder der Ernst des Studentenlebens. Ob ich dann viel Zeit finde, werde ich noch feststellen. Aber da ich wieder Zug fahre und die "Deutsche Bahn" einen gerne mal Zeit freischaufelt, wird das bestimmt gut klappen.




Kommentare:

  1. Oh ja... Jillian - die alte Bekannte. Die Dame hat mich unendlich Nerven gekostet, tagelanges seitliches Treppenlaufen, da normales nicht mehr möglich war. Die Entdeckung von Muskelpartien, die mir bislang unbekannt waren und das unglaubliche Gefühl, nach einiger Zeit nicht mehr aus der Puste zu kommen. Auch wenn mich nach dem x-ten Mal ihr "so einen Bauch bekommt man nicht einfach so" genervt hat und ich mir kurzerhand überlegt hatte, der Dame den Ton abzudrehen - diese Qualen durchzuhalten lohnt sich. Mit welchem machst du denn jetzt weiter? :)
    Liebste Grüße,
    Deborah

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    1. Das mit dem Treppen kann ich sehr gut nachvollziehen! :)
      Schön, dass mich jemand versteht :D Ich mach momentan jetzt "Ripped in 30" von ihr... ist ja irgendwie das inoffizielle Aufbauprogramm. Bin jetzt bei Woche 2 ;)

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    2. Ui, das geht aber länger oder? Also nicht die "20" Minuten? Bin noch stark am überlegen mir ein Neues anzuschauen oder doch nicht lieber das Alte zu wiederholen. So ein Fitness-Tier bin ich dann auch nicht :D Und ich fürchte mich... vor dem Muskelkater :D

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    3. Nein, es geht 30 Minuten und ist auch wesentlich schwerer, aber mich fordert es genau richtig ;) Ich kann dir aber nicht sagen, welches von ihr leichter ist. "Shred" ist glaube ich das, was für Anfänger ist, der Rest... da bin ich überfragt, aber schau es dir doch mal bei Youtube, Vimeo oder Dailymotion an! Da findest du viel von ihr und kannst ja in eins hineinschnuppern ;)

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  2. Die John Green Box *---*
    Ich liebe diesen Autor und kann von seinen Büchern gar nicht genug bekommen! :)
    Liebe Grüße, Jasi♥

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  3. In der Bahn kann man doch meisten gut lesen. Und netterweise steht sie ja auch mal länger als sie soll ;)
    Die Leseliste finde ich sehr interessant. "Alex Woods" scheidet ja die Geister (ich fand es sehr gut), "Die Springflut" hat mich persönlich davon überzeugt, die skandinavischen Thriller endgültig aufzugeben...nicht meins.
    "Mirage" finde ich von der Idee her sehr spannend (und gewagt) und auch "Der Allesforscher" ist auf meiner Wunschliste.

    Ich schaffe es übrigens niiiiiiiiiie eine geplante Leseliste einzuhalten.

    LG

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