Vergangenheitsschnippsel: April 2014

04 Mai 2014 |

Der Typ vom Studenten-Service warf mir den Stapel Papier in die Hände. "Das ist das eine Skript, ich such mal das Zweite."
Moment, moment, was? Das Teil in meinem Armen ist nur ein Skript? Das ist ein Scherz. Zumindest ist es das Fach mit Vorlesungs-, Tutoriums- und Überunterlagne, oder? Fragwürdig sah ich ihn an. Das passende Übungskript wurde mir zugeworfen "Das ist aber fett!", sah ich ihn erschrocken an und überlegte schon insgeheim, ob ich mein Studium über Bord werfen soll und stattdessen, was anderes machen sollte.
Seine Antwort war nicht wirklich aufbauend: "Es ist noch das Dünnste!" Und schon krachte noch mehr bedrucktes Weiß auf meine Arme. Sein Grinsen konnte er natürlich nicht verstecken. Dass ich fast umkippte, schien ihn zusätzlich zu amüsieren und der Blutfleck auf dem ersten Blatt, zeigt mir auch nur auf, dass ich mich auch gleich an der Kante geschnitten habe. Na prima.
Mich langsam herausmanövrierend aus dem Raum, suchte ich erstmal nach einer Ablagefläche, damit ich das Zeug überhaupt in meine Umhängetasche bekam und fand einen freien Stuhl. So von der Ferne betrachtet, sah es noch viel schlimmer aus und meine Tasche hatte in meinen Augen auch schonmal viel mehr Platz besessen. Irgendwie bekam ich es noch hineingestopft, in der Hoffnung, die losen und ungelochten Blätter überleben den Transport, falls meine Schulter es überhaput noch tragen wollte. Sie war nicht mehr ganz so leicht belastet und zog gerade LKWs durch die Universitätsgänge. Nur die Tasche am Boden hinterherschleifen, könnte etwas verwirrend auf andere wirken.
Es fühlte sich immer mehr nach Felsformationen an, als wirklich nur Papier, was da so an mir herunterhing. Wenigstens hat es mich nicht so schlimm getroffen wie die, die hinter mir stand, die hat das Gleichgewicht verloren und das Papier über den Gang verstreut. Die Arme... leider war ich eh schon zu spät zur Verlosung und ihr Retter in der Not längst in Sicht. Außerdem fragte ich mich gerade, wie ich diesen Klotz von Tasche von A nach B bringen soll.
Und als wäre es nicht genug, war ich auch noch bei meinem Buchdealer meines Vertrauens. Er sah mich schon so komisch an, als er die von mir bestellten Bücher und meine Tasche des Grauens in Inspektion nahm. "Brauchst du für das Zeug eine Rechnung?" Ich schüttelte den Kopf. "Leider nein, der Schwachsinn ist für mich."
"Wirklich? Oh Gott, du Armer! Gibt es bestimmt Spannderes."
"Muss ja..."
"Muss man durch." Der mitleidige Blick von ihm war mir sicher, wenigstens war er auch ehrlich. Sein Blick fokussierte sich auf meine mit Skripen zugestopfte Tasche. "Passt das noch rein?", fragte er noch vorsichtig um mir das Zeug gleich in eine Tüte zu packen. Dass mein Geldbeutel in den Untiefen meiner Umhängetasche war, machte die Sache nicht umbedingt besser. Ich weiß immer noch nicht wie ich das Ding da so schnell herausgekramt bekommen habe.
Das HGB und der IAS/IFRS klingt nicht nur furchtbar nach Gesetzesschwere, es fühlte sich auch an, als würde das gesamte Recht der Welt auf meinen Schultern lasten. Stöhnend und ächzend daheim angekommen, den Stein des Wissens hinter mich herziehend, ließ ich erstmal alles von mir fallen und schmiss mich auf's Sofa. Durchatmen, die Schultern entlasten. Ich wollte nie wieder aufstehen. Nach einem kräftigen Seufzen wagte ich mich doch mal den Papierberg anzusehen, der ausgeschüttet zu meinen Füßen lag. Das soll also mein zweites Semester werden? Diese dicken Packen? Wo schon ein Skript einen Ordner füllt?
Irgendwo stach mir ein Datum ins Auge. Da steht was von Abgabetermine... da steht was von einer Skizze, pflichtmäßig abzugeben für... nächste Woche! Und wie viel soll ich noch tippen? Ach du Schande! Je tiefer ich mich durch den Berg wühlte, umso bewusster wurde mir der Umfang der Sache. Das Sofa fing mich wenigstens mit Fassung auf... und da heißt es immer, das Studentenleben ist doch so einfach!


Übrigens war es auch mal morgens um 6 (ja, da lauf ich schon rum, dank früher Vorlesung), so nebelig, dass ich mein Handy ausgepacken musste und knipste wie blöd. Wenigstens war da noch nicht viel los und so wollte mich keiner einweisen, weil ich alle fünf Meter stehengeblieben bin.
Ich liebe die Bilder, so unprofessionell sie auch sind, aber ich bin da stolz drauf. Vor allem, da ich ja sonst wirklich eher ein Zitterfotograf bin, den eher die Kamera aus der Hand fällt, als dass ein vernünftiges Foto entsteht. Nebel macht eh alles viel besser! Außerdem ging jetzt endlich auch meine neue Blogreihe "Buchneurosen" am Start, die die Eigenheiten der Buchliebhaber auf die Schippe nimmt und der Blog hat jetzt auch schon 3 Jahre auf dem Buckel. Mein Gott, ich und er werden auch ständig älter.

Gelesen


Urban Waite - Wüste der Toten (Rezension)
David Safier - Muh! (Rezension)
Abbi Glines - Rush of Love -Verführt (Rezension)
Ally Taylor - Make it Count - Gefühlsgewitter (Rezension)
Jonas Winner - Das Gedankenexperiment (Rezension folgt)
Erik Brandt-Höge - Diskobushaltestellenhierachie (angelesen)
Abbi Glines - Rush of Love - Erlöst (angelesen)

Hätte besser sein können, aber der Anfang des Sommersemestesr hat doch ein wenig an der Freizeit genagt... bei den Berg an Blättern ja auch kein Wunder! Außerdem hab ich die ein oder andere Leseflaute zwischendurch gehabt, da wollte ich einfach nicht lesen. Und das Wetter und der Kopfschmerz... ja, so manches wollte einfach nicht diesen Monat wie ich es gerne gehabt hätte.
Dafür gab es diesen Monat entweder Katastrophen oder wirklich gute Romane. Sehr seltsamer Lesemonat. Und das mit dem Bild, hmm, ja... das wäre diemsal etwas schlecht gewesen. Wie findet ihr das eigentlich so? Macht sich auch ganz schick (und ich müsste mich nicht jedes Mal blamieren und zeigen, was ich doch für ein schlechter Fotograf bin).

Neu im Regal



"Das Gedankenexeperiment" von Jonas Winner habe ich auch schon durch, näheres könnt ihr nachlesen in der Rezension, die noch folgen soll. Besser gesagt, sie ist schon fertig, aber ich muss sie noch zurückhalten. Nur so viel: Es ist sehr gut, anders als ich dachte, speziell und nicht für jeden Leser zu haben. Es ist auch mein Monatshighlight geworden! In der "Diskobushaltestellenhierachie" von Erik Brandt-Höge stecke ich noch mittendrin, aber es ist auch ein Roman, der mir sehr gefällt. Es ist schon dieser Protagonist, der vom Dorf verschwindet und die Hauptstadt Berlin zieht, aber trotzdem im Herzen doch jemand aus dem Dorf ist.
"Der Sommer, als wir unsere Röcke hoben und die Welt gegen die Wand fuhr" von Elvis Peeters hat nicht nur einen wahnsinnig langen Titel, der mich neugierig gemacht hat, sondern klingt auch ungewöhnlich. Ob er die Versprechen hält, die er gibt, muss ich noch herausfinden.
Überraschenderweise kam dann auch noch "Klammroth" von Isa Grimm ins Haus geflattert, vorangegangen mit einem mysteriösen Brief. Momentan liest die Bloggerwelt den Roman kollektiv durch. Ich hoffe, ich komme auch bald dazu.
Ein Roman kam als Geschenk bei mir an. Ich hatte Geburtstag und die Petzi von "Die Liebe zu den Büchern" hat mir "Tschick" von Wolfgang Herrendorf zukommen lassen. Einer ihrer Lieblingsromane und ich glaube und vertraue ihr, es wird dann wohl auch einer von meinen werden. Wir sind doch oft gleicher Meinung, was Bücher angeht.
Und dann, ganz wichtiger Neuzugang, mein Kindle. Ich habe mich verliebt, wirklich verliebt. Bevor jetzt hier die Amazonpolizei anrauscht: Ich habe mich BEWUSST für den Kindle entschieden, weil ich viele englische Bücher lese. Und nennt mir mal einen deutschen Onlineshop, der da günstiger ist als Amazon und mir auch wirklich alle Bücher anbietet, die ich brauche. Preisbindung haben die eh nicht, aber der Rest der Händler bekommt es einfach nicht vernünftig hin. Wäre dieses K.O-Kriterium nicht gewesen, wäre es eventuell der Tolino oder Kobo geworden. Soll er eigentlich noch einen Namen, also der Kindle, bekommen?

Flop

Rush of Love - Vereint von Abbi Glines
(Rezension)

Es toppt nichts mehr und die Sadisten unter euch freuen sich bestimmt, dass ich auch schon Teil zwei lese (wurde ja fast schon verlangt!). Er unterbietet ja wirklich alles! Unglaublich, dass so etwas noch funktioniert. Was man nicht alles tut für seine Leser. Aber zurück zum eigentlichen Roman. Nämlich der Geschichte Anfang.
Es fängt ja schon damit an wie klischeehaft alles ist, wie furchbar kitschig die Situationen, wie kontruiert. Achja und der Sex? Rein, raus, abspritzen und fertig. Kondome sind da ja eh ein Fremdwort, Rausziehen ist Verhütung genug. Gott, mein Kopf sucht schon wieder die Tischplatte. Und dieses Ende, es ist so hirnrissig, es ist so bescheuert. Außerdem, arbeitet die am Golfplatz oder bei Hooters? Warum sabbern da eigentlich alle Männer wie bekloppt? Und wieso findet sie Rush, der anfangs so ein Arschlosch ist, so geil? Fragen über Fragen und die Antworten bringen einem zum Weinen. So schlecht, dass es fast lustig sein könnte. FAST! Irgendwie ist da schon jedes Wort zu viel. Lest einfach die Rezension selbst, ich will das jetzt nicht nochmal in Worte fassen müssen.

Highlight

Das Gedankenexperiment von Jonas Winner

Hier tue ich mich richtig schwer, es waren wirklich gute Bücher dabei. Perfektes New Adult, so wie es sein sollte oder außergewöhnlicher Wissenschaftsthriller. Letzteres hat gewonnen, weil ich mich noch nie so gefürchtet habe beim Lesen. "Das Gedankenexperiment" ist nicht perfekt, muss es auch nicht, denn die logische Folgerung, die Überzeungskraft, die Jonas Winner einen dort präsentiert, macht einen Angst. Der Wahn, den man anfangs als lächerlich ansieht, übertragt sich auf dem Leser und ich musste wirklich nachsehen, ob das, was im Buch besprochen wurde, nicht wirklich irgendwo geschrieben steht, es ausgedacht hat, egal wie abwegig es schien. Es hat sich immer weiter aufgebaut, es gab so viel einen schrecklichen Sinn. Dieses beklemmende Gefühl wurde ich nicht los, je tiefer ich in diese philosophische Welt verschwand.
Und das machte "Das Gedankenexperiment" so genial, mitunter, weil hier die Philosophie die große Rolle spielt, nicht andere wissenschaftliche Bereiche, die man sonst in solchen Thrillern sieht. Es ist ein Gedankenexperiment im Gedankenxperiment im Gedankenexperiment (Inception!) und vor allem ein komplexer Roman, der nicht nur an der Oberfläche bleibt. Lesenswert, aber man muss ich darauf einlassen können.

Coming Next

Nein, da kommt keine Liste... ich bin kein Listenmensch. Hab ich jetzt festgestellt. Aber ich überlege, zum Abbau des viel zu großen Stapels an ungelesenen Büchern mir jeden Monat zwei oder drei Bücher herauszusuchen, die ich lesen muss!  Also Staubfänger, die schon ewig im Regal stehen und bisher unangestastet bleiben. Probieren wir mal das Projekt aus, vielleicht klappt das. Den Mai betrifft es aber noch nicht. Wenn das auch scheitert, irgendwas find ich hier schon noch. Oder habt ihr andere Ideen?

Kommentare:

  1. xDDD Ohje, du Armer xDDD Ich mag das Zeug mit den Himbeeren da haben, was ist das? *__________*

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    1. Himbeeren und Bananen :D Mit Naturjoghurt. Also nichts Spektakuläres ;)

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