Vergangenheitsschnippsel: Mai 2014

31 Mai 2014 |

Ich riss die Augendeckel auf. Die Uhr zeigte schon wieder erst die Vier statt andere Zahlen und ich seufzte genervt auf, während ich versuchte den Schlaf aus meinen Augen zu reiben. Eigentlich sollte ich noch im Tiefschlaf sein, nicht aufwachen. Stattdessen verkrampft sich mein ganzer Körper und mir brennt schon wieder der Kopf. Headshot, direkt ins Nervenzentrum. Der Regen drückte sich gegen die Jalousien, ein einzelner Blitz erleuchtet die Ritzen dazwischen, während das Donnern mit dem Pochen meines Kopfes abspricht. Wie tausend kleine Nadeln, die sich immer weiter bohren.
Ich schlug die Decke über mich, die äußeren Reize, die alles noch schlimmer machen auszuschalten, den Schädel auf das Kissen zu betten und Ruhe zu finden, aber es will einfach nicht funktionieren.
Für morgen hat der Wetterbereicht wieder Sonne angezeigt. Sonne, 28 Grad und es wird noch viel heißer. Bei dem Gedanken beginnt mein Kopf schon zu Krampfen, während mein Kreislauf noch nicht ganz sicher ist, wo er sich einzupendeln hat. War es nicht vorhin noch zwölf Grad, bei eiskaltem Wind?
Vom Spiegel glotzten mich nur noch diese Augenringe an, während immer wieder die Sicht verschwimmt. Passend zum Pochen meiner Gehirnwindungen schalteten die Augen zwischen schard und unscharf hin und her. Die Brille machte es auch nicht besser. Wäre Alkohol im Spiel, wüsste ich wenigstens, woher dieser Tunnelblick herkommt. Zur Uni soll ich auch noch spazieren. Bett wäre die bessere Option für heute, in der Hoffnung das Wetterchaos hört endlich auf und lässt mich in Ruhe.
Allgemein ist alles lästig geworden. Jeder ging mir auf den Geist, brachte mich auf 180, wenn er nur ein Wort falsch betonte. Jeden Zweiten schrie ich fast an, egal wie sinnig seine Sätze auch sein sollten. Gott, ihr seid alle so scheiße!
"Bist du in den Wechseljahren?", fragt mich die Kommilitonin, die neben mir sitzt, während ich mit meinen Ordner mir Luft zufächere. Hitze strömte über meinen ganzen Körper, als ich das Skript auspackte und weiter versuchte künstlich einen Windstoß zu erzeugen. Als hätte mein innerer Temperaturregler auf Höchstleistung gestellt. Dabei fühlte ich mich bei weitem nicht heiß, sondern vielmehr als würde ich scheinfiebern.
"Leute, ich geh lieber heim.", sagte ich und alle sahen mich nickend an. Kein Wunder bei meinen Launen. Das ich auch noch anfing leise vor mich hinzusingen, machte die Sache nicht wirklich besser. So hatte das alles keinen Sinn.
Die Sonne schien, als ich den Bahnhof betrat und in den Zug stieg. Wenigstens war er diesmal angenehm leer. Meinen Reader packte ich es gar nicht aus, als ich mich auf meinen Sitzplatz schmiss und trübselig aus dem Fenster sah. Die ersten grauen Wolken zogen auf. War vorher nicht noch strahlend blauer Himmel? Die plötzliche Trostlosigkeit vor der Scheibe war mir trotzdem lieber. Die Sonnenstrahlen würden meinen berstenden Schädel nur noch mehr zumuten. Die letzten Sonnenstrahlen wurde auf der Abfahrt geschluckt, während mich an der nächsten Haltestelle schon der Regen empfing. Noch eins weiter, kam dann auch der Hagel. Im ganzen Abteil war es still, alle sahen irgendwo hin, in einer seltsamen Melancholie gefangen. Über mir schaltete sich plötzlich die Lampe an und strahlte mir zu viel Licht in meine Augen, als es draußen anfing wieder ruhiger zu werden. Alles war wieder still, als ich ausstieg. Nur noch ein grauer Himmel, der mir seltsam in die Augen stach. Wenigstens waren es nur noch ein paar Schritte, dann stand ich auch vor der Haustür. Keine Musik in den Ohren wie sonst, einfach nur laufend zum Tagesziel gelangen. Ich schloss die Haustür hinter mir, als die ersten Regentropfen wieder einsetzen. Die Tasche von mir werfend, lag ich mich auf's Sofa und das Wasser knallte gegen die Scheiben. Mein Kopf war schon wieder in Sphären, die ich nicht mehr verstand. Doch, das war egal, als ich langsam die Augendeckel schloss.

Gelesen


Abbi Glines - Rush of love - Erlöst (Rezension)
Erik Brandt-Höge - Diskobushaltestellenhierachie (Rezension)
Bernhard Aichner - Totenfrau (Rezension)
Suzanne Collins - The Hunger Games (Rezension folg)
Chantal-Fleur Sandjon - Serienunikat (angelesen)

Dieses Jahr will es aber auch so gar nicht mit dem Lesen... naja gut, mein Kreislauf und Schädel jetzt mometan nicht gerade förderlich für die Produktivität. Stattdessen habe ich eher stumpfsinnige Sachen auf Youtube oder im Fernsehen geguckt. Gehirnentspannung oder so ähnlich.

Neu im Regal


"Woanders is' auch scheiße" von Tim Sohr scheint eine Hommage an die 90er, spielt im Ruhrgebiet und es dreht sich um Fußball. Kalli ist nämlich ziemlich uncool, aber das wird sein Spielerleben jetzt ändern.
Killer, die durch die Zeit reisen? "Shining Girls" von Lauren Beukes hat sich dem Thema auch schon angenommen. Mit "Die Eleganz des Tötens" von A. K. Benedict gibt es da noch einen Roman aus diesem Genre. Hoffentlich kann er mich auch überzeugen.
Mit "Das schwarze Blut" von Jean-Christophe Grangé habe habe gar nicht gerechnet. Es lag einfach so im Briefkasten. Geschickt hat es mir die liebe Ella von Buchschmetterling. Bisher hab ich noch nichts von dem Autor gelesen, aber gerade im Thrillergenre ist er kein Unbekannter.

Flop

Rush of Love - Erlöst von Abbi Glines

Mancher darf sich fragen, warum ich mir den zweiten Teil angetan habe, wo ich schon den Ersten so sehr gehasst habe. Ganz einfach, im Dienste der Wissenschaft! Nein, ich wurde genötigt, von meinen Lesern, die sich so köstlich über die erste Rezension amüsiert haben. Die Zweite kam dementsprechend gut an und ich seh schon insgeheim freuen sich schon ein paar auf meine Tortur. Wahrscheinlich steh ich auch noch drauf, weil sonst würde ich mir das nicht auch noch antun.
Achso, zum eigentlichem Buch. Ich bediene mich mal Mitteln der jungen Internetsprache: *facepalm hoch 3*. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. Wer es wirklich wissen will, der liest einfach bitte die Rezension. Wenn ich nämlich wieder anfange, werde ich nicht mehr fertig mit Meckern. Mein Gott, bin ich froh, wenn ich Band drei durch habe und das Leid ein Ende hat. Und da hat mir tatsächlich noch jemand angedroht, dass es sogar Ableger von der Trilogie gibt. Nein. NEIN! NICHT MIT MIR!

Highlight

Totenfrau von Bernhard Aichner

Ein spannender Thriller, der mit der Moral spielt, der eine Bestatterin als Protagonistin hat und einen einzigartigen Stil besitzt. Was will man mehr? Exzellenter Rachethriller, der mit seiner Hauptfigur punkten kann, einen an seine Grenzen führt und vieles schlimmer macht, weil er es eben nicht detailliert darstellt. Man versteht die Rache, man versteht die Motive dieser Mörderjagd und man weiß nicht, auf welche Seite man sich schlagen soll. Denn Blums Mann kam durch deinen Unfall ums Leben, der keiner zu seien schien. Marks Arbeit als Polizist hat ihn nämlich direkt zu eine Frau geführt, die furchtbares Ertragen musste. Doch die Männer wollen nicht gefunden werden, um jeden Preis. So muss ein waschechter Thriller sein!
Es gibt doch noch Thriller, die einen vollends von sich überzeugen können und nicht aufgebrüht daherkommen. "Totenfrau" gehört da eindeutig dazu.

Aus dem SUB

Was ist aus "Coming Next" geworden? Das ist weg, weil ich mich eh nicht daran halte. Stattdessen versuchen wir mal etwas Neues/Altes.

Da meine ungelesen Büchern steigen, steigen und steigen, will ich mal ein paar SUB-Leichen aus dem Keller holen und schmöckern. Pro Monat sollen es zwei Bücher werden, dürfte doch zu schaffen sein, oder? Dabei wähle ich mir ein paar Kanditaten schonmal vorher aus, damit ich Wahlmöglichkeiten habe und mich beraten lassen kann, was ich lesen sollte und was eher nicht. Aus einem kleinen Teil zu wählen ist auch wesentlich einfacher, als aus einem riesigen Stapel. So hat man gleich etwas selektiert und man kann den nach Leselaune anpassen. Ich bin halt doch kein Fan von vorgeschriebenen Sachen.
Für den Monat Juni habe ich mir diese Schätze herausgesucht.

Hab ihr was davon gelesen? Was fandet ihr gut, was eher schlecht?

Kommentare:

  1. Die Totenfrau klingt ja wirklich spannend! Das habe ich mir gleich mal auf den Merkzettel gesetzt. Asche und Phönix von Kai Meyer wartet zusammen mit seiner Arkadien Trilogie auch noch auf meinem SuB :) Bin aber schin sehr gespannt drauf. Und von Sebastian Fitzek liest sich eugentlich alles gut und flott.
    LG Anja aka iceslez von Librovision

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    1. Aber vorhin umbedingt anlesen ;) Bei "Totenfrau" steht und fällt die Liebe mit dem Schreibstil!
      Sebastian Fitzek ist eigentlich immer Garant für beste Thrillerunterhaltung.

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  2. Woanders is auch scheiße :'D Den Titel feier ich xD
    LG
    Svenja

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