Der Zwang Bücher zu beenden

29 Juni 2014 |

Endlich! Endlich!!! Teil drei von Rush of Love ist geschafft. Gehirnzellen sind gestorben, ich fühle mich jetzt auch endlich leichter (leider nicht auf der Waage. Ich hoff, die hat vor Frust nicht mehr) und befreit. Es ist beendet. Lasst es euch nochmal auf der Zunge zergehen, die Reihe ist beendet! BEENDET!
Ein paar hatten schon Mitleid mit mir, dass ich mir das antue. Sahen mich als Helden in stählerner Rüstung, mit Sixpack und wehendem Cape. Oben stehend, auf seinem Roß und *von hinten angetippt werde*. Okay, sie fanden mich halt mutig, weil ich es durchgestanden habe, wo doch so viele Menschen verzweifelt sind. Nämlich die Reihe bis zum Schluss lesen. Insgeheim gab es wohl schon Wetten, wann ich doch abbreche. Aber nein, egal wie mies es wurde, wie stumpfsinnig die Story auch war, es musste zu Ende gebracht werden. Ein Mann, muss tun, was ein Mann tun muss. New Adult Bücher lesen? Ähm... ja, natürlich, irgendwie sowas. Ist ja auch egal! Männlichkeit ist relativ und und und... ach, vergisst es!
Warum tust du sowas? Warum quälst du dich? Die Wahrheit ist... ich kann nicht anders. *entgeistertes Aufstöhnen für die Dramatik* MON DIEU! Ja, ich kann nicht anders. Es ist so ein innerer Zwang, dass eine begonnene Reihe abgeschlossen werden muss, egal wie grauenhaft sie auch sein mag. Fragt mich nicht warum, aber ich tue es. Deswegen guckt mich auch schon "Shades of Grey" fies an. Teil zwei staubt hier nämlich ein, ist aber begonnen, muss beendet werden. Muss! Ich will aber nicht. Q.Q
Also jetzt keinen blöden Scherze, bitte. Das ist ein waschechtes Problem. Ein erstzunehmendes, stigmatierendes Problem, denn ich kann nicht aufhören mich selbst zu peinigen. Es ist sadomasochistisch, in irgendeiner Art und Weise, obwohl es mir keine Befriedigung bringt. Und bevor jemand kommt und mich fragt: "Magst du Peitschen?" Nein, soweit geht meine Selbstgeiselung auch nicht. Allgemein mag ich keine Schläge. Ist auch nicht so ganz erregend für mich, egal ob jetzt psychisch oder auch ähm... Umarmungen und so etwas nehme ich aber gerne entgegen. Adresse findet ihr... okay, zurück zum Text.
Ist es einmal angefangen, braucht es ein Ende. In mir keimt die Hoffnung, es kann doch bestimmt besser werden, die Autorin oder der Autor (gendergerecht formulieren, bitte!) wird das Ruder noch rumreißen, wird ein bombastisches Ende schaffen, wird... den größten Scheiß des Jahrhunderts abliefern. Enttäuschung ist groß, Leseflauten kommen da gerade zu angelaufen und hauen dich so richtig ins Gesicht. Schön in die Fresse rein. Lachen hämisch und geben dir so nen richtig *Zensur* und *Zensur* und *Zensur* und *zu viele Kraftausdrücke und andere Wörte, die diesen Text verunstalten. Moment, hör auf. WAH! ICH WILL NICHT STERBEN* blöden Gesichtsausdruck ins Gesicht zaubern. Nix da, Zensur. Ist da Blut? Ups...
Egal ob Schreibstil, Charaktere oder Logiklöcher, bei einer Reihe, bei der ich den ersten Band beendet HABE, müssen die anderen folgen. Ein grausames Grundgesetz in meinem Kopf, wahrscheinlich von einem Trauma in der Kindheit ausgelöst. Fragt sich nur was? (Du hast vergessen den letzten Teller abzuspülen, jetzt musst du nochmal ran. NEIN!!!)
Das betrifft aber auch Einzelbände, nur da sind die Auswirkungen geringer. Schließlich ist es ja nur ein Einzelband, da wird es nur problematisch, wenn der Schinken bei Seite 200 schon furchtbar wird und noch 800 vor einem stehen. Aber die Angewohnheit haben ja eigentlich nur Ken Follett, Stephen King und Frank Schätzig. Ganz blöd kalkuliert, würde ich sagen. Aber ich tue es trotzdem, immer wieder zwinge ich mich zum bitteren Ende und ich wurde selten (eigentlich nie) überrascht. Nur enttäuscht, immer nur enttäuscht. Jetzt, flenn nicht! JA MAN!
Ist ja gut... nur manchmal würde ich doch gerne sagen: Ne, nicht mehr mit mir. F...Verdamm dich, Buch! Aber so richtig! Schaffe es aber nicht...
Ich weiß schon gar nicht mehr, wann ich ein Buch abgebrochen habe. Ich glaub, es war "One Day", was aber kein richtiger Abbruch (klingt so nach Abtreibung) war, es war nur der falsche Moment für das falsche Buch. Es wird also noch fertig geschmöckert. Ich fand es auch nicht schlecht.
Gott, bin ich krank. *zustimmendes Nicken von allen*

Kennt ihr das auch? Bücher unbedingt beenden zu müssen, egal wie schlecht sie sind? Oder seid ihr eher die, die gerne abbrechen?

Kommentare:

  1. Wenn ich mir mein Bücherregal so anschau, hab ich bisher erst zwei Bücher abgebrochen. Allerdings nicht auf die Weise "schlechtes Buch, das will ich mir nicht antun", sondern eher so wie du es geschrieben hast, dass es eher der falsche Moment war.

    Zwanghaft beendet hab ich auch erst drei Bücher - davon eins auf Französisch, was sehr schwer war, zu lesen. Die anderen sind historische Romane, mit denen ich früher nichts Großartiges anfangen konnte. Diese Bücher hab ich gelesen, ohne hinterher zu wissen, was drin steht. Jetzt gehört es aber zu meinem Lieblingsgenre - war wohl früher auch der falsche Moment.

    Bewusst Bücher oder Reihen abbrechen, kommt mir gar nicht in den Sinn. Eher lege ich mal ein Buch weg und denke mir, dass ich das später weiterlese, und vergesse es dann. Wenn ich mittelmäßige Reihen nicht fortsetze, liegt das daran, dass ich nicht über die Fortsetzung gestolpert bin. Gezielt suche ich nämlich nicht danach, nur unterbewusst.

    Liebe Grüße
    Lioba von Libramor

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  2. Ja, leider kenne ich das auch -.- Ich kann mich hier wirklich identifizieren.
    Ich denke auch immer an die Teile der Geschichte, die eventuell noch Potenzial hätten oder Fragen, die offen geblieben sind und die ich einfach beantwortet haben will (egal wie schlecht die Geschichte sonst sein mag)... ich glaube ich bin einfach zu neugierig.
    Ich habe bisher (genau) eine Reihe abgebrochen, die House of Night Serie. Obwohl ich mich irgendwie immer noch daran störe, aber schlussendlich war es wirklich ein Zwang, die Bücher zu lesen. Nach ein paar Büchern hatte ich auch keine Hoffnung mehr, dass mich die nächsten Bände mitreissen würden. Und da ich kein Geld für sowas ausgeben will (und es ist ja wirklich eine grosse Reihe), habe ich sie abgebrochen.
    Geholfen hat mir übrigens, dass ich die Reihe aus meinem Bücherregal geschmissen habe und irgendwo in eine Schachtel gesteckt habe, so im Sinne 'Aus den Augen, aus dem Sinn'.
    Mittlerweile denke ich wirklich fast nicht mehr daran (ausser zB in solchen Momenten), und habe somit auch nicht mehr den Zwang, die Reihe fortzusetzen :)
    Ich hoffe für dich, du findest auch irgendwie eine Lösung zu diesem Problem :)

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  3. Ehrlich gesagt bekomme ich in meinem Kopf nicht rein, warum man Bücher nicht abbricht. Das ist doch verschwendete Lebenszeit. Warum soll ich mich mit einem Buch quälen, das einfach nur doof ist? Auf die vage Aussicht hin, das es doch noch besser wird? Klappt sowieso nicht. Damit ich das Ende weiß? Dann lese ich einfach die letzten Seiten quer und fertig.

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  4. Früher war ich genauso :-)
    Egal wie schlecht das Buch war, es wurde beendet. Heute sehe ich das lockerer. Gefällt mir ein Buch absolut nicht, lese ich es nicht zu Ende. Für mich ist das dann einfach verschwendete Lesezeit die ich mit einem besseren Buch hätte verbringen können. Bei Reihen ist es eigentlich genauso. Wenn mir der erste Band schon überhaupt nicht gefallen hat, dann lese ich die Reihe auch nicht weiter.

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  5. Ich kenne das nicht. Ich bin da ziemlich herzlos zu den Büchern, um ehrlich zu sein. Wenn ich es zu blöd finde, dann breche ich ab. Punkt aus. Es gibt noch sooo viele tolle Bücher, da muss ich mich nicht über ein blödes ärgern.

    Aber es war mir ein Vergnügen, deinen Text zu lesen. Du kannst wirklich sehr gut mit Worten umgehen!! :-)

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  6. Ich kenne das Gefühl, mittlerweile sage ich mir aber: Die verschwendete Zeit könnte ich mit guten Büchern verbringen. Das hilft sofort :)

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  7. Was ich mich schon durch Bücher gequält habe. Und mir geht es viel zu oft genauso wie dir! Irgendwo ist da noch die Hoffnung, dass es vielleicht doch noch besser wird, aber das ist nur Wunschdenken...

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  8. Hey :D
    Habe gerade Deinen Post hier entdeckt und mich - sorry - richtig kaputt gelacht x)
    Du schreibst das so klasse, dass man aus diesem kleinen Post wahrscheinlich ein Buch schreiben könnte. Aber es müsste dann bitte aus Deiner Feder stammen, denn das wenige hier war schon total amüsant xD
    Ich würde das Buch lesen und bin mir sicher, es würde noch nen Bestseller werden =D

    Nun aber mal zurück zum Thema *ernsten Blick versuch*
    Abgesehen von Deinem Drang auch Einzelbände, die ätzend sind, zuende zu lesen, geht es mir mit den Reihen ganz genauso. House of Night oder Evermore kommen mir da gerade am besten in den Sinn. Auftakt: Hammer. Dann schwächt sich die Story immer mehr, aber das Ende des Buches ist dann wieder so... Ach man, beiß die Zähne zusammen und geh mit straffer Haltung in die nächste Buchhandlung und hol dir verdammt nochmal den nächsten Teil!!! ARGH! Bei mir ist es auch so, dass ich mir gleich die ganze verfügbare Reihe hole, wenn ich die Bücher auch nur für ein kleines bisschen weniger geld bekommen kann. Manchmal kommt das sogar vor, auch wenn ich den ersten Teil nicht gelesen habe. Als wäre es ein Zwang, weil so ein Einzelbuch sieht doch scheiße aus im Regal......

    Also ja, ich fühle mit Dir!!!!

    Liebe Grüße,
    nalla

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