Rezension: Das Schwein von Edward Lee

14 Juni 2014 |

Zum Buch

Originaltitel: The Pig
Verlag: Festa
Seiten: 160
Preis: 12,80 €

Anmerkungen:
Nur über den Festa Verlag erhältlich!
Nur für erwachsenes Publikum!

Bisschen Sodomie,
schadet nie

Ende der 70er Jahre: "Der Beichtvater" sollte seinen Traum vom Film erfüllen. So hat er es geplant, nur leider fehlt ihm das Geld und das passende Equipment. Doch für Leonard gibt es gleich eine Lösung. Die Filmausstattung klaut er aus einem Studio, nicht ohne Konsequenzen und ein mysteriöser Mann bietet ihm die 4000 Dollar an, die er für die Produktion seines Meisterwerkes benötigt. Zu 100% Zinsen p. a. entrichtet ihm der Mann die Kohle. Zumindest glaubt das Leonard, doch der gute Mann von der Mafia möchte sein Geld schneller haben, als gedacht. Aber er kann nicht zahlen und so landet er als Filmemacher in einer Hütte, gemeinsam mit zwei heroinabhängigen Prostituierten, die nicht einmal der Straßenstrich wollte. Der Traum bei "Sundance Festival" zu gewinnen meilenweit entfernt.
Dort dreht er Filme, vor allem Tierfilme, für ein besonderes Klientel. Dokumentationen der besonderen Art, sexuelle Interaktionen zwischen Mensch und Tier, in einer Zeit, wo das Internet noch gar nicht vorhanden war. Und manchmal etwas mehr als bloß zoophile Träume.

Wer Edward Lee kennt, weiß das er abartige und perverse Literatur bekommt. Nicht umsonst hat dieser Roman, der besonders extrem ist, keine ISBN-Nummer und das eBook wurde aus dem Handel genommen und ist nur noch über die Festa Verlagsseite erhältlich.
Dementsprechend bekommt man Literatur vorgesetzt, die brutaler nicht sein könnte. Leonard, dem nicht nur widerwertige und abscheuliche Dinge passieren, soll die ekligsten Filme drehen, in denen Vergewaltigung, Schläge und eventuell auch der Tod eine Rolle spielen. Sodomie, kranke Perversionen und vor allem eins: Eine Belastung für Nerven und Magen. Sexualpraktiken, an die man nie im Leben denkt, Abscheulichkeiten, die weit weg von Normvorstellungen sind. Alles wird einem geboten, ins kleinste Detail.
Die eigentliche Handlung ist dabei ziemlich dünn gesät. Leonard, der gerne Filme dreht, wird von der Mafia gezwungen ins extreme Pornogenre zu steigen, obwohl er das gar nicht will. Doch die Schulden müssen abgearbeitet werden. Er macht seine Arbeit gut, aber es bringt in an seine Grenzen. Und das war es schon im Großen und Ganzen. Danach folgen Szenen, vor denen Horrorfilme erblassen und sich wohl auch dem härtesten Leser die Nackenhaare aufstellen. Absolut verstörend, in menschliche Abgründe abtauchend, die man sich als normaler Mensch wohl kaum vorstellen kann.
Die Charaktere wiederum wirken wie Stereotypen, denen man nicht viel abgewinnen kann. Einzig und allein Leonard, Protagonist der Geschichte, scheint außergewöhnlich und vielschichtig zu sein, auch wenn er oftmals seltsam unterkühlt wirkt, in die Ereignisse nicht wirklich angekratzt haben, was den Leser verwundert und nicht immer zu seiner sonstigen Entwicklung passt.
Edward Lee zeigt hier aber auch sein außergewöhnliches Erzähltalent. Sein Erzählstil in "Das Schwein" ist ungewöhnlich und originell. Erzählt er nicht nur, nein, er kommentiert die Ereignisse, schweift öfters mal vom Thema ab, fasst sich wieder und manchmal kommt es einen so vor, als würde jemand in der Kneipe sitzen und versuchen dir eine gute Horrorstory zu erzählen. Mit einem Augenzwinkern. Mit einem Augenzwinkern? Richtig gelesen!
Und trotzdem ist die Sprache niveauvoll, fließend und abwechslungsreich. Edward Lee legt ein starkes Tempo hin, bei dem der Leser durch die Seiten rast, egal wie angewidert er auch von den Ereignissen ist. Dazwischen verbirgt sich bitterböse Ironie, vielmehr eigentlich widerwertiger Zynismus, der nicht zu überbieten ist. Zwischen all der Perversion findet man eine Prise Humor, die einen schlucken lässt, die aber die Art von Roman ausmacht und für die man "Das Schwein" und ähnliche Literatur liebt.
Eigentlich ist damit alles gegeben, um ein guter Extreme Horrorroman zu sein, wäre da nicht das Ende, dass vieles kaputt mag. Es soll witzig wirken, nur leider ist es nicht mehr ausgeklügelt böse mit einem Augenzwinkern, sondern fast schon cartoonhaft und lächerlich. Es war zu viel der Absurdität und plötzlich rutschte der Roman in eine Schiene, die die Atmosphäre davor zerstört hat. Vielleicht ist es auch der verzweifelte Versuch ein Ende zu finden für die widerlichen Geschehnisse, anfangs wirkte es auch überzeugend, wurde aber immer abstruser.
Wobei dieser Schluss, der wie in schräger "Looney Toon"-Manier daherkommt, durchaus seine Reize hat, aber als Lösung des Konflikts zu abstrus wirkt. Vor allem, da der Rest der Geschichte eine solche Richtung geradezu vermeidet.

Fazit

Edward Lee beweist in "Das Schwein" sein schreiberisches Talent und seine Liebe zu perversen, ekelhaften und verstörenden Szenen. Für Fans von Edward Lee ein Muss, für alle andere, kann man lesen, muss man aber nicht. Es gibt nur ein paar Voraussetzungen beim Lesen: Gute Nerven und die Fähigkeit, nicht alles zu ernst zu nehmen, müssen vorhanden sein. Stabiler Magen schadet natürlich auch nicht.

★★

Kommentare:

  1. Also ich mag die Bücher von ihm ja ganz gerne...aber dieses war so absolut nicht meins.
    Wenn man solche Lektüre mag, klingt das vielleicht jetzt komisch aber Tiere (und Kinder) will ich in dieser Art Bücher nicht haben.

    Aber so an sich mag ich den Festa Verlag sehr :-D

    Lg, Eva

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    1. Es ist schon wirklich sehr hart, aber deswegen ist es ja auch in der Reihe erschienen. Ich muss gestehen, es war mein erster Edward Lee. Der Schreibstil war aber wirklich super, dass ich es mit ihm wahrscheinlich nochmal probiere. Empfehlungen?

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  2. Hallöchen :)
    Ich bin gerade durch Zufall hier gelandet, da genau dieses Buch mich bei Amazon angesprochen hat... und irgendwann hat google deinen Bog ausgesuckt :D Ich finde es schön hier und bleibe ;)

    GLG Nadine

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