Rezension: The Hunger Games von Suzanne Collins

12 Juni 2014 |

Zum Buch

Dt. Titel: Die Tribute von Panem - Tödliche Spiele
Verlag: Scholastic Press
Seiten: 374
Format: Gebunden
ISBN 978-0-439-02348-1

The Hunger Games Trilogy

1. The Hunger Games
2. Catching Fire
3. Mockingjay

Nur einer überlebt

Als die Welt zusammenbricht, bleibt Panem übrig. Panem, ein Kontinent, der vom Capitol regiert wird, wo Unterdrückung an der Tagesordnung steht und in dem Katniss lebt. Sie gehört zum zwölften Distrikt und wohnt mit ihrer kleinen Schwester und ihrer Mutter in Armut. Seit dem Tod des Vaters ist es Katniss, die das Essen auf den Tisch bringt und illegalerweise mit ihrem Freund Gale durch die Wälder streift, Fallen aufstellt und jagt.
Die Zeit der "Hunger Games" ist in Panem angebrochen. Regelmäßig werden dafür zwei Jugendliche aus den zwölf übrig gebliebenen Distrikten ausgelost. Sie sind schon seit ihrer Kindheit registriert und es gibt keine Ausnahmen. Die 24 ausgewählten Kandidaten sollen sich dann gegenseitig umbringen, um das Volk an die Kriege zu erinnern, die für Zerstörung und Tod gesorgt haben.
Dieses Jahr sollte auch zum ersten Mal Katniss Schwester Primrose im Lostopf sein. Und das Schicksal hat sie gezogen. Katniss konnte es nicht mit ansehen und meldet sich freiwillig, um ihre Schwester in Schutz zu nehmen. Als zweiter Tribut wird Peeta gezogen, ein Bäckerssohn, den Katniss von Kindheit an kennt.
Beide müssen sie zu den grausamen Spielen gehen und versuchen zu überleben, egal wie hoch der Preis dafür sein wird.

"The Hunger Games" ist ein Megaseller, an dem keiner mehr vorbei kommt. Die gesellschaftskritische Dystopie verbindet geschickt Medienkritik mit einer spannenden Handlung, die einen zu Herzen geht.
Suzanne Collins gelingt mit ihrer Protagonistin eine mutige junge Frau, in der noch ein Mädchen steckt, die aufgrund ihrer Umstände schnell erwachsen werden musste. Unabhängig, durch die Wälder streifend und ihre Tiere jagend, zeigt sie immer wieder ihre Intelligenz, ihr Durchsetzungsvermögen und ihren Willen. Und trotzdem hat sie Stärken und Schwächen. Manchmal ist sie unsicher, weiß nicht was sie tun soll, fühlt sich allein gelassen mit den großen Aufgaben. Doch gerade das macht sie sympathisch und zu einer herausragenden literarischen Figur, die Ecken und Kanten haben darf und nicht perfekt daherkommt. Eine Kämpfernatur, die trotzdem verletzlich ist.
Schnell wird man mitgenommen in eine "Spielshow", bei der nur einer überleben kann. Die Chancen für Peeta und Katniss stehen gering, denn die besseren Distrikte trainieren ihre Tribute auf ein Höchstmaß, damit sie als glorreiche Sieger zurückkommen, während die Erfolge des zwölften Distrikts eher schlecht waren.
Die Medienkritik, die dabei entsteht, zeigt uns eine überzeichnete Version einer Spielshow, die als Propagandamittel eingesetzt wird. Eine Show voller Effekthascherei, in der Geschichten erzählt werden, Dramen künstlich erzeugt. Die Masse bekommt das, was sie sehen will. Liebe, Schmerz und Trauer. So weit weg ist diese Zukunftsvorstellung nicht. Wenn man heutige Reality-TV Sendungen und Formate wie "Dschungelcamp" betrachtet sind die "Hunger Games" nur der absolute Gipfel an Niveaulosigkeit und Präsentationsgier. Gekonnt zeichnet Suzanne Collins dieses düstere Zukunftsbild in prächtigen und gleichzeitig tiefschwarzen Farben. Findet den dünnen Grad zwischen Übertreibung und Kritik, lässt in ihrer Sprache den Kitsch nicht die Überhand nehmen und schafft es Einblick in das Seelenleben ihrer Charaktere zu gewähren.

Das politische System kommt im ersten Teil sehr vage herüber. Trotz allem merkt man den exzessiven und exzentrischen Lebensstil des Capitols, das von plastischer Chirurgie, exquisiten und schrillen Kleidern und köstlichen Essen Leben, während das "niedrige" Volk Hunger leidet und unterdrückt wird, auch mithilfe der "Hunger Games".
Dass solche Spiele als Propagandamittel aber eingesetzt werden, ist in der Literatur nichts Neues. In "Battle Royale" wird eine Schulklasse auf eine Insel gebracht. Sie müssen sich gegenseitig umbringen, ähnlich wie in den "Hunger Games", nur spielen die Medien eine geringere Rolle. Während es in "Battle Royale" ein reiner Kampf ums Überleben ist, müssen in den "Hunger Games" gleichzeitig Sponsoren und Sympathieträger gewonnen werden, damit man überleben kann, die Spielemacher einen nicht aussortieren. Die Show muss weitergeben, das Volk will Blut sehen.Durch das Eingreifen der Spielemacher entsteht eine unglaubliche Dynamik und Dramatik, die den Leser fesselt und mitnimmt. Immer neue und überraschende Wendungen bringen bedrohliche Situationen für Katniss und Peeta, die nicht immer heil aus den Konflikten herauskommen können. Immer neue Strategien müssen herausgearbeitet werden, damit sie die Sonne am nächsten Morgen sehen dürfen. Neue Regeln verändern das Spiel und die Ereignisse überschlagen sich. Und gleichzeitig wird einem bewusst wie wertlos die Tribute selbst betrachtet werden, die nur Mittel zum Zweck sind.
Dies steuert geradewegs zu einem Showdown hin, der einen die Kinnlade hinunterkrachen lässt. Das Ende der Spiele ist voller Überraschung und lässt einen erstaunt zurück. Trotzdem merkt man diese dunkle Vorahnung, dass etwas nicht stimmt. Und es täuscht nicht, denn das Ende des ersten Teils kommt realistischer daher, als man glaubt und macht Hunger auf die weiteren Teile.

Fazit

"The Hunger Games" von Suzanne Collins ist der grandiose Auftakt einer dystopischen Trilogie, der Spannung und Kritik gekonnt verbindet. Starke Charaktere und ein einfühlsamer Schreibstil vermischen sich zu einer Handlung, die einen mitnimmt, bewegt und einen bitterbösen Blick auf die heutige Medienwelt gibt.

★★★★

1 Kommentar:

  1. Den ersten Teil fand ich auch am besten! Ich wünsche Dir viel Freude beim Lesen der nächsten Teile.

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