Zerrissene Seiten: Hier könnte Ihre Werbung stehen!

15 Juni 2014 |

"Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem IKEA-Schrank feststeckte". Nicht nur ein Mammuttitel, sondern auch Bestseller. Ein kalkulierter dazu, schreien so manche Feuilletons dieser Welt, ein geplantes Marketingkonzept, ein gut gemachtes Buch, das sich einwandfrei verkauft hat. Ganz nach Plan und die Schleichwerbung bestimmt gewollt.
Moment, die Schleichwerbung? Als ich einen Artikel dazu gelesen hatte, dass der Roman reine Werbung sei, war ich erstmal verdutzt. Selbst beurteilen kann ich es nicht und habe es auch nicht wirklich vor, es zu lesen. Coca-Cola farbene Augen und Sonstiges soll seinen Weg in die Schreibe gefunden haben. Aber ist das wirklich schon Schleichwerbung? Schon der Titel wäre ja Argument genug, oder nicht?
Wenn man sich mal die Literatur ansieht, speziell die amerikanischen Werke, da fliegen einen doch die Äpfel um die Ohren. Die haben alle Macbooks, iPhones, iPad... sind sie damit gleich iBooks (Nachtrag: Das gibt's ja echt!)? Werden die dafür bezahlt, von Firmen, vom Konzern selbst, dass sie es reinschreiben? Ich bezweifel es stark, vor allem angesichts der Werbeeffekte, die so eine Werbung hätte. Explizit in Romanen! Ein Medium, dass eigentlich so gar nichts damit zu tun hätte.
Product Placement kennen wir ja alle. Das gibt es schon im Fernsehen, bei jeder Sendung muss oben stehen: "durch Produktplatzierungen finanziert". Ist ja nichts Neues. Wer dies vermeiden wollte, hat die Logos dezent geändert. Aus dem Apfel wurde eine Birne und trotzdem war jedem klar, was es darstellen sollte. Das FedEx in amerikanischen Filmen eine lange Zeit gar nicht mehr wegzudenken war, kann man schon an "Cast Away" sehen und man kann die Spirale immer weiter drehen. Warum rede ich von Produktplatzierungen? Das ist keine Schleichwerbung!
Lieber Leser, ich weiß das! Schleichwerbung wäre, wenn ich sage: "Ich gehe zu IKEA." anstelle von "Ich gehe ins Möbelhaus". Aber Werbemechanismen müssen begriffen werden. Also weiter im Text.
Gut, Literatur, die immer wieder Marken benennen, auch wenn sie nicht müssten, ist nicht neu. "Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra" zum Beispiel arbeitet nach selbigen Mitteln. Hier ist nur Google das entscheidende Produkt, das überall mitspielt und wir kennenlernen dürfen, als ein Meister der Welt, der überall mitspielt.
Da gab es auch schon Aufschreie, es sei doch Werbung! Der Roman sei furchtbar, weil er Google in den Himmel hebt. Dann hat wohl jemand nicht ganz aufgepasst beim Lesen... ich konnte nämlich nicht sehen, wo da Google hochgelobt wurde, es wurde eher satirisch dargestellt und das die "Werbung" nicht ausblieb, war klar. Und sind wir mal ehrlich, hätten wir jetzt einfach ein fiktives Unternehmen genommen, hätte das ganze nicht mehr funktioniert.
Oder wie lässt sich ein Berliner Hipster nicht schön beschreiben, wenn man die RayBan benennt. Marken haben eine gewisse Identifikationskraft, gewollt natürlich, das ist aus Marketinggründen so geplant. Man hat halt als Firma bestimmte Zielgruppen, die die Produkte kaufen. Das fängt schon damit an, dass eine ärmere Familie die No-Name-Produkte sich holt und die Besserverdiener das Markenprodukt kaufen. Es ist auch ihr gutes Recht, sich Luxus zu gönnen, egal wie vermeintlich er daherkommen mag. Geht man jetzt rein aus mikroökonomischer Sicht heran, zieht sich das hindurch. Natürlich spielen noch weitere Mechanismen bei unseren Entscheidungen mit, aber ob wir animiert werden, von einer benannten Marke im Buch, direkt in den Laden zu stiefeln? Ich bezweifel es. Bekommen wir aber ein Bild, wenn wir schreiben "der Hipster mit der RayBan", ja, haben wir.
Wenn wir keine Marken mehr nutzen, dann haben wir Probleme. Nehmen wir als Beispiel mal ein Auto. Es macht sehr wohl einen Unterschied, ob er einen alten VW Golf fährt, der mit seinen Rostflecken und der fehlenden Servolenkung nur noch am Husten ist oder ob er einen schicken Wagen die Straßen hinunterjagt, in knallbunten Farben und das Label "Ferrari" oder Ähnliches vorne kleben hat. Warum soll man da die Marke umschreiben? Nur um zu gefallen? Außerdem sieht man in jedem Land eine andere Marke als großartig. Deutsche Marken haben ja auch ein bestimmtes Image im Ausland, was man in so mancher Literatur sehen kann. Unser Bier ist ja weltbekannt, das tschechische übrigens auch. Und die Autos erst!
Im Alltag sagt man auch manchmal: "Hast ein Tempo für mich?" und nennt es "Pampers" und nicht Windel. Da drink ich ne Coke, obwohl sie nicht von Coca-Cola stammt. Und wenn wir da schon anfangen, müssten wir eigentlich alles irgendwie umschiffen und wissen doch, was eigentlich gemeint ist. Wenn ich von einem schwedischen Möbelhaus rede, ist es genauso IKEA, als wenn ich gleich sage: Sie fahren zu IKEA. Der Studententempel für Möbel der jungen Generation besteht nun einmal aus diesen vier Buchstaben. Werbeabsicht? Ja, aber nicht direkt in den Romanen, sondern als Platzierung als Marke. Für das Unternehmen ist es höchstens ein Beweis, dass sie einen bestimmten Stellenwert beim Kunden besitzen. Was für sie schön ist, für den Leser eines Buches mit "Schleichwerbung", aber sowas von egal ist, weil diese Marken längst etabliert sind. Und wenn nicht, hat diese Nennung meistens einen Grund.
In gewissem Maße ist es auch ein Stilmittel. Gerade, wenn es um das "hipp" sein geht oder sonstige Sachen, wo Trends eine Rolle spielen, fliegen diese Markennamen einem nur um die Ohren. In Jugendromanen kommt das öfter vor, wenn es in der Modebranche, spielt sogar noch mehr. Vogue, Gucci, Prada und Chanel um ein paar aus dem Fundus zu nennen. Da beschwert sich plötzlich keiner, warum man nicht einfach von Schuhen mit roter Sohle redet. Ist doch auch Schleichwerbung, man müsste es ja nicht beim Namen benennen, oder?
"Sollen sie sich halt was ausdenken, die Autoren. Tun ja sonst nichts anders!", brüllt bestimmt irgendjemand. Manche Autoren machen das auch, weil sie diese Marken gar nicht wollen oder brauchen. Und da kommt das Wort "brauchen". Für manchen Roman, der Popkultur lebt und versteht, sind es Identifikationspunkte, vielleicht auch Kritikpunkte. Das wird wohl kein Unternehmen mit voller Absicht und gegen Bezahlung wollen. Kritik an ihren Produkten gegen Geld. Auch schlechte Nachrichten seien gut, sagt man immer, nicht aber unbedingt bei Konsumgütern der oberen Preisklasse.
Immer noch Schleichwerbung? Wirklich? Ich glaube kaum, dass die meisten Sachen, die per "Marke" genannt sind, einen Werbezweck haben. Vielmehr ist es ein Stilmittel, manchmal einfach nur Ablichtung der Wirklichkeit. Warum man schon von "Werberomanen" spricht, scheint mir unverständlich. Vielleicht bin ich ja auch zu naiv, um so etwas zu glauben. Natürlich gibt es finanzierte Artikel in Zeitungen, Zeitschriften und Co. Aber dies ist kein Geheimnis mehr, aber in der Literatur? In einem Roman? Schwer vorzustellen, wieso gerade da ein Unternehmen ansetzen sollte, wenn es nicht gerade aus der Buchbranche kommt.
Wieso denn etwas nicht? Naja, zuerst einmal arbeitet es anders. Man müsste das Objekt schon einmal umschreiben, statt es einfach abzulichten, was in Film und Fernsehen natürlich gut. Die Gedankenwelt müsste übertragen werden, was zwar in einem Roman geschieht, aber zu anderen Zwecken. Wenn dort eine Marke fällt, hat es einen Grund, und das ist nicht der, der Schleichwerbung. Klar, die bloße Nennung stellt Schleichwerbung da, es prägt sich ein. Der Konditionierungseffekt ist da, aber man kann es auch übertreiben. Wie mit allen Dingen... und da fängt es mit der Schleichwerbung im Fernsehen an.
"Was ist dein Lieblingskaugummi?" - "Der von Wrigley!" Und schon labbert der Moderator zig weitere Namen runter, aus Panik.
"Was ist ihr Lieblingsautor?" - "Fitzek." Es gibt natürlich noch Linwood Barclay und so weiter...
Vielleicht bin ich da kleinlich, vielleicht steckt da schon zu viel Wirtschaftler im Blut. Aber Schleichwerbung in Literatur? Gewollt und vollkommen bewusst? Scheint für mich mehr als schwer vorstellbar.

Anmerkung: Dieser Beitrag arbeitet mit bezahlter Schleichwerbung (natürlich, glauben Sie mir!)

Kommentare:

  1. Thihihihihi Sky :D
    Danke! Zurecht denke ich bei dem Wort "Sky" nun schon nicht mehr an Fernsehn :D Ha! Mit dieser Werbung kann man mich nicht mehr locken.
    Ich denke auch, dass Marken in Büchern einfach als Stilmittel genutzt werden. Beispielsweise lese ich gerade die Reihe um die Staatsanwältin Chas Riley, die in Hamburg aufm Kiez lebt und was wäre der Kiez ohne Astra? Ich finde, manches muss einfach erwähnt werden, weil sich der Leser dann auch viel besser hineinversetzen kann, in die eine oder andere Situation. Wenn jemand schreibt "Ich ging in einem Möbelhaus" Dann denke ich nicht automatisch an Ikea, ich denke an Höffner oder was weiß ich und langeweile. Schreibt aber jemand " ich ging zu IKEA" .. da weiß doch jeder Bescheid. Hier gucken, da gucken uh Kerzen, oh das noch und ach das wollte ich schon immer haben und am Ende gibt es was zu essen für jeden. Perfekt. Das ist fast schon wie in einen Freizeitpark fahren. :D Das kennt jeder das weckt Erinnerungen und genau so soll ein Buch doch sein. Der Leser soll eigene Erfahrungen und Erinnerungen einbringen können um zu verstehen wie sich die Personen im Buch fühlen! Genauso ist es eben wenn ich sage ich lese ... denk denk denk .. ah ich hab was. Wenn ich zum beispiel als Katzenbesitzer lese "Whiskas" klar das ist eine Marke, aber jeder der ne Katze hat und Whiskas füttert (ich weiß nicht obs üblich ist aber ich nehms jetzt einfach mal an xD) oder auch Frolic bei Hunden, der weiß wie das aussieht, der weiß wie das riecht und der hat ne verbindung dazu. Das ist meiner Meinung nach genau das richtige für ein Buch. Es spricht die Vorstellungskraft an, spricht die Dinge an, die vielen Menschen bekannt sind und das sind eben nun mal meistens Marken - Wie du eben auch zb. die RayBan genannt hast ! Ich glaube auch heutzutage eine der meist verkauften Brillen überhaupt und jeder weiß wie ein RayBan (eine typische) aussieht. Würde da nur stehen "Brille" oder "Sonnenbrille" dann hätte man keine génau Vorstellung .. eine RayBan kennt so gut wie jeder.
    So, was ich sagen wollte war eigentlich .. mal wieder ein wunderbarer Artikel und ich habe mich gefreut auch mal darüber nach zudenken. xD <3

    Liebst, Lotta

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  2. Schön, dass du das Thema aufgreifst! ein paar Absätze mehr und der Texte wäre gut gewesen :-) Ich finde das Gerede um Schleichwerbung ab einem bestimmten Punkt doof, weil Produkte auch ein zeichen der Zeit sind - ein I-Pad steht für bestimmte Eigenschaften, also: Warum nicht? Anstatt sich ständig über Werbung aufzuregen sollte man aufpassen, dass man selbst noch objektiv urteilt und sich davon nicht einlullen lässt.

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  3. Ich muss sagen, dass die Jugend aus meiner Sicht sowieso nur mit Marken um sich wirft, damit kann ich meist gar nichts anfangen. Warum auch? Ich bin jetzt nicht der Marken-Fanatiker, wie es die Jugend zu ein scheint.
    Aber man hat dann ein Bild vor Augen und auch ein Statement der Person irgendwo. Es ist irgendwo auch eine Untermalung der Tatsachen.

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