Rezension: Die 5. Plage von James Patterson

13 Juli 2014 |

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Originaltitel: 5th Horseman
Verlag: blanvalet
Format: Taschenbuch
Seiten: 384
ISBN 978-3-442-37037-5
Preis: 7,95 €

Women's Murder Club-Reihe

1. Der 1. Mord
2. Die 2. Chance
3. Der 3. Grad
4. Die 4. Frau
5. Die 5. Plage
6. Die 6. Geisel
7. Die 7 Sünden
8. Das 8. Geständnis
9. Das 9. Urteil
10. Das 10. Gebot
11. Die 11. Stunde

Kunstfehler oder Mord?

Lindsey Boxer steht vor einem Mord. Eine Frau wird in einem Auto gefunden, in teuersten Klamotten steckend und mit Malen um ihren Hals. Doch etwas stimmt nicht. Der Tatort wirkt wie präpariert und den Duft, den die Frau tragt, zu teuer für die Trägerin. Was steckt dahinter? Sie muss schnell sein, denn der nächste Mord steht schon vor der Tür
Derweil erleidet die Mutter von Lindseys Freundin Yuki einen Schlaganfall und landet im Krankenhaus. sieht sich einem Kunstfehlerprozess entgegen, bei dem sich um Dr. Garza dreht. Während seiner Aufsicht im Krankenhaus sind in verschiedenen Fällen Menschen gestorben, aufgrund von Fahrlässigkeiten oder Kunstfehlern, die nicht sein dürften. Falsche Medikamente führten zum Tod, Behandlungen wurden durchgeführt, die vollkommen fehl am Platz sind, obwohl die Patienten auf dem Weg der Genesung waren. Systematische Ermorderung oder wirklich nur unbeabsichtigte Fehler? Und was sollen die Münzen auf den Augen der Toten? Ein schlechter Scherz?
Als Yukis Mutter ebenfalls stirbt, scheint klar: Es steckt mehr dahinter.

Zwei Fälle in einem Thriller? Die sollten bestimmt etwas miteinander zu tun haben, oder? Nein! James Patterson überlegt es sich anders und handelt sie einfach beide halbherzig ab und lässt der Spannung keine Chance.
Mit seiner Protagonistin und Ich-Erzählerin Lindsey Boxer versucht er eine toughe, aber auch normale Frau zu konstruieren und doch bleibt sie einfach flach wie eine Flunter. Manchmal fragt man sich, ob sie überhaupt die Hauptfigur ist oder auch nur eine blasse Nebendarstellerin. Denn die gibt es en masse in "Die 5. Plage". Man hat oftmals Schwierigkeiten sich überhaupt einen Menschen vorzustellen, der Tiefe besitzt. Einfachste Charakterzüge bleiben aus und von Randdaten allein kann keiner leben. Denn Patterson wechselt munter hindurch, zwar nicht weitere Ich-Erzähler, aber weitere Perspektivträger, und nicht ein Einziger von diesen vielen Sichten entwickelt eine Eigendynamik, die Spannung bringen könnte.
Normalerweise ist dies das Hauptziel solcher Wechsel. Spannung, doch die stirbt schon ab der ersten Seite und kratzt sich höchsten bis zum Ende hoch vom Boden. Ein stoischer und routinierter Schreibstil macht die Sache nicht wirklich besser. Nichts fixiert den Leser, mit keiner Person entwickelt man Sympathie oder Antipathie. Allgemein hat man überhaupt keine Gefühlsregung beim Lesen. Seiten wischen einfach an einem vorbei und man denkt sich genervt: Wann ist es vorbei?
Die Handlung trägt leider auch nicht zum Spannungsaufbau bei. Wird es mal interessant, ist der Fall gelöst. Ohne größere Höhepunkte, ohne Dramatik, aber auch nicht mit der ruhigen Finesse eines Kriminalromans. Einfach platt abgeschlossen und so vorhersehbar, dass komplette geistige Unterforderung sich einstellt. Und bei den Fällen liegt noch ein viel größeres Problem. Dadurch, dass es genau zwei sind, könnte man meinen, dass sie einen Zusammenhang bilden. Stattdessen ist einer in der Mitte des Romans abgehackt und der zweite Fall, der Bessere, schafft es auch nicht mehr Boden gut zu machen.
Die Thematik, im Krankenhaus seinen Arzt ausgesetzt zu sein, hätte Potenzial gehabt, hätte man sich genau auf diesen Fall konzentriert. Egal ob eher auf Justizebene oder Medizinebene. Eventuell geschickt beides auf einmal. Nur wirkt alles so unausgereift und halbgar, dass jegliches Interesse an diesem Thriller im Keim erstickt wird.
Gegen Ende kommt der Thriller dann aber doch mal in Bewegung, doch dafür ist es zu spät, um das Chaos noch retten zu können. Die Auflösung vom zweiten Fall hatte dann noch den ein oder anderen Kniff, der überzeugen könnte, wäre nicht das grausame Gerüst drumherum. Potenzial, gekonnt aus dem Fenster geschleudert und einen ins Koma legend.
So bleibt eigentlich nur ein Thriller auf Groschenromanniveau, der einen geistig unterfordert.

Fazit

"Die 5. Plage" ist wirklich eine Plage. Platte Charaktere, ein flacher Schreibstil und eine Handlung, bei dem man die Spannungskurve vergeblich sucht. So funktioniert kein Thriller, so funktionieren Groschenromane und selbst die haben mehr zu bieten, als dieser Roman.

★☆☆☆☆

1 Kommentar:

  1. Der Inhalt klang ganz interessant, aber bei der Ausführung muss ich mir das nicht antun...

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