Rezension: Chill mal, Frau Freitag von Frau Freitag

12 August 2014 |

Zum Buch

Verlag: Ullstein 
Format: Taschenbuch
Seiten: 336
ISBN 978-3-548-37399-7
Preis: 9,99 €

Frau Freitag-Reihe

1. Chill mal, Frau Freitag
2. Voll streng, Frau Freitag
3. Echt easy, Frau Freitag

Die Irrungen und Wirrungen einer Lehrkraft

Der Lehrer hat es wahrlich nicht immer leicht. Hat er doch immer so viele Ferien, verdient so viel Geld und das bisschen Unterrichten kann ja jeder. So bekommt man das Bild öfter mal serviert, auch die liebe Frau Freitag und zeigt in ihrem Buch "Chill mal, Frau Freitag" durchaus, dass es eben nicht so einfach ist pädagogisch zu sein.
Als Lehrerin an einer Gesamtschule, auch noch an einer Problemschule, bei der die deutschen Schüler Mangelware sind und als Kartoffel tituliert werden, hat man es echt hart. Die Schüler machen nicht mit, man strampelt sich ab, geht den pädagogischen Anwendungskatalog durch und freut sich, dass man die Früchte des Wissens ernten könnte und bekommt... nichts. Stattdessen hat man Schüler, die an der Realität vorbeileben und bei denen alles viel wichtiger erscheint, als nur die Schule. Arbeiten? Kann ich auch mal bei Papa. Heirate einfach einen reichen Mann.
Ja, das Lehrerleben ist echt nicht einfach, aber Frau Freitag würde es niemals wieder hergeben. Fragt sich nur warum?

Was mal als Blog angefangen hat, gibt es jetzt in Buchform. Eigentlich hatte sie es nur ins Internet gestellt und plötzlich war es ein Erfolg. Kein Wunder bei diesem sehr ironischen, ja manchmal auch sarkastischen und bitterbösen Humor, der die Tragödie zur Komödie macht. Mit leichter Hand berichtet sie über Schüler, die sich als Ausländer bezeichnen, aber eigentlich hier geboren und aufgewachsen sind. Über Schüler, die mit "Keinen Bock" durch den Alltag streifen und wo Pausenaufsichten gerne mal mit Prügeleien enden können. Wo Kollegen sich über die Klasse beschweren, die dir gehört. ("Die waren ja wieder echt schlimm.") Und den ganzen anderen pubertären Problemen.
Und man steht da so als Lehrerin da und denkt sich manchmal, ihr regt mich alle auf. Und trotzdem findet sie noch Spaß an ihren Beruf, gibt sich Mühe oder manchmal vielleicht auch nicht. Sucht Rat bei ihren Lehrerfreunden und analysiert das Schüler-Lehrer-Verhältnis. Irgendjemand wird in diesem Zirkus schon wissen, was man tun muss.
Lehreralltag auf den Punkt gebracht. Und das ohne verklärte Brille. Die Schüler sind wirklich heute anzutreffen. Die Bildungspolitik ist manchmal etwas schwierig handzuhaben und auch Referendare haben es nicht immer leicht in ihrem Leben. Lehrer sein ist eine Hassliebe zum Beruf. Und eine Berufung. Man muss wissen, worauf man sich einlässt. Da gibt es eben Lieblingsschüler, auch wenn man es abstreitet. Da funktioniert der konzipierte Unterricht leider nicht immer so wie im Handbuch. Handlungsorientiertes Unterricht? Lass mal, Frontalunterricht muss reichen. Pädagogische Utopien haben hier keinen Platz.
Kein Wunder, bei Schülern bei denen die Synapsen durchbrennen und sie sich nur noch schminken, in ihrer Teenagerdepression hängen und von einer Jugendkultur zur Nächsten hetzen. Bei einer Sprache, bei der man oftmals denkt, bitte in ganzen Sätzen! Wer braucht da schon Unterricht? Die Zukunft ist doch noch weit weg. Und gesichert. Manchmal herrlich realitätsfern. Natürlich auch immer eine Prise mehr, als es wahrscheinlich wirklich ist. Übertreibung muss sein.
Und was macht man da als Klassenlehrerin? Durchhalten, kämpfen, egal was kommt. Und sich auf das Wochenende freuen, welches man eh hasst, man will zurück an die Schulfront. Dann wieder auch nicht. Es ist aber auch kompliziert
Es ist ein wunderbarer Einblick hinter die Kulissen des Lehrerlebens, das gar nicht so unnormal ist wie man sich es sich als Schüler oft vorstellt. Die hören nicht nur Klassik, die haben auch noch ein Leben neben der Schule. Nunja... manche. Manchmal möchte man aber auch herrlich unpädagogisch sein. Einfach mal menschlich! Kann man aber nicht.
Ganz nebenbei äußert sie sich auch über den Sozialstaat, die Integration und das ganze Leben selbst. Überall schwingt ein bisschen Gesellschaftssatire mit und die Welt wird auf die Schippe genommen. Humor ist wohl das beste Rezept für Burn-Out. Zumindest für Frau Freitag, die immer wieder merkt wie anstrengend es sein kann. Mit schwierigen Kindern, die sie öfter mal für ihre Faulheit mit Humor verurteilt. Mit Eltern, denen manches einfach egal scheint und politischen Maßnahmen, die eher so minderwertig fruchten.
So ist der Buch nicht nur dauerhaft sehr amüsant zu lassen, sondern hat ein paar Hänger zu verzeichnen. Es schleichen sich Wiederholungen ein und manche Seite hätte gespart werden können, weil es das gleiche Drama in anderen Worten ist. Auch, wenn sich der Alltag nun einmal wiederholt, hier hätte gekürzt werden können, damit der frische Wind bleibt.
Trotz allem eine durchaus amüsante Lektüre, die sich durch ein Schuljahr einer Gesamtschulklasse zieht. Mitten in der Pubertät, mitten im Krisen- und Kriegsgebiet, wo Schminke zählt und man eh immer zu spät kommt. Wenn überhaupt das Schulgebäude betreten wird. Für Frau Freitag klingelt die Schulklingel auf jeden Fall. Püntklich!

Fazit

"Chill mal, Frau Freitag" ist ein wunderbarer und lustiger, wenn auch überspitzter, Einblick in das Leben einer Lehrerin. Einer Lehrerin an einer Problemschule, die ihre Verzweiflung mit Humor bekämpft und ihren Beruf liebt wie hasst. Einfach ehrlich und sehr amüsant zu lesen. Nicht nur für angehende Lehrer!
★★★★☆

Kommentare:

  1. xDDDDDDD
    Ich krieg mich vor Lachen nicht mehr ein! Das Cover, der Titel... ZU GEIL. Das Buch kommt definitiv auf meine Wunschliste! Danke fürs rezensieren und drauf aufmerksam machen :)

    Liebe Grüße,
    Tascha

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  2. Hallöchen Sky,
    Ich muss sagen, ich habe das Buch vor einer halben Ewigkeit gelesen, aber ich kann mich noch genau dran erinnern, dass ich den ersten Teil der Reihe wirklich toll fand und teilweise echt lachen musste. Leider wird es meiner Meinung nach mit jedem weiteren Teil schlechter. Vielleicht muss man ja nicht immer aus allem eine Reihe machen ..

    Liebst, Lotta

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    1. Ich weiß auch noch nicht, ob ich die anderen Teile lese. Mal sehen, falls sie mir mal über den Weg laufen und mich anlachen, dann eventuell. Bei solchen Büchern ist ja nicht so schlimm, wenn man nicht alle Teile liest ;)

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  3. Hey
    Dein Blog ist wirklich toll.. Mich würde es riesig freuen wenn du mal bei mir vorbeischauen würdest, vielleicht gewinne ich ja eine neue liebe Leserin dazu. Behalte deinen Blog ab jetzt auf jedenfall im Auge.:)

    Liebe Grüße Sophia von
    www.sophias-fashion.blogspot.com

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    1. Danke für das komplett und wenn, dann gewinnst du höchstens einen Leser und nicht eine Leserin dazu ;)

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