Rezension: We were Liars von E. Lockhart

19 August 2014 |

Zum Buch

Verlag: Hot Key Books
Format: Taschenbuch
Seiten: 228
ISBN 978-1-471-40398-9
Preis: ₤7.99

Was geschah Sommer 15?

Sie kommen jeden Sommer auf die Insel seit sie acht Jahre alt sind. Es ist ihre Insel und sie gehört dem Großvater von Cadence, die älteste der Enkel und Enkelinnen. Es waren wundervolle Sommer voller Sonnenuntergänge, Strandtage. Es waren nur sie vier: Mirren, Johnny, Cady und Gat. Liebe, Freundschaft und geteilte Momente.
Bis im Sommer fünfzehn sich alles änderte. Niemand weiß, was geschehen ist. Sie wissen nur, dass Cadence seitdem an extremen Kopfschmerzen leidet, die ihr Leben beeinträchtigen. Sie hat ihre Erinnerungen an diesen Sommer verloren. Doch was ist geschehen?

Die Frage muss sich der Leser stellen und sie treibt ihn durch die Geschichte. Man begleitet Cady duch die Suche nach ihrer Erinnerung. Wie sie auf die Insel zurückkehrt, zu ihren Freunden, zu ihrer Liebe. Mit ihrer Familie und trotzdem scheint sich etwas geändert zu haben. Nur was?
Dabei ist es nicht nur eine Geschichte über die Suche nach der Wahrheit, sondern auch über die schwierigen Verhältnisse einer reichen Familie. Denn sie gehört zu den Sinclairs, einer alten amerikanischen Familie, die sich immer weiter auseinanderzutreiben scheint. Probleme in einer Welt, bei der Geld keine Rolle spielt.
Das Setting und die Eingrenzung auf die Insel, die nur im Sommer an Bedeutung gewinnt, erzeugt eine Art klaustrophobisches Gefühl. Die Wahl der Verdächtigen, falls sie überhaupt verdächtig werden müssen, grenzt sich ein und die Möglichkeiten sind minimiert. Ein sommerliches Gefühl kommt auf, am Strand und mit Grillen, dem ein großer Schatten beiwohnt.
E. Lockhart gelingt eine Geschichte zum Miträtseln, bei der sie Andeutungen macht, den Leser vorantreibt, immer weiter, immer tiefer in die Erinnerungen Cadys, immer weiter in die familiären Verhältnisse hinein, bei denen keiner mit Cadence über diesen einen Sommer reden will.
In einem poetischen und phantastischen Schreibstil versucht sie die Leser auf die falsche Fährte zu führen. Mit intelligenten Metaphern und Märchensequenzen, in denen man versucht die Wahrheit zu finden, der Autorin auf die Schliche zu kommen.
Leider verrät sie schon zu viel und man kann sich schnell die Tragödie zusammenreimen. Die Überraschung bleibt aus und manche Parallele zu bekannten Filmen lässt sich finden. Diese frühere Erkenntnis raubt ein wenig den Reiß an den Roman, der sich spätestens ab der Hälfte des Buches fast selbst enthüllt und dem Leser seine Geheimnisse preisgibt.
Auch ist die Protagonistin Cadence an mancher Stelle eher nervtötend, als wirklich zugänglich. Man will mit ihr mitfühlen, doch als jemand, der seine Habseligkeiten weggibt und diese als "Charity"sieht, fehlt es dem Leser schwer sich mit ihr zu identifizieren oder ihre Verhältnisse und Verhaltensweisen wirklich kritisch zu hinterfragen. Was den anderen Charakteren und ihrem Umfeld nicht schaden kann. Durchweg unterschiedliche Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten, manchmal so abstrus, dass sie einem wieder sympathisch sind. Das macht sie menschlich, eine Sache, die Cadence manchmal fehlt.
Trotz allem bestimmt oftmals die Oberflächlichkeit das Spiel. Alles ist nur auf dieses eine Ende hinauskonstruiert, was der Gesamtheit an Tiefe nimmt. Viel zu wenig erfährt man über die Familien selbst und nur am Rande. Mehr Hintergrund hätte nicht geschadet.
So ist "We were Liars" nicht der großartige Roman, als der er verkauft wird. Durchaus spannend, auch wenn dem Geheimnis schnell die Luft ausgeht, in einer interessanter Sprache. Ein Roman, bei dem der Sommer die Tragödie schrieb, die der Leser viel zu schnell erkennt.

Fazit

"We were Liars" ist ein interessanter Roman zum Miträtseln. Filmähnlich, spannend und in wundervoller Sprache, der über sein eigenes Konzept stolpert und oftmals nur an der Oberfläche schabt.

★★

Kommentare:

  1. Das Buch hört sich zwar recht interessant an, aber die Leseprobe hat mir gleich gezeigt, dass ich mit dem Stil der Autorin nicht klarkommen werde. Diese Art des Schreibens kann zwar ganz schön sein, aber leider tendiere ich bei solchen Schreibweisen immer zu einem Overkill und bin sehr schnell genervt.
    Ich habe auch befüchtet, dass das ach so große Geheimnis nicht auf lange Sicht die Geschichte tragen kann und somit schnell Längen auftauchen und den Leser nerven.

    Schöne Rezension :)

    Liebe Grüße,
    Carly

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    1. Leider... dabei hätte der Roman durchaus Potenzial gehabt richtig gut zu werden ;)

      Danke dir :)

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    2. Jetzt habe ich mir das Buch doch als eBook geholt … nur weil es günstig war ^^

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  2. Die "Parallelen zu den bekannten Filmen" kann ich nur unterschreiben, das war leider auch der Grund, wieso ich dem Buch einen Minuspunkt geben musste und mich die Tatsache, dass so viele Leser überrascht waren, mehr überraschte als das Ende selbst. Mich hat aber die Sprache so dermaßen gefangen, dass ich nicht weniger als 4 Sterne geben konnte.

    Bin jetzt aber sehr glücklich auch mal wieder einen kritischeren Blog gefunden zu haben. Die les' ich am liebsten.

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  3. Triffst absolut meine Gedanken mit deinen Worten. Ein Buch, welches sicherlich - vor allem durch den Erzählstil - sehr vielversprechend ist, aber auch einige Schwächen hat.

    Liebe Grüße
    Sandy

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