Adieu Sub oder: Wie ich lernte Abschied zu nehmen

26 September 2014 |
Ich bin ein hoffnungsloser Emotionskäufer. Gefällt mir das Cover oder hat mir irgendjemand mal gesagt, es könnte, eventuell in irgendeiner Weise besonders gut sein, wird das Buch gekauft. Um mir ne Freude zu machen, dem ne Freude zu machen, der es mir empfohlen und dann landet es im Regal und da liegt es dann. Staubt ein, wird abgwischt, staubt wieder ein und irgendwann kommt der Punkt, dass man es vergisst.
Da liegt es dann, vereinsamt und ungelesen ohne jegliche Leserille oder vielleicht doch, weil ein Gebrauchtwarenschnäppchen oder ein Mängelexemplar, aber es wird von mir nie angefasst. Ist unbenutzt, vergilbt und dient nur als ein Beiwerk im überquellenden Bücherregal. Die Bretter biegen sich immer mehr und da sind noch mehr Kandidaten, die nie eine Chance bekommen haben, weil sie niemand mehr so wirklich beachtet. Versumpfend auf dem Stapel ungelesener Bücher und schreien: "Lies mich! Gott, bitte, lies mich endlich!" Man tut es trotzdem nicht. Hört kein Flehen.

Als ich mein Bücherregal aufgrund tinewitlerischen Dekorationsumstylingsanfall ausräumen musste, kamen mir plötzlich diese Bücher entgegen. Längst verdrängt, wusste ich auch schon bald warum sie das auch waren. Sie interessierten mich nicht mehr! Da waren Fantasybücher, die ich kaum noch lese, Romane, die vom Klappentext für mich nur noch furchtbar klangen und ich nicht mal mehr wusste, welcher Geisteszustand mich dazu gebracht hat diesen hässlichen Schinken mitzunehmen. Neben ausgeleierten Biblotheksbüchern, die man einfach mal so mitgehen hat lassen, weil hat ja nichts gekostet. Und noch so viel mehr Irrsinn bei dem ich mich regelmäßig an den Kopf langen musste. Wahrscheinlich war ich einfach anders. Nein, nicht anders, man war eben jünger, die Themen waren andere und ich wollte unbedingt alles lesen, was sich um Drachen, mystische Gestalten und anderen Fabelwesen beschäftigte. Und natürlich auch jeden Thriller, möglichst blutig und abartig, dass er für mich zur Mutprobe wird.
Nun, heute mag ich meine Thriller eher spannend und psychologisch, als schmerzlich ekelig. Die Fantasy hat nur noch eine Nebenrolle in meinem Leben und die Gegenwartsliteratur hat sich in mein Herz geschlichen. Irgendwo zwischen Jugendbüchern, die für mich mehr Leben versprühen, als viele gekünstelte Hochliteraten, mit ernsten Themen, melancholisch und schwer, neben einfachen Geschichten, die das Herz zum Schlagen bringen, haben sich die Zeiten geändert und die Literatur mit mir. Wählte andere Begleitert und ließ die alten stehen.
Langsam sichtigte ich die einzelnen Berge an Romane, kreuz und quer verteilt, und steckte Stück für Stück Geschichten in Kisten, machte sie zu und stapelte sie in einer Ecke. Ein kleiner Haufen voller Schätze, die für mich nur noch Staubfänger waren. Irgendwie fühlte es sich gut an, einfach mal das lozulassen, was einem mit verquollenen Augen anstarrte  und endlich Beachtung geschenkt haben möchte.
Mittlerweile habe ich schon einen Teil verteilt. An Freunden, Familie und überall sonst. Was übrig bleibt, bekommt das diakonische Werk für ihren Laden oder ich gebe es woanders hin. Jemand, der es lieb haben kann. Die können damit vielleicht noch etwas Gutes tun. Zum Wegwerfen sind sie zu schade und ich bringe es nicht fertig Bücher ins Papiergrab zu schmeißen.
Plötzlich war wieder ein wenig Platz im Regal und ich merkte erst wie sehr die Bücher, die ich nicht mehr wollte Platz gerfressen hatten. Dass die, die eingezogen sind, warum auch immer, die Werke verdeckt haben, die ich schon länger wieder lesen wollte. Klassiker tauchten auf, die zu mir herwinkten und in altertümlicher Art sich zu mir ziehen wollten. Romane, die wie verschollen schienen und ewig gesucht hatte. Es tat so gut. Es tag gut, Werke, die ich noch lesen wollte, denen ich mein Herz noch geben konnte, sehen zu können und nicht nur die Buchrücken, die mir jegliche Lust raubten überhaupt die Seite umzublättern.
Manchmal ist Abschied vielleicht doch ganz gut. Trennung ein Weg zum Glück. Warum soll man sich immer an seinem Sub klammern und ihn nicht einfach mal aussortieren? Loswerden den Ballast, den man eh nicht mehr will? Andere kann man damit eine Freude machen. Auch mit den Büchern, die man selbst nicht mehr haben will. Es gibt immer jemanden, der sein Herz an sie verloren möchte.
Und damit sind doch alle glücklich.

Kommentare:

  1. Hey,
    das ist bestimmt befreiend und ein schrumpfender SUB hat auch was Gutes. Leider (oder zum Glück?) interessieren mich noch alle meine SUB-Bücher.
    Mängelexemplare haben keine Leserille, weil sie i d R ungelesen sind.
    JETZT bin ich total gespannt, wie dein Bücherregal aussieht. Bilder?? *mit Hundeaugen guck*
    lg. Tine =)

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    1. Das mit den Mängelexemplaren weiß ich ;) War auch eher auf die Gebrauchtbücher bezogen. Und ja, kann ziemlcih gut tun :D

      Bilder gibt es leider keine. Dafür braucht meine Regale ein System, was sie bisher nicht haben und ich ehrlich gesagt auch zu faul bin zu entwickeln. :D Da helfen auch keine Hundeaugen!

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    2. Och, schade ;)
      Naja, ich glaube nicht, dass ein Bücherregal zwingend ein System braucht. Solange es schön aussschaut und man damit zufrieden ist...

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  2. Ich kann das so gut nachempfinden, denn ich habe heuer auch schon ein paar Mal "ausgemistet" und Bücher aussortiert. Früher habe ich das nicht übers Herz gebracht, aber mittlerweile weiß ich bei vielen Büchern, dass ich sie mir heute eh nicht mehr kaufen würde und wenn da nicht mal mehr ansatzweise Interesse besteht, hat es eh keinen Sinn. Und schließlich bekommt man so auch wieder Platz für neue Bücher, die man unbedingt haben möchte ;)

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  3. Bei mir ist das Problem, dass die meisten Bücher von einer Gratisseite im Internet kommen und ich sie noch nicht lange habe - heisst ich will sie immer noch lesen.Den SuB zu verkleinern fällt mir dann dementsprechend schwer. Aber das ist ein Projekt, welches ich in einem Jahr in Angriff nehmen könnte ^^
    xx
    Rin

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  4. Das ist der Grund, warum ich meinen SuB seit ein paar Jahren vorzugsweise im einstelligen Bereich halte. Die Bücher sind dann so schnell weggelesen, dass man nicht genug Zeit hat, das Interesse daran zu verlieren. Außerdem kann man jederzeit ohne schlechtes Gewissen in Buchhandlungen/Bibliotheken/etc. stöbern. :P

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    1. Du schaffst das? Sag mir wie du das geschafft hast!

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    2. Joa, mit ein bisschen Selbstdisziplin klappt das bei mir eigentlich ganz gut. Was aber auch daran liegt, dass ich bei mehr als 15 Büchern auf dem SuB hibbelig werde. Und dass ich für mehr ungelesene Bücher keinen Platz habe. *hust*

      Allgemein kaufe ich in der Buchhandlung immer nur die Bücher, auf die ich spontan gerade Lust habe (die sind dann auch entsprechend schnell gelesen) und vorbestellt wird aus Prinzip nichts – Bücher, die mich interessieren und erst später erscheinen, wandern auf die Wunschliste statt in den Warenkorb. So eine Wunschliste lässt sich einfach leichter aussortieren als ein SuB, den man vielleicht schon liebgewonnen hat. ;)

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  5. Ist das Buch von Joachim Bauer denn noch in deinem Regal? :(

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    1. Das iat natürlich noch bei mir ;) Wo denkst du hin!

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  6. Oh, du sprichst mir aus der Seele!
    Bei mir haben sich auch so viele Bücher angesammelt, schon vor Ewigkeiten, die ich einfach mal gekauft habe, weil ich irgendwo davon gehört habe oder sie gerade so günstig waren, dass ich einfach nicht dran vorbei gehen konnte. Dabei werde ich die Hälfte davon vermutlich niemals lesen... dann mache ich mich auch mal ans Aussortieren! Danke ;)

    Liebe Grüße,
    Celly von I date books

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