Rezension: Krähenmädchen von Erik Axl Sund

17 September 2014 |

Zum Buch

Originaltitel: Kråkflickan
Verlag: Goldmann
Format: Paperback
Seiten: 480
ISBN 978-3-442-48117-0
Preis: 12,99 €

Victoria-Bergmann-Trilogie

1. Krähenmädchen
2. Narbenkind
3. Schattenschrei

Victoria Bergmann, Akt 1

Die Kommissarin Jeanette Kihlberg sieht sich mit einem schwierigen Fall konfrontiert. Ein Junge wird in einem Park gefunden, schwer misshandelt und kastriert, doch die Ermittelungen verlaufen im Sand. Denn der Junge kann nicht identifiziert werden, scheint wie aus dem nichts gekommen und einfach verschwunden zu sein. Niemand hat ihn als vermisst gemeldet. Er soll nicht das einzige Opfer bleiben. Bald tauchen weitere Leichen auf, allen fehlt einen Identität und alle haben grausame Verletzungen an ihren Körper. Sie stehen vor einem Rätsel.
Bei ihren Ermittlungen stoßt sie auf die Psychologin Sofia Zetterlund. Sie gilt als Expertin für multiple Persönlichkeiten und hat Erfahrungen mit Kindersoldaten. Immer wieder mit misshandelten Kindern konfrontiert, kommt sie mit der Kommissarin in Berührung. Eine ihrer Patientinnen ist Victoria Bergmann und ihre Geschichte geht der Psychologin nicht mehr aus dem Kopf. Irgendetwas hat sie nicht beachtet, nur was?
Zusammen steigen sie in sie in die Grausamkeiten der Welt hinab.

Misshandelte Kinder, eine Kommissarin, deren Beziehung und Leben in die Brüche geht und eine Psychologin, der ein Fall keine Ruhe mehr lässt. Spannender Stoff für einen Psychothriller, der sich gewaschen hat, so glaubt bis man "Krähenmädchen" anfängt zu lesen.
Fängt man einmal ist, ist man schon verwirrt und verstört. Eine bedrückende und kalte Stimmung liegt über diesen Roman, Grausamkeiten und Brutalitäten, die man sich nicht vorstellen kann. Und man glaubt, es kann doch gar nicht alles in Zusammenhang gebracht werden. Und doch, es funktioniert, zumindest so wie sich es die das Autorenduo Håkan Axlander Sundquist und Jerker Eriksson denken. Gäbe es da nicht so viele Stolpersteine.
Die Charaktere sind vom Leben gezeichnet, es hat ihnen hart mitgespielt und in ihnen steckt viel verarbeitetes Leid. Mit jeder Seite erfährt man mehr von ihnen, wühlt in ihrer Seele herum und schreckt dann plötzlich zurück. Ihre Lebensgeschichten gehen an die Nieren. Zumindest sollten sie das, so scheint es der Plan der Autoren. Dementsprechend handeln sie, haben sich in ihrem Leben entwickelt und sind zu dem geworden, was sie heute sind. Selten gelingt das Autoren, leider macht es aber die Charaktere damit fast schon unrealistisch. Sie sind fast nur noch Konzepte und Schemata, die in Form gepresst worden sind nach den Formeln. Der Leser hat irgendwann nur noch wenig Lust darauf, überhaupt etwas zu fühlen und fühlt sich fast genötigt Mitleid zu zeigen.
Und genau dieses Problem macht es der Handlung schwer. Auch wenn man als Leser sehr verwirrt ist, ist man sich sehr schnell sicher, was hinter einzelnen Sachen steckt. Enttäuschung setzt ein und der Roman schleppt sich dann nur noch vor sich hin. Mit jeder schleierhaften Beschreibung setzt noch mehr Frustration ein und man hat manchmal das Gefühl, an der ein oder anderen Stelle wurde sich aus bekannten Thrillern bedient.
Mögen auch die Themen noch so aktuell sein, die Moral bleibt aus. Dreht es sich doch um Kinderhandel, Kindermissbrauch und Kindersoldaten. Um Kinder, die es am meisten zu schützen gilt und dadurch fällt es natürlich schwer diese Lektüre zu lesen. Trotz allem fehlt es immer wieder an Spannung zwischen all der Dunkelheit er menschlichen Seele. Brutalitäten ohne richtigen Sinn und die Moral wird nicht einmal berührt. Misshandlung nur der Misshandlugn wegen, als reiner Showeffekt.
Die Ermittlungsarbeiten plätschern vor sich hin, auch wenn man überrascht ist wie ökonomisch fast gearbeitet wird. Trotzdem bleibt die Problematik, dass sie kaum vorankommen, sich immer im Kreis bewegen und das nicht, weil die Mörder so gut sind, sondern weil sich die Ermittler oftmals selbst im Weg stehen. Entweder zeigen sie zu wenig Mut oder lassen sich zu schnell reinreden. So kann as nicht funktionieren.
Der Schreibstil tut sein Übriges. Hat er manchmal starke Momente, ist er doch oftmals einfach nur hölzern und austauschbar. Er wirkt oft unterkühlt und wo er Emotionen versprühen wollte, schafft er es nicht. Und wo er uns zu Gefühlen bringt, übertreibt er es gewaltig.
Hat man sich bis zum Ende durchgekämpft, hat man im ersten Teil der Thriller-Trilogie nicht wirklich ein spannendes Werk bekommen. Eher eines, was an seinem Konzept erstickt und die Spannung weg bleibt. Weder eine ruhige kriminalitische Spannung, noch eine waschechter Thrill will aufkommen. Eher werden die Gefühle ersetzt durch Ekel. Der Fokus liegt zu sehr auf dem Leid der einzelnen Charaktere und selbst das wirkt zu stark durchkonstruiert, um wirklich überzeugen können. Da kann auch der Cliffhanger, als Aufakt für den zweiten Teil, kaum noch Boden gut machen. Außer dass man in Versuchung gerät, sich weiter zu quälen.

Fazit

"Krähenmädchen" ist weit weg davon ein guter Auftakt für eine Thriller-Trilogie zu sein. Durchaus interessante Charaktere ersticken an ihrer eigenen Konzeption und rauben dem Thriller jegliche Spannung. Auch wenn der Themenkomplex einen ernsten Thriller verdient hat, ist es gerade bei "Krähenmädchen" dieses Ausschlachtes des Leides, was es dem Psychothriller schwer macht. Ohne Moral und mitleiderregend auf eine unangenehme Weise. Man kann nur hoffen, dass die Folgebände es besser machen.

★★

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