Rezension: Rette mich vor dir von Tahereh Mafi

16 September 2014 |

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Originaltitel: Unravel Me
Verlag: Goldmann
Format: Gebunden
Seiten: 416
ISBN 978-3-442-31304-4
Preis: 16,99 €

Shatter Me-Trilogie

1. Ich fürchte mich nicht
1,5. Zestöre mich
2. Rette mich vor dir
2,5. Vernichte mich
3. Ich brenne für dich

Zwischen den Stühlen

Juliette konnte vor dem Regime fliehen und ist im Omega Point gelandet. Einen Ort für Menschen wie sie. Menschen mit Mutationen, die spezielle Begabungen besitzen. Unter ihnen scheint sie kein Monster zu sein, doch trotzdem kann sie nur schwer ihr Vertrauen gewinnen.
Gemeinsam mit Adam und den anderen Rebellen im Omega Point sehen sie sich bald einen Krieg entgegen, der unaufhaltbar scheint. Sie wollen das Reestablishment stürzen. Und Juliette soll durch ihre Fähigkeiten eine besondere Rolle zu teil werden. Doch als wäre dieser Druck nicht genug ist ihre Beziehung zu Adam gefährdet. Nicht nur durch sich selbst, sondern auch durch Warner, dessen Erscheinung immer weiter ein Trugbild zu seien scheint.

Tahereh Mafi hat aus ihrer anfangs noch dystopischen Trilogie eine Geschichte geschaffen, bei dem es um viel mehr geht, als nur um das Regime. Es dreht sich um genetische Mutationen, die die Welt hervorgebracht hat und Menschen mit speziellen Fähigkeiten. Ein wenig erinnert es an X-Men und trotzdem hat man ein ganz anderes Gefühl beim Lesen.
Allen voran ist es wieder Mafis Schreibstil, der einen sofort in den Bann zieht. Der unglaublich poetische Stil, gepaart mit ausgeklügelten Metaphern und wundervollen Bildern, erzeugt einen Sog, der nur wenigen Autoren geliegt. Die Dynamik, die durch die durchgestrichenen Textpassagen entsteht, die  Juliettes Zwiespalt wiederspiegeln, bleibt die große Stärke der Reihe. Man verliert sich in der wunderschönen Sprache und dieses ungewöhnlichen Bildern, die einzigartig sind. Dadurch entwickelt sich eine Protagonistin, die gar nicht sein will, was andere von ihr verlangen und trotzdem sich ihrer Position bewusst ist.
Im Zentrum des zweiten Teils steht der bevorstehende Krieg und die Suche des Reestablishments nach Juliette. Warners Vater übernimmt das Kommando und dadurch entstehen für Warner selbst und auch Juliette große Gefahren, die sie überwinden müssen.
Juliettes Aufgaben übersteigt immer wieder ihre Belastbarkeit und sie muss lernen mit ihren Kräften umzugehen, wobei sie mehr mit sich selbst ringt, sich als Monster betrachtet und blockiert. Dabei ist es umso wichtiger, dass sie lernt sich selbst als das zu akzeptieren, was sie ist. Ihre Zerrissenheit, ihre eigene Akzeptanz und das schwierige Verhältnis zu Adam dominieren den Roman, sodass die eigentliche Haupthandlung ein wenig in den Hintergrund tritt. So haben wir emotionale Szenen von einer Liebe, die für sich kämpfen muss, dramatische Augenblicke und sehr viele Gefühle. Ein ganzes Fass voll, was immer wieder droht überzulaufen und haarscharf an der Kitschgrenze schabt. Wenn es sie nicht sogar durchbricht.
Und dadurch fangen die Probleme an. "Rette mich vor dir" schiebt die Haupthandlung viel zu oft in die Ferne und gibt den Liebeschaos eine zu große Bühne. Oftmals wird man von diesen Gefühlswelten geradezu erschlagen, auch wenn sie noch so schön ausformuliert sind. Speziell wird es umso komplizierter, da sich die Charaktere gegenüber dem ersten Teil vollkommen verändert haben.
Juliette, als Heldin, bleibt eine interessante Protagonistin, die eben nicht immer tough ist, sich immer die Schuld gibt und deren Erfahrungen sie immer in sich selbst einsperrt. Fast schon depressiv, kämpft sie gegen ihren eigenen Wille an. Zerbrechlich und ängstlich läuft sie durch die Welt mit einem Selbsthass, der in der Seele schmerzt. Eine unglaublich starke Person, die der Trilogie einfach die Einzigartigkeit, die sie braucht.
Adam und Warner hingegen entwickeln sich vollkommen unterschiedlich und nicht immer sehr stringent. An mancher Stelle wirken sie fast schon unglaubwürdig und in Rollen gepresst, in die sie anfangs gar nicht so richig passen. Adam verschließt sich und hält Juliette auf Abstand, während Warner eine 180-Grad-Wendung nimmt und sich dem Leser von einer ganz anderen Seite präsentiert. Eine Seite, die zwar überraschend kommt und Warner in einem neuem Licht erscheinen lässt, es aber auch schwer macht Warner noch ernst zu nehmen. Speziell was die Beziehung zwischen Warner und Juliette betrifft, muss man doch öfters den Kopf schütteln. Das Problem kann ich auch nicht der Zwischenband "Zerstöre mich" (Rezension) abschütteln, auch wenn damit Warners Beweggründe für sein Verhalten etwas nachvollziehbarer sind, als man in "Rette mich vor dir" glauben kann.
Neben diesen wichtigen Hauptpersonen gibt es noch allerhand Nebencharaktere, die wiederum mit so viel Detailfreude gezeichnet sind. Sie sind voller unterschiedlicher Facetten und schaffen es fast schon, den etwas diffusen Personenkomplex um Adam, Warner und Juliette in den Schatten zu stellen.
Alles zusammen mündet schlussendlich doch in ein actiongeladenes Ende, das der Haupthandlung endlich Raum gibt. Und das mit so viel Feuerwerk und Zunder, dass man oftmals schlucken muss. Rasant, geschickt und eindrucksvoll und voller Überraschungen. Man ist nicht nur einmal verblüfft, sondern mehrmals.

Fazit

Der zweite Teil der "Shatter Me"-Trilogie hat mit seinen Charakteren zu kämpfen. Sie sind nicht mehr die, die sie im ersten Teil waren und trotzdem fügen sie sich zu einem konsequenten Bild, wenn auch nicht immer perfekt. Dafür entlohnt es mit einem fulminanten Ende, das einen Vorgeschmack auf den letzten Teil gibt. Spannend, gefühlvoll, wenn auch mit Schwachpunkten.

★★★★☆

1 Kommentar:

  1. Ach, ich habe diese Reihe geliebt, mittlerweile habe ich sie (auf Englisch) fertig gelesen und trauere ihr irgendwie nach xD
    Ich fand es damals richtig toll, dass sich Warner so verändert hat...

    Liebe Grüße
    Maura
    The emotional life fo books (emotional-books.blogspot.de)

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