Rezension: Erbarmen von Jussi Adler-Olsen

15 November 2014 |

Zum Buch

Verlag: dtv premium
Format: Klappenbroschur
Seiten: 420
ISBN 978-3-423-24751-1
Preis: 14,99 €

Fälle des Sonderdezernats Q

1. Erbarmen
2. Schändung
3. Erlösung
4. Verachtung
5. Erwartung

Die verschwundene Abgeordnete

Die junge Parlmentsabgeordnete Merete Lynggaard ist spurlos verschwunden. Sie war auf einer Fähre mit ihrem Bruder Uffe, der seit dem Autounfall der Familie nicht mehr spricht und in seiner eigenen Welt zu leben scheint. Doch sie erreicht nie ihr Ziel, landet Merete in einem Verlies und wird gefangen gehalten. Ihre Entführer sagen ihr nicht wieso, sie müsse selbst darauf kommen. Aber was hat sie den Menschen getan? Sie leidet Qualen, wird ein Jahr lang vierundzwanzig Stunden am Tag dem Licht ausgesetzt und befindet sich in einer Kammer, in der sich der Luftdruck erhöht.
Der Fall war schon längst eingestellt und ad acta gelegt, als er Carl Mørck vorgelegt wird. Er ist berufen worden für das neue Sonderdezernat Q, welches alte Fälle neu aufrollen soll. Für ihn scheint Merete anfangs auch nur ein Fall, der schon längst tot ermittelt ist, doch bald muss er feststellen, es wurden viele Fehler begangen. Zusammen mit seinem Assistenten Assad macht er sich auf die Suche nach Merete und findet neue Hinweise auf Meretes Verschwinden. Weiß ihr Bruder Uffe vielleicht mehr, als man erwartet? Aber wie kann man Uffe aus seiner Welt holen? Wo ist Merete abgeblieben?

Der skandinavische Kriminalroman hat viele Facetten, doch was der Däne Jussi Adler-Olsen einen bietet ist eine ruhiger Roman mit Humor und gleichzeitig fesselnder Spannung. Sein Ermittlerduo rund um das Sonderdezernat Q ist so skurril, dass man nur lachen muss. Da wäre einmal Carl Mørck, gebeutelt und tramatisiert von einem Fall, der das Leben seines Kollegen vollkommen verändert hat, der mit seiner bissigen Art einen kauzigen Ermittler ist. Nicht ganz beliebt bei Kollegen und ziemlich eigensinnig. Ein harter Kerl, der eigentlich gar keine Lust mehr auf seinen Job hat und am Liebsten nur noch vor sich hinstarren würde. Und sein Assistent, der von Kriminologie eigentlich gar keine Ahnung hat, ihn nur ein wenig unter die Arme greifen sollte und bares Gold wert ist. Obwohl er ja eigentlich gar nicht als Aushilfkraft für den Bürokram und zum Putzen eingestellt wurde. Was an dem Assistenten so interssant ist? Hafez el-Assad ist Syrier und so einiges auf dem Kerbholz. Mit seiner charmanten Art und manchmal auch durch die Sprachbarrieren, die er überwinden muss, schließt man ihn sofort ins Herz. Eine gute Seele, die öfter mal für Überraschung sorgt, im Kontrast zum teilweise depressiv und misslaunig wirkenden Kommissar.
Diese beiden besonderen Persönlichkeiten macht das Sonderdezernat Q. Eine wahrlich große Abteilung, die nur aus diesen zwei Menschen besteht und alte Fälle neu aufrollt. Ihr erster Fall um Merete hat es dabei in sich. Wer könnte die Politikerin gehasst haben? Von wem stammt das Telegramm, was sie erhalten hat? Hatte sie einen Liebhaber, der sie schlussendlich über die Klinge springen ließ? Und was ist mit Uffe, der unter seinen Einschränkungen leidet und kein Wort spricht? Was weiß er, wo er doch mit an Bord war, als seine Schwester verschwunden ist.
All diesen Fragen müssen sich die beiden Stellen und finden sich in Fehlern der damaligen Ermittler wieder, bringen neue Beweise ans Licht, während die Uhr tickt. Denn es bleibt nicht mehr viel Zeit, denn Merete läuft sie davon.
Der Roman ist in zwei Perspektiven und Zeitebenen erzählt. Einerseits die Ermittlerseite und auf der anderen steht Meretes Kampf in ihrem Verlies im Laufe der Jahre. Während Assad und Carl noch im Dunkeln tappen und noch nicht wissen, wohin der Fall gehen wird, wird es für Merete selbst immer dramatischer. Die eindringlichen Szenen lassen einen schlucken und rauben einen den Atmen, während man dem Ermittlerduo nur wünscht, dass sie möglichst schnell vorankommen, damit alles gut läuft.
Denn wer einen hochrsantenen Thriller erwartet, ist bei Jussi Adler-Olsen falsch. Vielmehr steht nicht die Spannung alleine im Zentrum, sondern auch die ermittlerische Komponente, die durch viel Authenzität überzeugt. Seien es die internen Schlagabtäusche innerhalb der Kopenhagener Polizei oder der ständige Personalmangel. Stattdessen ist es diese Stimmung, die einen weiterlesen lässt. Diese düstere, kalte Stimmung und die Zwischensequenzen von Meretes Leben im Verlies, die einen einen weitertreiben lässt.
Durch die beiden Ermittler entsteht gleichzeitig auch noch Komik. Das ungleiche Paar bringt die ein oder andere lustige Stelle hevor, die man in dem ansonsten spannenden Thriller gar nicht erwartet. Unabhängig davon, ob es sich um kulturelle Unterschiede dreht oder einfach Carls schroffe Art, gegenüber den oft so gut gelaunten Assad, der den Ermittler auf Trab hält und dessen Begeisterung zu seiner Arbeit geradezu ansteckt.
Dieser Schreibstil, gepaart mit dunklen Bildern, macht "Erbarmen" zu einem interessanten Thrillerdebüt, das es in sich hat. Einziger Wermutstropfen ist die frühe Auflösung, wer hinter Meretes Entführung steckt. Ab der Hälfte des Romans steht dies längst schon fest und nimmt Spannung aus dem Thriller, der aber gerade gegen Ende einen durch die Seiten rasen lässt und in einem Showdown aufwartet, der einen den Schweiß aus den Poren zieht.

Fazit

"Erbarmen" von Jussi Adler-Olsen ist ein spannender Reihenauftakt rund um Carl Mørck und dem Sonderdezernat Q. Unterkühlter Humor trifft auf Spannung und authentische Ermittlungen. Eine gelungene Mischung, die vor allem durch seine besondere Stimmung und das ungleiche Ermittlerduo fasziniert.

★★★★☆

Kommentare:

  1. Hey :)

    Tolle Rezi! Das Buch fand ich auch richtig gut und Band 2 habe ich auch schon gelesen.
    Ich habe nun auch endlich ein Wort gefunden dass den Humor in diesem Buch beschreibt *yaaay* Danke :) 'Unterkühlt' ist perfekt! Wird sofort in meinen Wortschatz aufgenommen ^-^

    Alles Liebe,
    Jasi ♥

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    1. Danke dir!

      Den zweiten Band will ich ich mir auch noch unbedingt holen und schön, wenn du ein Wort gefunden hast, was du für deine Rezensionen brauchen kannst :D Hatte ich bisher nocht nicht :D

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  2. Huhu,

    WOW, was für ein schön aufgemachter Blog! Hier habe ich mich sofort wohlgefühlt, ich bleibe gleich mal Leserin :)

    Zu deiner Rezension: Mir hat das Buch damals richtig gut gefallen, ich habe zwar keine Rezension geschrieben, würde dem Buch aber 5 Sterne vergeben! Ich freue mich schon auf weitere Rezensionen von Dir :)

    Liebe Grüße
    Sandra

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