Rezension: Ich brenne für dich von Tahereh Mafi

29 Dezember 2014 |

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OT: Ignite Me
Goldmann Verlag
ISBN: 978-3-442-31305-1
Seiten: 384
Preis: 16,99 €

Shatter Me-Trilogie

1. Ich fürchte mich nicht
1,5. Zestöre mich
2. Rette mich vor dir
2,5. Vernichte mich
3. Ich brenne für dich


Neue Hoffnung?

Mit "Ich brenne für dich" legt Tahereh Mafi den Abschlussband ihrer "Shatter Me"-Trilogie vor, eine Mischung aus X-Men und Dystopie. Und beweist wie man glorreich einen guten Anfang in den Sand setzt.
Sie schlugen eine Schlacht und scheiterten. Omega Point ist zerstört. Viele ihrer Freunde sind umgekommen und sie verzweifelt immer mehr. Und was ist mit Adam? Hat er überlebt?
Warner erklärt ihr, dass alles zerstört ist und sein Vater dafür gesorgt hat, dass Omega Point nie wieder auferstehen kann. Juliette pocht darauf selbst zur Stelle zu fahren und findet doch eine Spur, die sie alle retten kann
Neue Hoffnung macht sich in ihr breit und sie beschließt eins: Das Reestablishment wird gestürzt, egal wie.

Es war einmal eine Dystopie...

Abschlussband der "Shatter Me"-Trilogie und endlich bereit für den Showdown? Nicht so bei "Ich brenne für dich". Wer jetzt hofft, es knallt so richtig, wird bitterlich enttäuscht, denn in Vordergrund ist schon lange nicht mehr die Dystopie und die Welt drumherum. Ist sie schon voher nicht wirklich beschrieben worden, bekommt man von Reestablishment und der Welt in der Juliette lebt noch weniger mit. Falsch ausgedrückt, wir bekommen vor allem Juliettes Seelenleben zu spüren und dabei muss man auf viele Dinge gefasst machen. Und es hat ganz sicher nichts mit dem Sturz des Reestablishments zu tun.

Wer war das nochmal?

Was die Charaktere einmal waren, kann man im letzten Band nur noch erahnen. Ist Warners Entwicklung bis zu einem gewissen Grad auf Verständnis gestoßen, geht sie in eine Richtung, die den Leser vor allem eins kostet: Nerven und starke Vorstellungskraft. Der absolut hasserfüllte Warner wird nämlich ganz zahm, was eine willkommene Abwechselung in der Literatur ist, aber bei Warner einfach sehr unausgereift wirkt. Seinem Auftreten fehlt es definitiv an Tiefe, die man während der Entwicklung vergessen hat auszubauen und ihn nur noch zum Pappaufsteller seiner selbst macht.
Ebenso ist Juliette mit ihrem neu gefunden Mut manchmal mehr als anstrengend und von der komplexen Persönlichkeit, die man aufgrund ihrer Sorgen und Emtionen ins Herz geschlossen hat, wunderfall gezeichnet war, zu einer 0815-Heldenrolle degradiert, in die sie einfach nicht richtig passen will. Juliette darf eine Heldin sein, aber bitte ihrer Persönlichkeit entsprechend.
Und Adam ist eh nicht mehr, was er mal war und verkommt zu einer ziemlich unausstehlichen Sorte Mensch. Was ist nur mit den ganzen Charakteren passiert, die man im ersten Teil so schätzen gelernt hat? Durch ihr ganzes Beziehungsdrama verschroben geworden?
Wenigstens gibt es einen Charakter, der von vorne bis hinten stimmig ist und der eigentlich der Star der Trilogie geworden ist. Kenji hat einen Oscar verdient!

Liebesdrama statt Action

Und da wären wir wieder: Im beliebten Liebesdreieck der Literatur. Juliette-Warner-Adam und der dezente Hinweis darauf, dass hier psychologisch gesehen sehr starke Schwierigkeiten herrschen. Die ein oder andere Störung ist hier nicht von der Hand zu weisen und alle zusammen brauchen mal dringend eine Therapie. Das ganze Gefühlschaos entwickelt sich in so kurzer Zeit zu einer absoluten Last, dass wahrscheinlich mehr als zwei Drittel des kompletten Romans sich nur um die Frage steht, was Juliettes Herz denn will. Nicht ihre Emotionen, ob sie den Druck aushält das Reestablishment zu stürzen, nicht ihre Ängste, die sie besiegt. Nein, ihr Liebesleben! Dass da draußen regelrecht Krieg herrscht, hat irgendjemand wohl verpasst, aber schauen wir doch eher mal, dass möglichst viele Schmachtmomente für die Leser dabei sind.
Reestablishment stürzen? War da was? Ja, die Action kommt noch, ganz hinten und leider auch so kurz und knapp, dass man erstmal zurückblättern muss, ob man ja alles mitbekommen hat. Der ganze Showdown ist so simpel gehalten, dass man sich nur noch verwirrt an den Kopf schlagen kann. So einfach war das? Potenzial komplett verloren und lieber das Liebesdrama das Krönchen aufgesetzt, als der wirklich wichtigen Sache des Romans. Den dystopischen Teil, der der Geschichte Leben einhaucht!

Abbauender Schreibstil

Tahereh Mafi kann schreiben. Sie hat einen  einzigartigen und besonderen Schreibstil, den wohl nur wenige Autoren so hinbekommen würden. Metaphorisch wundervoll, voller schöner Bilder und Emotionen beschrieben wie in Gemälden. Leider schaut es da auch im dritten Band schlechter aus. An vielen Stellen kommt es einen so vor, als hätte die Autorin verzweifelt eine Lösung gesucht und sie dann hingeklatscht und gehofft, es wird schon irgendwie gehen. Allgemein wird man das Gefühl nicht los, Tahereh Mafi hat sich in ihrer Geschichte selbst verloren, was Schade ist um den guten Anfang und vor allem beim Talent dieser Autorin! Sie hat Gespür für Charaktere und einen bombastisichen Schreibstil, aber in "Ich brenne für dich" zeigt sie davon leider nichts mehr.

Fazit

Der Abschlussband "Ich brenne für dich" der "Shatter Me"-Trilogie enttäuscht auf ganzer Linie. Überstrapaziertes Liebesdrama trifft auf Pappcharaktere, die sich in ihrer Entwicklung selbst verloren. Schade um den wundervollen Schreibstil von Tahereh Mafi und den guten Start, den diese Trilogie genommen hat.

★★

Kommentare:

  1. Ich kann deinen Eindruck komplett nachvollziehen und teilen. Mir ging es mit dem letzten Band der Reihe ganz genauso.
    Fand ich den Schreibstil wirklich außergewöhnlich gut und auch die Ideen in den ersten beiden Bänden überzeugend, verknotet sich das im letzten Band zu einem schlechten Teenager-Drama, das überhaupt nichts mehr mit dem zu tun hat, worum es eigentlich zu Beginn ging. Juliette hat mich mehrmals in den Wahnsinn getrieben mit ihrer Art und das fand ich unglaublich schade, weil die Reihe wirklich Potenzial hatte :(

    Liebe Grüße,
    Lyrica

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  2. Für mich war der Abschlussband eines meiner Highlights 2014! Das zeigt mal wieder, wie unterschiedlich Lesermeinungen sein können! Ich war aber auch vor allem an der emotionalen Ebene interessiert und an Warner! :-)
    LG
    Verena
    books-and-cats

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  3. Schön, dass wir ungefähr einer Meinung sind. :D

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