Rezension: Horrorstör von Grady Hendrix

17 Februar 2015 |

Das Möbelhaus des Grauens

Das Grauen kommt im Gewand eines IKEA... pardon, eines ORSK-Katalogs. Denn in dem Möbelhaus läuft bei weitem nicht alles so wie es sein wollte.
In der ORSK-Filale geschen seltsame Dinge. Sofas sind verschmutzt, Bücherregale beschädigt und Gläser zerbrochen und mit jeder weiteren Nacht wird es immer schlimmer. Die Überwachungskameras konnten nichts Ungewöhnliches aufzeichnen und so beschließt der Filalleiter eine Nachtwache zu organisieren, die den ungeklärten Ereignissen auf den Grund gehen soll. Und das bevor die Inspektoren kommen und Probleme bereiten. Gemeinsam mit Amy und einer weiteren Mitarbeiterin, versucht die Filalleitung das Debakel zu lösen und trifft auf das Grauen, das in Schränken kauert.

Corporate Identity in Perfektion gelebt

Eins vorab: "Horrorstör" ist eine wunderschöne Satire auf die Möbelkette IKEA und aller Ketten dieser Art. Nicht nur vom Buchdesign her, das sich sehr stark an den tatsächlichen Katalog des Möbelgiganten orientiert, sondern auch durch die Ironisierung von Corporate Identity und gelebter Motivationslehre lassen einen oftmals grinsen. Denn der Filalleitung hat sie aufgezogen wie einen Schwamm und gibt sie an seine Mitarbeiter weiter, die Floskeln inhaliert, als würde er fast nichts mehr anderes kennen. Und das hat nicht etwas mit dem Showroom zu tun, der wirtschaftspsychologisch zum ökonomischen Erfolg führen soll, sondern fängt schon damit an wie viel Verantwortung doch der einzelne Mitarbeiter hat oder besser gesagt, ihm suggeriert wird zu besitzen. Sie sind schließlich ein Teil des großen Ganzen! Wie aus dem Lehrbuch gegriffen, schmeißt Grady Hendrix geradezu mit den Tricks und Tipps der Motivationstheorien und Wirtschaftspsychologie um sich, während man einfach nur grinsend durch die Seiten blättert. Wirtschaftskonzepte werden hier mehr als nur einmal durch den Kakao gezogen und Marketing gleichzeitig geehrt und parodiert. Seien es die optischen Highlights im Katalog oder der vorgegebene Weg durch die Filale, alles folgt seinen Plan, so wie man es vorgesehen hat. Von den ganzen Anspielungen auf IKEAs Marktstrategie mal abgesehen.

Mehr Parodie als waschechter Horror

Doch da hört auch die gelungene Satire schon auf. Aus der Roman wird schnell eine billige Parodie mit Horror aus der Konserve, die einen nicht wirklich mitreißen will. Seien es die okkulten Anleihen, die zu einen gewissen Grad für Erheiterung sorgen, aber immer weiter ins Lächerliche abdriften oder die Schauermomente, die eher an Trashfilm erinnern, als wirklich an innovativen Horror. Leider einen Trashfilm der schlechten Sorte. Das Setting Möbelhaus bei Nacht hätte weitaus mehr geboten, um nicht nur eine einfache Kopie von einem typischen 0815-Horrorfilm zu sein, bei denen die Horroreffekte so routiniert durchgespielt werden, dass man nur noch gelangweilt vor dem Fernseher sitzt. Der sonst so heimisch eindekorierte Ort hätte bestimmt mehr Schattenseiten, als hier oberflächlich dargestellt werden.

Flach und spannungsarm

Und leider wirkt nicht nur der Horror an vielen Stellen blutleer, trotz manch ekelerregender Stelle, sondern auch die Charaktere und die Protagonistin Amy sind oftmals Pappaufsteller ihrer selbst, als wirkliche Persönlichkeiten mit denen man mitfiebern kann. So gerne man Amys Entwicklung in diesem Roman verfolgt, genauso unstetig und unpersönlich kommt sie leider daher. Die anderen Charaktere machen es auch nicht besser. Sie versuchen mit üblichen Horrorfilmensemble und deren Klischees über Wasser zu bleiben, was nur wenig gelingt.
Mit dem Schreibstil verhält es sich leider ähnlich. Selten sticht er wirklich heraus, kommt aber mit akkuranter und temporeicher Erzählung daher. Die amüsanten Stellen gelingen Grady Hendrix einwandfrei, bei den laufenden Geschichte stolpert er leider viel zu oft über seine eigenen Worte.
Wer hier auf einen Plottwist wartet, der darf lange warten, denn dieser bleibt aus und so bleibt die Spannungskurve irgendwo im Mittelfeld stecken. Die Handlung plätschert dann nur noch vor sich hin und versucht den Schluss zu finden. Hat man es zum Ende geschafft, wird zwar eine interessante Wendung ins Spiel gebracht, aber die macht nicht mehr genug Boden gut, dass schlussendlich nur ein Horrorbuch nach Schema F bleibt. Unterhaltsam, aber auch nicht mehr und weniger.

Fazit

"Horrostör" ist optisch eine perfekt inszenierte Satire auf das schwedische Möbelhaus und alle anderen Ketten, die nach gleichen Mustern und Arbeitsphilosophien arbeiten. Der Inhalt wiederum hält da kaum mit: 0815-Horror, dem es an Einzigartigkeit fehlt, auch wenn er unterhalten kann. Da wäre mehr möglich gewesen.

★★★☆

Quirk Books - Paperback - Deutscher Titel: -
ISBN: 978-1594745263 - Seiten: 240 - Preis: ca. 11,95 €

1 Kommentar:

  1. Jo, kann ich nur zustimmen ich fand es auch relativ lame. Ich hatte erwartet dass es deutlich mehr wie ein richtiger Katalog aufgezogen ist.
    Na ja, eine ulkige Idee ist es auf jeden Fall :)

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