Rezension: Ugly Love von Colleen Hoover

17 Mai 2015 |

Der Pilot und die Krankenschwester

Tate zieht wegen ihrer Ausbildung als Krankenschwester zu ihrem Bruder Corbin. Der Pilot lebt in einem Hochhaus, in dem auch seine Kollegen leben und genau vor der Tür ihres Bruders, findet sie Miles vor. Sie ist gerade beim Einzug mit ihren Koffern, als er hochbesoffen dort herumlag und sie versucht ihn von der Tür wegzubekommen. Schlussendlich bleibt ihr aber keine andere Wahl als den fremden Kerl die Wohnung zu schleifen und auf das Sofa zu manövrieren.
Nach diesem Vorfall beginnen sich Tate und Miles immer näher zu kommen, doch es gibt ein Problem. Miles hat schon lange nicht mehr geliebt und die letzte Liebe seines Lebens scheint ihm zu einem kalten Menschen gemacht zu haben. Doch das hält Tate nicht auf ihm näher zu kommen, so nah, dass sie Regeln brauchen. Sie dürfen niemals etwas füreinander empfinden.

Handlung ist Mangelware

Die ganze Geschichte fängt eigentlich noch ganz amüsant an. Er besoffen und sie neu angekommen, lernen sie sich erstmal auf einen etwas ungewöhnlichen Weg kennen. Mit dieser Anfangssituation, in der nicht gerade Liebe aufkommt, starten sie ihr Kennenlernen und müssen feststellen, dass da vielleicht mehr ist, als sie anfangs erwarten. Die Motive sind zwar unterschiedlicher Natur, aber sie verrennen sich mitten in einer Beziehung, die auf Sex gründet und genau da aufhören soll. Nur leider geht das eben nicht so einfach.
Bis dahin scheint alles noch okay, da wäre eine gute Geschichte drinnen gewesen, auch mit einer dunklen Vergangenheit, vom verletzt sein und darüber hinwegkommen und auch dem Wachsen. Ein wenig romantisch, realistisch, vielleicht schmerzhaft, Emotionen pur. Denkste!

Heiß wie ein Vulkan

Stattdessen bekommt man die Tropfsteinhöhle der Tate serviert. Sie kann sich kaum noch halten, wenn sie ihn sieht und bekommt schon das große Stöhnen, wenn sie ihn sieht. Er ist ein Arschloch, aber er macht mich an. Mag ja sein, dass er so heiß ist und es nur um Sex geht, aber selbst da sind Tates Gedankengänge mehr als fragwürdig und wirken wie eine läufige Hündin, die dringend einen heißen Hot Dog braucht.
Nicht zu vergessen, ist der Gefühlsklotz Miles so heiß, dass sie gar nicht anders kann. Ganz nach der Devise "Oh Baby, deine Ignoranz macht mich so an." Ja... neeee. Das hätte die Autorin schöner und eleganter lösen können ohne, dass sie wirkt wie der Pawlowsche Hund, der schon beim Glöckchen bimmeln das Sabbern anfängt. Und Glöckchen werfen hier öfter gebimmelt.

Mit Ausflügen in die Vergangenheit

Miles hat natürlich eine dunkle Vergangenheit und schweigt dazu wie ein Grab. Weil jeder Mann mit schlechter Vergangenheit hart dazu schweigt und dadurch so mysteriös und scharf wirkt, dass jede Dame im Dreieck springen muss. Er ist ja auch noch Pilot, also bitte! 10000 Punkte in der Attraktivitätsskala! Mehr geht nicht mehr!
Zumindest beschreibt das Tate geradezu im Sekundentakt. Das halbe Buch besteht nur daraus wie gut er aussieht und seinem V und ganz vielen anderen tollen Attributen (der obligatorische Satz über die große Penislänge wurde ausgelassen... glaub ich. Gibt nen Pluspunkt! Korrigiert mich, wenn ich lüge!), die es heftig in sich haben. Seine unterkühlte Art versucht sie zu verstehen, zu begreifen, hinter seine Geheimnisse zu kommen und stößt doch immer wieder auf Grenzen, die er bewusst setzt, um sie zu schützen.
Im Kontrast dazu steht Miles. Miles Erzählweise und die Ausflüge in die Vergangenheit sind versucht poetisch und lyrisch gehalten, womit Colleen Hoover ziemlich auf die Nase fällt. Anfangs wirkt er damit fast schon wie ein Stalker, später geradezu besessen statt wahrlich verliebt. Das Geheimnis selber ist kaum überraschend, eher kopfschüttelnd und man fragt sich wieder einmal im Leben, wo in Amerika eigentlich Aufklärung betrieben wird. Da wird es schwer Sympathie für den knackigen Burschen aufzubringen und ihn an Tates Seite zu sehen. Immerhin entwickelt er sich im Laufe der Geschichte ganz nett, dass man sagen kann, es wird doch noch was aus ihm, wenn auch leider psychologisch nicht wirklich sinnig. Ganz im Gegenteil! Er bräuchte dringend psychologische Betreuung, aber dazu kommen wir noch.

Kitsch, Kitsch... hab ich Kitsch schon gesagt?

Das ist die eigentilche Handlung: Sex, Zweifel über Liebe, Sex, Zweifel, Sex, Zweifel. An sich eigentlich wirklich ein gewagtes und gutes Konzept, in dem aufgezeigt werden könnte, dass etwas körperlich abgesprochen wird, aber emotional überhaupt nicht so ist. Mit viel Einfühlungsvermögen hätte man hier wirklich eine großartige Geschichte schreiben können! Ehrlich und hart, mit einem abgestumpften Miles und einer Tate, die wahrlich fühlt und versucht dagegen anzukommen. Gerne auch dramatisch, gerne auch mit vielen Tränen, aber so ist es nicht. Stattdessen verkommt das Buch, das genau so anfängt und das verspricht, leise und tiefsinnig, psychisch fragil und mit zarten Fingern abtastend, immer mehr zum Kitsch. Zu furchtbaren Kitsch und so vielen Liebesbekundungen, dass man Brechdurchfall bekommt. Vor allem am Ende des Buches, wo man glaubt, es ist alles überstanden, wird nochmal extra Zuckerguss drübergeschüttet, dass der Magen zu rebellieren beginnt. Mal davon abgesehen, dass hier mal ein Problem, dass psychisch gesehen lange Aufarbeitung bräuchte, mal zackig abgehandelt wird und alles ist SUPER! Ich seh da eigentlich starken Handlungsbedarf, um überhaupt Miles in eine richtige Bahn zu bekommen. Aber ist ja egal, das läuft schon! Wer braucht schon therapeutische Hilfe, gibt ja LIEBE!

Punkt für den Schreibstil

Bei der ganzen Kritik aber auch mal was Positives. Frau Hoover kann Schreiben und das gar nicht mal so übel. Vor allem die Sexszenen schaffen genau den richtigen Grad zwischen Distanz und Realität. Sie spielt nicht herum, es wirkt nicht gestelzt und pubertär, sondern erwachsen und reif. Und vor allem, durchaus romantisch und leicht erotisch. Ja, man merkt die Kälte, man spürt Tates Gefühlswelt, die mit der anderen Ansicht kollidiert und hat das Gefühl, ja, da ist was da! Ich weiß leider auch nicht, warum sie diese echte Gefühlswelt nur in diesen Szenen wirklich gezeigt hat, während bei allem anderen die Dramatik geradezu regiert und alles überschattet. Was gut anfängt, verkommt nur noch zur billigen Geschichte, die plump wirkt und mit allen Mitteln einen das Herz schwer machen will und genau deswegen scheitern muss.
Sehr schade, um den Stil und den eigentlich gut gemachten Anfang.

Fazit

"Ugly Love" ist wirklich unschön. Was gut anfängt, verkommt zum Kitsch und zur Überdramatisierung, dass man nur noch Brechen möchte. Frau Hoover, das können sie viel besser, man kann es zwischen dem ganzen Schrott sehen.

★★☆

P.S.: Den zweiten Stern gibt es nur für den Schreibstil!
Atria Books - Paperback - Deutscher Titel: -
ISBN: 9781476753188 - Seiten: 336 - Preis: ca 10,90 €


Kommentare:

  1. omg xD ich hab mich gerade so tot gelacht xDDDD geniale rezi :D

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    1. Nicht sterben! Die Bloggerwelt braucht dich noch!

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  2. Noch nie so eine ehrliche und lustige Rezension gelesen! :D ich muss mich unbedingt selber von dem Buch überzeugen.
    Liebste Grüße
    Sara

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    1. Ich habs doch getan und verstehe deine 2 Punkte. Das Buch ist echt grottig. Ich hab eher über die Handlung abgezogen als sie genossen. :D

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    2. Und der zweite Stern war auch ein Gnadenstern :D Das Buch ist einfach furchtbar!

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  3. Jetzt habe ich Lachtränen in den Augen :)) geniale Rezension, ich kenne das Buch nicht, ist aber denke ich auch eher nicht so mein Ding g*

    Klasse!

    Liebe Abendgrüße
    Sandra

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  4. Ich glaub, ich hab noch keine wirkliche positive Review zu diesem Buch gelesen. Also jetzt nicht das ich danach gesucht hätte, bei Goodreads gibt es die sicher zu Hauf. :P Entspricht etwa dem, was ich sowieso von Colleen Hoover halte. Sie kann schreiben, keine Frage, aber ihre Stories sind an sich echt fantasielos, überkonstruiert und überdramatisch. Deine Rezension hingegen war einfach klasse :DD

    Liebe Grüße,
    Susanne

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    1. Schaut wohl so zu sein... Finde ich schade!
      Vielen lieben Dank! :)

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  5. Hach, tolle Rezi. :'D Lesen werde ich das Buch aber trotzdem... hoffentlich wird es übersetzt. xD

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    1. Wird es bestimmt... kommt ja auch ein Film! Würde ich mir ja als Verlag ja nicht nehmen lassen, damit Geld zu verdienen :D Auch, wenn ich es mies finde.

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  6. Das klingt wie ein typisches Hoover-Buch. Ich kenne erst 2 von ihr, aber ich hatte ähnliche Probleme, vor allem mit Hopeless. Es ist kitschig und obwohl es eine ganze Bandbreite von richtig ernsten, schlimmen Problemen gibt, konnte ich die nicht erst nehmen, weil sie einfach so melodramatisch präsentiert wurde. Ich finde es wirklich schade, dass solche Themen zum Zweck von Unterhaltung so dermaßen durch den Fleischwolf gedreht werden. Ich glaube, das ist nicht mal Absicht. Die Autorin denkt sicher sie würde den Themen gerecht werden... und bei vielen Lesern funktioniert das ja. Ich kenne nicht viele, die ihre Bücher so kritisch sehen wie du und ich.

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    1. Oh... Ich wollte ihr eigentlich nochmal eine Chance geben. Vielleicht lasse ich das dann doch wieder...
      Ich bin auch überrascht wie viele Leute gerade auch diesen Roman hier mögen. Freut mich zu hören, dass ich mit meiner Meinung da gar nicht so alleine bin :)

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    2. Ich kenne ja auch nur 2 ihrer Bücher. Wer weiß wie ihre neueren Sachen so sind (obwohl Ugly Love ja relativ neu ist oder?).

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  7. Auweia das liest sich ja gar nicht gut! Ich wollte schon länger mal ein Buch der Autorin lesen und hab auch eine Leseprobe schon angelesen. Aber da Contemporary so gar nicht mein Steckenpferd ist, habe ich es erst einmal wieder beiseite geschoben. Da wart ich wohl lieber auf deine Meinung zu weiteren Büchern von ihr, solltest du ihr noch eine Chance geben ;)

    Liebe Grüße,
    Tina

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  8. Hallo Sky,
    was für eine tolle Rezi! :D wirklich super geschrieben!
    "Weil ich Layken liebe" von der Autorin habe ich geliebt (die Folgebände waren allerdings ziemlich enttäuschend) und "Ugly Love" will ich trotz deiner Rezi (oder vielleicht wegen?) unbedingt lesen. Ich freue mich auch schon sehr auf den Film, aber das liegt eher an den Schauspielern...

    Liebe Grüße,
    Noemi

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