Der Weg zum Buch: "The Perks of Being a Wallflower"

13 Oktober 2015 |
Manchmal ist es schon seltsam wie wir zu Büchern finden. Es gibt Momente, da spiegeln die Literatur die Lage wieder in der man sich befindet. Dann gibt es wieder Tage, da weiß man gar nicht wie es überhaupt dazu kam, dass man ausgerechnet diese Seiten durch seine Finger gehen ließ. Und dann sind da diesen Wege zu einem speziellen Buch, die man nie mehr vergessen wird.
Bei "The Perks of Being A Wallflower" war es genau die Geschichte dahinter, die den schon großartigen Roman zu einen meiner Lieblinge werden ließ.
Ich war gerade mal vierzehn oder fünfzehn, so genau weiß ich es nicht mehr, in einer Zeit, wo Facebook und Twitter noch gar nicht so eine wichtige Rolle im Leben spielte. Fernab von meinem Leben als Blogger, weit weg vom Studentenleben und meiner jetzigen Persönlichkeit. In mir schlug das Herz eines dieser Teenager, die es nicht so leicht hatten. Immer ein wenig am Rand, viel zu still und schüchtern, um etwas zu sagen, selbst, wenn es Zeit war seine Stimme zu erheben. Mein Freundeskreis war nicht der Beliebteste und bestand aus Randfiguren des Schuluniversums, den absonderlichen Geschöpfe, die nie so wirklich eine Heimat gefunden hatten. Wenn man es anders betrachtet, ich war dieser Teenager den Jugendromane zu ihren Protagnisten machen. Einer dieser lesenden und schreibenden, die sich manchmal zurückzogen, weil sie das alles nicht mehr aushielten.
Damals war ich schon im Internet unterwegs, trieb mich manchmal in Chatrooms herum und schrieb mit wildfremden Leuten ein paar Stunden lang. Neben ICQ und MSN. Ich weiß nicht mal mehr die Namen, geschwiege denn mit wem ich dort geschrieben hatte. Es war auch gar nicht so wichtig, aber einer davon war Amerikaner und er sollte mir im Gedächtnis bleiben.
Er musste mein schlechtes Englisch aushalten, die unverständlichen Sätze und das grammatikalische Geholper und er war älter als ich. Um genau zu sein, war er gerade zwanzig Jahre alt, zumindest war es das, was er gesagt hatte. Es war auch gar nicht so wichtig. Meistens war es heller Morgen bei ihm, während es bei mir schon Abend war. Es ging um das Leben in Deutschland und in den USA, kleine Sätze, nichts, was wirklich von Belang war, als er einfach erzählte, dass er homosexuell sei. Mir war es relativ egal, mein damaliger bester Freund stand auch auf Männer und genau das schrieb ich ihn und der Chat wurde lebendiger. Er erzählte davon wie schwer es manchmal ist und dass ich wirklich nett wirke, aber leider ja in Deutschland lebe, er es toll findet wie tolerant ich bin. Ich wäre bestimmt ein toller Kumpel.
Irgendwann kamen wir mal auf das Thema Lesen und er empfahl mir einen Roman, den ich nicht kannte. Wie auch, ich las keine englische Bücher und konnte schon den Titel nicht übersetzen. "The Perks of Being A Wallflower". Bevor er offline ging, schrieb er noch einen Satz, der mich verfolgte: "Irgendwie erinnerst du mich an Charlie." Ich verstand ihn nicht, aber er meinte den Roman, den er als sein Lieblingsbuch bezeichnete.
Nach dem Chat las ich die ersten Seiten und schob das Buch wieder weg. Eine deutsche Übersetzung hatte ich nicht gefunden und so gingen die Jahre ins Land, und um ehrlich zu sein, hab ich danach gar nicht wirklich geguckt. Ich liebte Fantasy und keine Contemporary.
Die Buchempfehlung war das Letzte, was ich von ihm gehört hatte. Ich war nie wieder in diesem Chatroom und vergaß mit den Jahren die Geschichte und den Titel.
Jahre später sollte "Vielleicht lieber morgen" in den Kinos anlaufen und überall sah ich den Titel: "The Perks of Being A Wallflower". Plötzlich bin ich fast so alt wie er geworden. Ich brachte ihn nicht mit der Empfehlung in Verbindung bis ich das eigentliche Cover sah und erschrak. Genau dann kam mir wieder dieser Jahre zurücklegender Kontakt wieder in den Sinn und ich besorgte mir das Buch, schob es immer wieder vor mich her, weil die ersten Seiten mich abschreckten. Da stand Charlie. Er meinte damals, du wärst Charlie...
Irgendwann traute ich mich endlich hineinzulesen und seltsamerweise verstand ich plötzlich was er meinte. Patrick, der schwule beste Freund. Charlie, der viel liest und selber schreibt. All die Gedankengänge, die mir so bekannt vorkamen. All diese Probleme und Szenen, die mir so vertraut wirkten. Irgendwann fragte ich mich, was wohl der Amerikaner an diesen Roman fand. Sah er sich als Patrick?
Leider habe ich vergessen, wie der Chatroom hieß. Genauso wie ich vergessen habe wie er damals hieß. Aber die Verbindung blieb und so wurde "The Perks of Being A Wallflower" auch einer meiner Lieblingsromane, die ich immer wieder gerne herausziehe und hineinlese. Ein Teil geworden wie damals wohl für ihn.

Kommentare:

  1. Eine tolle Geschichte! Manchmal erreichen uns Bücher erst über viele Umwege ... und umso intensiver erleben wir sie dann. Schön, dass dir "The perks of being a wallflower" letztendlich doch gefallen hat, ich liebe das Buch auch sehr!

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    1. Es ist einfach großartig! Leider der einzige Roman von diesem Autor.

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  2. Ich kann der Bücherdiebin nur zustimmen! Eine schöne Geschichte! Ach man wie ich deinen Schreibstil liebe :D erst erschrecke ich mich, weil das so viel Text ist, aber dann bin ich doch zu neugierig und ehe ich es mich versehe bin ich auch schon fertig. Du hast so eine ganz tolle, fesselnde Art zu schreiben! Hast du vor, irgendwann mal ein Buch zu schreiben? Oder hast du schon eins geschrieben? Ich würde es sehr gerne lesen!
    Ich habe bisher nur den Film gesehen aber das Buch muss ich auch unbedingt noch lesen. Vielleicht verbinde ich dann deine Geschichte mit dem Buch :)

    Liebe Grüße
    Jessi

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    1. Alles in Arbeit, aber der Autorenmarkt ist hart umkämpft und alles gar nicht so einfach. Aber vielen lieben Dank! Ich hoffe, dass es irgendwann publiziert wird. Bücher geschrieben habe ich schon, nur nicht publiziert.

      Das wäre sehr schön :) Und ich kann das Buch wirklich sehr empfehlen!

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  3. Danke für diese besondere Buchgeschichte! Ich glaube, wir waren uns als Jugendliche recht ähnlich..
    Grüßchen
    Aly mit den drei KuhKatzen

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    1. Ich glaub in der Zeit gab es mehr solche Personen :)

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  4. Wow....ich bin gerade sprachlos. Es ist wirklich verrückt, welche Geschichten sich hinter den Geschichten verbergen. Die Geschichten der Leser. So wie deine. Das Buch habe ich ebenfalls ganz innig geliebt (und auch den Film, der so wahnsinnig gut vom Autor mit umgesetzt wurde). Mich würde es wohl ziemlich beschäftigen, warum der Kontakt so schnell abgebrochen ist. Aber auch das ist ja leider der Zeitgeist des Internets und von WA. In der einen Sekunde, tauscht man sich sehr persönlich aus. Und ein paar Wochen später, reicht es kaum noch für einen Gruß.

    Ich finde es schön, wenn man selbst sich manches Mal in einer Figur wiedersieht. Das macht, wie man hier wieder sieht, ein Buch auf ewig wertvoll.
    Wieder unheimlich schön geschrieben. :)

    LG
    Sandy

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    1. Das der Kontakt weg wahr, lag daran, dass man auch nur ein paarmal geschrieben hat. Es gab nicht zu intensiven Kontakt und dazu kam, dass er eben in Amerika wohnte und ich in Deutschland. Man hat sich dann auch gedacht, dass es eh zu weit auseinander ist. Was aber mit ihm passiert ist, frag ich mich aber heute noch.

      Und vielen Dank, Sandy :)

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