Rezension: Fans of the Impossible Life von Kate Scelsa

25 September 2015 |

Ein Trio der besonderen Art

Jeremy war nie der besonders auffällige Schüler und seit dem Vorfall letztes Jahr hat er fast komplett seine Stimme verloren. Und ausgerechnet er soll einen Kunstclub in der Schüler gründen, zumindest ist das die Vorstellung von seinen Lehrer Peter. Dass er dabei als Erstes Mira anspricht und daraus eine Freundschaft entstehen würde, konnte er nicht ihnen.
Mira steht immer im Schatten ihrer Schwester. Sie ist nie so perfekt wie so und ihr Aufenthalt in der Jugendpsychiatrie machte es nicht besser. Ihre Depressionen versucht ihre Mutter mit einer Allergiediät zu bekämpfen, doch manchmal sind da diese Momente, die sie niederstrecken. Ihr bester Freund Sebby steht ihr immer bei. Mit Ritualen versuchen sie gegen ihre Probleme anzukommen. Er selbst lebt bei einer Pflegemutter und hört sich das Geschrei der anderen Kinder an. Niemand scheint sich wirklich für ihn zu interessieren und nirgends scheint hinzugehören.
Diese Drei finden im neu gegründen Club zusammen und bilden ein Trio der besonderen Art. Ein Trio, das sich auf besondere Weise liebt und füreinander da ist. Aber wie kommen sie alle nur aus ihren Elend wieder heraus?

Ein Roman über Außenseiter

"Fans of the Impossible Life" ist vor allem eins: Ein Roman über Außenseiter wie sie wirklich sind. Jeremy, der gemobbte, stille Junge, der sich immer vor der Welt zu rechtfertigen sucht macht sich immer klein, auch wenn seine zwei Väter ihn herzallerliebst umsorgen. Ja, richtig gelesen, Jeremy hat zwei Väter, die man sofort ins Herz schließen muss. Für ihn macht es die Welt nicht einfach, auch dann nicht, als er feststellt, dass zwischen ihm und Sebby wohl mehr scheint, als Freundschaft. Seine schüchterne und nette Art macht es ihn einfach ihn zu mögen, auch wenn man ihn geradezu ins Leben schubsen möchte. Aber dafür hat er ja seinen Lehrer Peter, der für einen Lehrer ungewöhnlich nah seinen Schülern und sich um sie kümmert, vielleicht auch schon zu sehr.
Mira spielt hier dabei die Rolle des depressiven Teenagers und umschifft erfolgreich viele Klischees. Sie hat ihre Hochs und Tiefs, die einfühlsam geschildert werden und Kate Scelsa versucht möglichst authentisch das Krankenheitsbild zu beschreiben. Selten liest man einen Roman über einen Depressiven, der eben auch durchaus lachen kann und Humor hat, auch wenn ihn plötzlich wieder etwas aus der Bahn wirft und er sich abschottet, einfach geht, weil sie es gerade nicht aushält. Ihre vielen gekauften Klamotten vom Gebrauchtwarenmarkt scheinen da wie der Versuch sich eine Aufgabe im Leben zu geben, sich wertvoller zu machen.
Zuletzt bleibt da Sebby, der sein eigenes Leben hasst. Nicht nur fühlt er sich ungeliebt, sondern ist er zudem auch noch homosexuell, was ihn mehr als einmal in Schwierigkeiten bringt. In der Hoffnung Zuneigung zu finden haut er regelmäßig von Zuhause ab, geht nicht zur Schule und verliert die Kontrolle über sein Leben. Dabei ist er einer der witzigsten und genialsten Charaktere des Romans, der mit seiner Art durchgeknallt wird, aber genau deswegen unglaublich sympathisch erscheint.
Weitere ungewöhnliche Charaktere komplemtieren das Ganze: Lesbische Mitschülerinnen, Partymädchen und homophobe Kerle. In diesem Mikrokosmus gefangen prallen Welte aufeinander, die ohne Schäden nicht auskommen und genau davon lebt dieser doch andere Young-Adult-Roman.

Eine Freundschaft mit Folgen

Für alle hat die neu gewonnene Freundschaft Einfluss auf ihr bisheriges Leben. Für Jeremy ist es zum ersten Mal der Weg in die Welt und man fühlt sich ein wenig an "Perks of Being A Wallflower" erinnert, doch dieser Vergleich hebt sich schnell auf, sobald die Beziehung zwischen Sebby und ihm klarer wird. Gerade ihr entspanntes und offenes Verhältnis zueinander, auch zu Mira, was fast schon bisexuelle Tedenzen aufwirft, die aber wirklich nur ein Hauch erscheinen. Ein Roman über Bisexuailtät ist auch "Fans of the Impossible Life" nicht. Vielmehr geht es um Sehnsucht anerkannt und geliebt zu werden, die sich die Drei teilen und in sich finden können, auch wenn vieles sehr an der Oberfläche bleibt und die Zusammenhänge und Beziehung der einzelnen Personen nicht vollständig erläutert wird. Vieles bleibt versteckt, mitunter auch, weil sie es vor den anderen Personen verstecken wollen. Es wirkt auf den ersten Blick seltsam, doch schlussendlich sollte es genau so sein und macht die Personen in "Fans of the Impossible Fans" so unglaublich realitätsnah.

Humor in schlechten Zeiten

Die drei Protagonisten erzählen ihre Geschichte dabei jeweils auf eigene Weise. Jeremy spielt den Ich-Erzähler, der zu starker Innensicht neigt. Mira ist mit ihrer personalen Sie-Erzählerweise distanzierter und weit entfernter vom Leser, während Sebby in ein Du verfällt und uns damit klar macht, du könntest das auch sein, du könntest in das gleiche Fahrwasser geraten. Das jeder Protagonist eine eigene Erzählweise hat fasziniert, vor allem aufgrund ihrer vollkommenen Unterschiedlichkeit, die sie an den Rand der Gesellschaft gestellt habe. Dadurch findet Kate Scelsa den richtigen Ton zwischen jugendlichen Gefühlschaos, bitterbösen Humor und Tragik, bringt Szenen ein, die berühren und sich von den normale Jugendromanen abheben. Scelsa setzt auf Andeutungen und bringt so weitere Tiefen ihrer Charaktere hervor.
Nicht zu oft wird die doch ernste Lage mit Sarkasmus überschattet, die wie ein Schutzmantel wirkt. Vor allem bei Sebby stellt man schnell fest, dass seine riesige Klappe nur zur Tarnung ist. Auch Jeremy findet keinen Zugang zu ihm und so scheint das Chaos zu beginnen und sie stehen alle vor dem Problem ihrer eigenen Freundschaft. Wie viel kann man aushalten, wie viel ertragen und was ist eigentlich das Richtige? Die Antwort scheint bitter wie nie: Manchmal macht man Fehler, auch wenn es richtig ist. Und nicht zuletzt setzt das Ende genau dort an.

Offenes Ende

Denn einen wahren Abschluss gibt es nicht, das einzig Richtige existiert nicht und so bleibt das Buch mittendrin stehen. Man weiß nicht wie die Zukunft für manchen Protagonisten sein wird und auch so manchen Charakteren erwartet nicht das Happy End, sondern nur die knallharte Realität, die nicht zu selten bitter erscheint, auch wenn man sich nicht zu oft mehr wünscht, mehr Worte, mehr Szenen, um den Roman besser greifen zu können.
Auch bleiben Fragen offen, bewusst nicht abgeschlossen, weil den Figuren nur die Mutmaßung bleibt und es keine Bestätigung gibt. Es bleibt einen nur zu hoffen, dass sich alles so bewegen wird wie man sich es für alle wünschen würde. Aber ob das so geschieht? Das lässt Kate Scelsa stehen und es ist die beste Lösung für ihre speziellen Charaktere.

Fazit

Kate Scelsa hat mit "Fans of the Impossible Life" den Außenseitern einen Stimme gegeben. Seltsam realitätsnah und weitaus weniger beschönigend, als viele andere Jugendromane, lässt sie uns in das Leben dreier unterschiedlicher Persönlichkeiten, die alle versuchen mit der Sehnsucht, die in ihnen steckt, leben zu können. Manchmal läuft das gut, manchmal nicht und so bleibt schlussendlich die traurige Wahrheit: Manche Fehler sind richtig, auch wenn sie falsch erscheinen.

★★

  Balzer + Bray - Gebunden
Dt. Titel:
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  ISBN: 9780062331755 - Seiten: 368 - Preis: ca. 13,80 €

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