Rezension: Ich liebe dich, Lorelai von May Jones

06 November 2015 |

Die Cheerleaderin und der Nerd

Als Matan Coen Lorelai zum ersten Mal sieht, weiß er gar nicht so recht, was mit ihm passiert. Er kann kaum verbergen, dass seine Hose sich gefährlich wölbt und er sie zu sprengen droht. Und dann landet ausgerechnet diese Lorelai, Cheerleaderin, wunderschön und beliebt in seinem Programmierkurs. Da kann er nichts anderes tun, als plötzlich in Ohnmacht fallen und versuchen mit der Situation klarzukommen. Aber Lorelai will sich mit ihm treffen, alleine, bei sich und nicht zur Nachhilfe. Was ist hier nur los?
Er kann sein Glück kaum fassen, doch für Matan bleibt sie unerreichbar. Sie ist die Freundin des Alphatieres aus dem Football und er nur das kleine Licht, dass niemand kennt. Wie hat er schon eine Chance bei ihr? Doch Lorelai schafft sich mit ihm ein kleines Geheimnis und bringt sie beide immer mehr in Schwierigkeiten.

Ein Mädchen, das alles will

Es könnte die klassische Liebesgeschichte sein. Ein unbeholfender Nerd, der Computerspiele liebt und am sozialen Rand des Schuluniversums herumläuft, trifft auf die beliebte Cheerleaderin und wird zum Helden der Schule. Könnte man meinen, außer man hat es mit May Jones zu tun, die die Rollen kurzerhand ändert. Was ist wenn die beliebte Lorelai eigentlich ein ganz anderer Mensch ist? Nicht dieses wunderschöne, perfekte Mädchen, dass immer lieb lächelt und unschuldig wirkt. Was ist, wenn die Cheerleaderin lieber Computerspiele zockt und sich nimmt, was sie will. In diesem Fall Matan im Bett. Es geht ihr nur rein um den Sex, den Spaß und sie bestimmt die Regeln. Es muss ihr kleines Geheimnis bleiben und Matan weiß gar nicht, was er machen soll, macht einfach mit und spielt einfach mit. Er bleibt ihr kleines Geheimnis, aber kann sie es ewig aufrecht erhalten? Vor allem, wenn sie doch eigentlich mit dem Quarterback der Schulmannschaft zusammen ist?

Ein Junge, der alles bekommt

Niemand will Matan glauben. Was will schon die von dir? Das kann doch niemals stimmen. Egal, was er sagt, selbst seine eigenen Freunde wollen ihm die Geschichte nicht abnehmen. Doch es hindert ihn nicht weitermachen und er merkt selbst, dass es nicht gut enden kann. Dass zwischen ihren Treffen das Unheil herrscht und er die Beziehung beenden muss, bevor es noch schlimmer wird.
Aber was macht man in so einer Situation, wenn man verliebt ist? Kann man einfach aufhören, wenn es vorher so abgesprochen wurde und es eh doch unmöglich erschien? Müsste er als Ausseiter nicht vielmehr dankbar sein ein Stück abbekommen zu dürfen.
Was auch immer es ist, Matan begibt sich zum ersten Mal aus seiner Comfort-Zone und stolpert mitten ins Leben hinein und auf einmal sind die Rollen verändert. Er kein Loser mehr und das nur wegen eines Gerüchts. Wie konnte das nur passieren?

American Pie trifft auf Ernst

Das Ganze hat einen starken Anstrich von "American Pie". Oftmals pubertär und aus der Sicht des fast schon notgeilen Matans trifft jede Menge vulgärer Humor auf Sexszenen, die wohl für einen Roman, der nach Jugendroman klingt, es heftig zwischen den Beinen haben. Doch genau diese Mischung macht aus "Ich liebe dich, Lorelai" einen großartigen Roman, der teils Satire, teils Komödie ist und dabei nie die Ernsthaftigkeit ist. Hier trifft gekonnter Stil mit viel Charme auf eigenwillige Charaktere, die alle an der Oberfläche anders wirken, als sie tatsächlich sind.
Was ist, wenn wirklich die Beliebte auf den Nerd trifft und zu ihren Gefühlen stehen würde? Was geschieht dann mit den Personen? Wie verändern sich ihre Verhältnisse? Fragen, die hinter der Geschichte stecken. Mädchen, die sich in ihrer Pubertät ausprobieren, sind als Schlampen verschrien und die Jungs werden noch für ihren Erfolg abgeklatscht. Oder ist es vielleicht anders? Kann es überhaupt anders sein?
Was so oberflächlich wirkt einen wahren Kern und findet in Lorelai den Katalysator für eine emazipierte Figur, die aber Angst hat zu sich selbst zu stehen. Denn wer kann sich gegen die Gesellschaft und ihre Normen wehren, die schlagartig einen in eine Kategorie wirft. Sie kennen dich nicht, aber schon bist du in der Schublade des Lebens gefangen und kannst nicht mehr hinaus. Und brichst du aus, wird es nur noch schlimmer.
Haben also Matan und Lorelai überhaupt eine Chance?

Fazit

"Ich liebe dich, Lorelai" wirkt nur zu Beginn nach klassischen Jugendroman und entpuppt sich zu einer Satire mit jeder Menge Ernst. Ein Roman über Auf- und Abstieg durch Trümmer von sozialen Normen und Werten, festgehalten im schulischen Kosmos. Großartig und lesenswert.

★★

  E-Book
  ASIN: B00XOGWZZ0 - Seiten: ca. 402 - Preis: 0,99 €

1 Kommentar:

  1. Huhu, man du hast mich echt wieder neugierig gemacht mit deiner Rezension :)
    Dabei wollte ich meine Wunschliste doch mal reduzieren und nicht noch weiter aufstocken. Aber ich war angefixt, als du meintest, dass es einen kleinen American Pie- Stich hat. Also ab auf den Wunschzettel

    Alles Liebe, Nelly

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