Rezension: The Opposite of Loneliness von Marina Keegan

14 Januar 2016 |
Fünf Tage nach ihrem Studienabschluss starb Marina Keegan bei einem Autounfall. Plötzlich war das Leben einer jungen Frau vorbei, die noch so viel vor hatte. Was zurückblieb war eine Sammlung von Geschichten und Essays und die postmortale Berühmtheit mit ihrer Abschlussrede "The Opposite of Loneliness". Sie hat sich immer gewünscht eine Autorin zu sein und damit hat sie es geschafft, auch wenn sie es nicht mehr miterleben durfte.
Aber ist die Sammlung Vermarktung eines traurigen Schicksals oder steckt hinter dem Büchlein durchaus ein Talent, das zu früh verschwunden ist? Die Antwort ist klar: Marina Keegan, einen Roman aus deinen Fingern hätte ich gerne gelesen.

Geschichten aus Gefühlen

Das Buch teilt sich auf in fiktive Geschichte und persönlichen Erzählungen von Marina Keegan. All diese Texte sind unterschiedlich, mal gut, mal weniger gut und lassen spüren, dass Keegan noch selbst in einer Phase der Findung war. Doch eins kann man ihr bestätigen: Sie hatte Talent und wäre und war eine großartige Autorin.
Ihre Kurzgeschichten sind vielfältig, von Reisen im Meer, Abenden mit Freunden, vergessener Liebe und Sehnsucht und meine Lieblingsgeschichte: Eine Frau in ihren 60ern, die einst eine berühmte Ballerina war, aber nun mit dem Alter der Zauber sich entblättert. Sie liest einen blinden, jungen Mann vor und zieht sich beim Vorlesen der Rechnungen und der vielen Texte aus. Ein Nachtrauern nach vergangenen Zeiten, verlorener Jugend und die Sehnsucht einer nie erlebten Zukunft werden hier eingefangen und man staunt wie intensiv sich diese Geschichte niederschlägt. Manchmal sind es auch die kleinen Dinge in ihren Texten, die sie auf ihre weise wertvoll machen. Sie sind berührend und einzigartig. Aber nicht alles ist perfekt, manches bleibt steril und oberflächlich, eine Fingerübung mehr in ihrem Portfolio. Es ist ein Potpourri aus Fragmenten, die strahlen und einen in den Bann ziehen können. Mal mehr, mal weniger, aber die Autorin hatte auch keine Chance mehr sie zu perfektionieren Gemeinsam haben sie den Hauch Melancholie und Schmerz. Tragik war wohl ihr Liebling und man kann es ihr nicht verdenken.

Persönliche Geschichten mit Herz

Ihre Erzählungen aus dem Leben sind ehrlich und voller Herz. Kein Weichzeichner, sondern nur pure Nostalgie und eigenes Gefühl. Von ihrem ersten Auto und dem Geist, der sich darin widerspiegelt, als sie es abgibt. Von Kammerjägern, die hinter ihrer amüsanten Maske doch einsam fühlen. Marina Keegan hatte ein Auge für das Detail, für ihre Umgebung und wusste sie in Worte zu fassen. Auf ihre eigene Art und Weise verstand sie es wohl ihre Menschen zu berühren und zu beeinflussen. Sie war eine faszinierte Person, die sich Herausforderungen stellte. Und nicht selten findet man sich in ihren Gedanken wieder. Ehrgeizig wie sie war, wollte sie alles und hatte doch damit zu kämpfen es vielleicht nicht erreichen zu können. Vor allem, wenn man Anfang seiner Zwanziger steht, ist sie eine Stimme, die das aussprechen kann, was so vielen schwer fällt. Über Bedenken, Zukunftsängste und was wird mit mir eigentlich morgen oder jetzt? Wie werde ich sein und wie will ich sein?

Jung und erfinderisch

In der Einführung des Buches heißt es "Sie schrieb so alt wie sie war." Manche junge Autoren neigen dazu sich älter zu machen, als sie sind. Nicht so Marina Keegan. Ihre Sprache war jung, erfinderisch und spielerisch. Sie wirkte selten aufgesetzt und gezwungen, sondern fein und zerbrechlich. Ein wenig mutig, ein wenig traurig und ein wenig verloren im Meer der Möglichkeiten.
Vielleicht ist nicht alles perfekt und ihr berühmter Text "The Opposite of Loneliness" wirkte wie so viele Abschlussreden von Schulen, aber Marina Keegan hat es verstanden sich der Herausforderung der Worte zu stellen. Authentisch, lebhaft und mit viel Erfindergeist. In ihr steckte eine großartige Autorin, die sich in ihrer Entwicklung befand. Schade, wenn ein vielversprechendes Talent so früh aus der Welt gerissen wird. Trotzdem blieben ein paar Texte, die beweisen und nur erahnen lassen, was in Marina Keegan noch schlimmerte.

Fazit

Jung, authentisch und gefühlvoll. Damit lassen sich die Texte von Marina Keegan beschreiben. Sie war eine talentierte junge Frau auf dem besten Wege eine großartige Autorin zu werden. Zumindest hat sie eins erreicht: Sie wollte immer Autorin sein und mit dem Buch hat sie ihren Traum erfüllt, auch wenn sie ihn nicht mehr selbst miterleben durfte.

★★

 Simon & Schuster UK - Taschenbuch
  ISBN: 9781471139628 Seiten: 208 - Preis: ca. 8,90 €

Kommentare:

  1. Es ist so traurig, dass die junge Autorin leider keine anderen Bücher mehr schreiben können wird. Einfach nicht fair, wenn Menschen so jung sterben müssen …
    Über ihr Buch habe ich schon total viel gehört und dieses Jahr möchte ich mir selber ein Bild davon machen.

    Liebe Grüße
    Carly

    AntwortenLöschen