Rezension: Der Nachtwandler von Sebastian Fitzek

02 Mai 2016 |

Wenn du schläfst, wirst du zum Mörder

Was ist wenn du nachts schläfst und dabei schreckliche Dinge eigentlich machst? Die Frage stellt sich Fitzek und lässt seinen Protagonisten Leon einmal quer über den schlaftrunkenen, blutverschmierten Boden des Wahnsinns schleifen. Denn Leon ist Schlafwander. Alles, was er während der Zeit des Wandels macht, vergisst er wieder, wenn er aufwacht. Schon in seiner Jugend wurde er deswegen psychiatrisch behandelt, doch er galt als geheilt. Aber es ist wiederp passiert.
Doch als in einer Nacht seine Frau verletzt und die Koffer packend flüchtet, ist er sich nicht mehr so sicher, ob er es nicht getan hat. War er das wirklich? Vielleicht ist es nur ein Traum? Aber er liebt Nathalie! Er hätte es nie getan. Aber die Gedanken beginnen zu kreisen und er macht sich mit einer Kamera an seinem Kopf auf der Suche nach seinen schlafwandlerischen Aktivitäten. Die Kamera fängt Erschreckendes ein, denn in diesem Haus gibt es Türen, von denen er nichts weiß und er steigt immer tiefer in die Dunkelheit hinein.


Ein grausiges Szenario, was einen von der ersten Sekunde unheimlich ist. Man ist sich ja nicht immer so sicher, was man nachts wirklich macht. Wenn man neben jemanden schläft und man wieder seltsam im Schlaf redet, komisch gezuckt oder sich seltsam verhalten hat, kann man sich nicht erinnern es getan zu haben. Belustigt lacht man darüber, aber was ist, wenn mehr passiert? Dass man dann schlafwandelt und zum Mörder wird und man selbst davon nichts ahnt? Eine Horrorvorstellung, der sich Leon stellen muss. Und Fitzek schleift uns erstmal gewaltig durch die Seiten. Mit jedem Kapitel blickt man um die Ecke und denkt sich nur noch, jetzt sind alle wahnsinnig geworden. Leon hat einen Knall. Ist das jetzt noch im Schlaf oder ist er schon wieder wach? Warum sind da Hinweise, können die echt sein oder bildet er sich das ein? Was geht hier vor?!

Es lebe das Chaos!

Und diese Frage stellt man sich sehr lange. Das arme Hirn hat sich dabei schon längst zweigeteilt, um zu verstehen, was denn jetzt überhaupt noch passiert und dann kommt die Frustration. Bekommen wir zumindest nicht einmal einen Hinweis in welche Richtung wir jetzt gehen ohne einen neuen Aspekt zu sehen, der einen nur noch seltsamer erscheint? Es hat etwas von totaler Übersättigung, noch ein bitterböses Spiel, noch mehr und mehr. Ein mysteriöses Ereignis folgt auf das Nächste. Sehr viel Effekthascherei mit der man irgendwann überfordert und dann sehr genervt ist. Alles wirkt wie ein einziges Chaos und nicht wie langsam ansteigender Wahnsinn. Vielmehr hat man einfach den kompletten Mindfuck über die Seiten gekippt und dann so festwachsen lassen. So entsteht zwar pures Chaos, aber der Leser ist mehr als genervt überhaupt keinen roten Faden mehr erkennen zu können. Trotz starker Szenen kommt es zu keinem echten Bild.
Zwar zeigt Fitzek wieder seinen gewohnt rasanten Stil, der einen durch die Seiten nur so rasen lässt, doch auch der hilft hier nicht immer weiter, wenn das Kapitel endet und man wieder nur vor seltsamen Gegebenheiten steht ohne auch nur den Hauch einer Antwort zu bekommen. Mal davon abgesehen, dass an manchen Stellen einfach Feinschliff fehlt. Manches wirkt einfach überhetzt und überstürzt. Ein paar Seiten mehr an mancher Stelle, die zumindest ein wenig Linie gegeben hätten, hätten nicht geschadet, sondern ganz gut getan.
Die Auflösung übertrumpft dann alles, wirkt extrem aufgesetzt für die interessante Fragestellung mit der sich der Thriller auseinandersetzen will. Das Gedankenspiel hätte anders vielleicht besser funktioniert und weitaus mehr hervorbringen können. Fitzeks "Der Nachtwandler" hat in seiner Grundidee jede Menge Potenzial, aber schlussendlich landet die Geschichte mehr in abstrusen Wahnsinn, als echten Thrill. Es bleiben Schauermomente, Szenen, die Eindruck machen, aber da geht mehr, wesentlich mehr, vor allem von einem Sebastian Fitzek!

Fazit

"Der Nachtwandler" ist ein Thriller mit einer interessanten Grundidee, der an seiner Effekthascherei scheitert. An vielen Stellen fehlt der Feinschliff und statt Raserei, wäre hier Tiefe ein besserer Weg gewesen. Dann hätte man einen Thriller gehabt, der einen richtig umwirft, so hat man nur eine verrückte Geschichte mit Schauereffekten, dem es am Orientierung fehlt.

★★

Knaur TB - Taschenbuch
  ISBN: 9783426503744 Seiten: 320 - Preis: ca. 9,99 €

Kommentare:

  1. Hallo Sky,

    ich find es immer wieder interessant wie verschieden Menschen Dinge wahrnehmen. Ich fand das Buch super. Und für mich wars gar nicht so chotisch wie du es empfunden hast. Ja, es sind viele Effekte vorhanden, auch die ständigen hin und hers machen es nicht einfach, aber für mich wars kein Problem da mit zu halten. Man muss einfach bei der sache sein *gg*

    Wenn es dich und vielleicht auch andere wunder nimmt wie ich das Buch empfunden habe,kann man sich meine Rezi dazu ansehen.

    http://derbuecherwahnsinn.blogspot.ch/2014/07/abstieg-in-die-abgrunde-der-seele.html

    Ich wills wirklich niemandem aufdrängen, wer nicht mag muss natürlich nicht ;)

    Schade das dich der Roman nicht so begeistern konnte wie mich. Vielleicht der nächste Fitzek, wenn es dann einen geben soll ;)

    Liebe Grüsse
    Alexandra

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  2. Huhu lieber Sky,
    eine interessante Rezension, die du da wieder geschrieben hast. Ich kann deine Kritikpunkte ganz gut nachvollziehen.

    Ich hab ja so meine kleinen Problemchen mit Fitzek. Ich hab vor Jahren mal den Seelenbrecher angefangen und war sowas von gar nicht begeistert. Vielleicht ist Fitzek einfach nicht meins, dachte ich. Und dann hat er gemeinsam mit Michael Tsokos 'Abgeschnitten' geschrieben und ich war hin und weg.
    Seither nehm ich mir immer wieder vor, Fitzek doch nochmal ne Chance zu geben, aber irgendwie komm ich nicht dazu.

    Vielleicht irgendwelche Empfehlungen?

    Alles Liebe, Nelly

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    1. "Abgeschnitten" fand ich auch toll!

      Also "Der Seelenbrecher" war mein erster Fitzek und ich hab ihn geliebt! Aber welchen ich bisher am Besten fand ist sein Debüt "Die Therapie". Wenn du ihm noch ne Chance geben willst, dann diesen Thriller ;)

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    2. Sorry für die späte Antwort.
      Werd mir auf jeden Fall "Die Therapie" zulegen, weil probieren würde ich es mit Fitzek nämlich schon nochmal gerne :)

      Ich sag dir dann Bescheid, wie ich es fand :)

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  3. Huhu Sky,

    ich bin gerade beim Stöbern auf deinem Blog gelandet und habe mich sofort in das einzigartige Design verliebt! Da muss ich doch gleich mal als Leserin dableiben! :)

    Nun aber zu Herrn Fitzek: Ich habe erst vor wenigen Tagen "Abgeschnitten" gelesen und war begeistert, weshalb ich noch andere Bücher vom Meister des Gruseligen lesen möchte. Nach deiner Rezension wird es "Der Nachtwandler" allerdings wohl eher nicht sein... ;)

    Liebe Grüße
    Kathi von Lesendes Federvieh

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