Ein deutscher Roadtrip, Mr. Holmes und ein Alien unter Menschen

04 September 2016 |

Tschick von Wolgang Herrndorf

Für den 14-jährigen Maik schien der Sommer nur Langeweile und Einsamkeit zu versprechen. Seine Mutter wieder einmal in der Klinik und sein Vater auf Geschäftsreise mit der sympathishen Assistentin, scheinen die Ferien eine einzige Katastrophe zu werden. Zumindest ist er allein und wird in Ruhe gelassen. Wäre da nicht Tschick, eigentlich Andrej Tschichatschow, der aus dem Hellersdorfer Hochhäusern kommt und mit einen geklauten Lada Niva vor seiner Haustür steht. Die Gelegenheit mal aus diesen beschissenen Trott aufzuwachen. Maik bleibt fast keine andere Wahl als in das Auto zu steigen und so beginnen die Beiden einen Roadtrip durch die ostdeutsche Provinz. Dabei weiß er Maik nichts von Tschick, außer das er in die Walachei will und dort einen Onkel haben soll. Wo auch immer die Walachei liegt. Aber welche Alternative hat er schon, wenn die Mutter auf Entzug und der Vater die Assistentin flachlegt. Und das er auch noch heilos verliebt ist, treibt ihn schlussendlich endgültig weit weg aus seiner reichen Idylle.
Dass keiner weiß, was sie eigentlich tun und sie planlos durch die Gegend fahren, bringt das Gefühl von Abenteuer hervor. Wer wäre nicht gerne mal mit 14 Jahren einfach durch die Gegend gefahren, hätte sich treiben lassen und ist auf die wildesten Menschen getroffen. Zwischen fremden, faszinierenden Mädchen, eigenwilligen Männern und überperfekten Familien, entwischen sie der Polizei und versuchen dabei eigentlich selbst zu kennen. Zwei junge Poeten auf der Suche nach sich selbst.

Wolfgang Herrndorf gelingt ein eleganter Spagat zwischen jugendlicher Sprache, Abenteuergefühl und innerer Verzweiflung. Wer hätte gedacht, dass ein junger Russe so voller Poesie sein? Pointert und mit Witz wird über das Leben geschrieben, Alltäglichenkeiten sarkastisch verpackt und immer kräftig hinterhältig kritisiert wird mein auf einen Roadtrip mitgenommen, den es wohl selten nochmal so geben wird. Ein genialer Mix in den man sich zu gerne verliert. Auch wenn man sich fragt, ob die Charaktere nicht etwas älter sein sollten, als sie tatsächlich sind, sind sie doch fast zu neunmalklug. Trotz allem bleibt eine Reise voller Nähe und Sehnsucht, bei der man sich fragt, warum man sowas eigentlich nie selber gemacht hat.

★★

  Rowohlt - Taschenbuch
  ISBN: 9783499256356 Seiten: 254

A Study in Scarlet von Sir Arther Conan Doyle

Wer kennt ihn nicht, den größten Detektiven aller Zeiten: Sherlock Holmes. Ein wahrlich schwieriger Genosse ist er doch genial, aber hat eine menschliche Empathie wie ein Vorschlaghammer. Doch Dr. Watson sucht nachdem er aus den Krieg zurückgekehrt ist eine Bleibe und da Mr Holmes einen WG-Partner benötigt werden die beiden schnell ein Team. Ein ungleiches Paar und das wohl bekannteste Detektivgespann der Welt.
In ihrem ersten Fall werden sie in ein Londoner Haus gerufen. Ein Mann wird dort tot aufgefunden, in Blut an der Wand RACHE. Was hat es wohl damit auf sich? Warum hat der Mann einen Ring bei sich und was ist passiert? Die beiden Ermittler von Scotland Yard sind auf den Holzweg und schlussendlich ist es Sherlock Holmes, der den Fall die richtige Spur gibt. Wie hat er das bloß angestellt?

Sherlock Holmes erster Auftritt glänzt nicht unbedingt mit der interessantesten Kriminalgeschichte der Welt. Die großen Pointen und die absolute Spannung bleiben aus, aber die Charaktere Holmes und sein Assistent Watson glänzen so sehr, dass man durchaus verstehen kann, warum Sir Arthur Conan Doyle eine Kultfigur geschaffen hat. Einfallsreich, witzig und vor allem einzigartig ist die Geschichte auch schon wieder vorbei. Die kleinen Marotten und Eigenwilligen von Holmes lernt man zu gerne lieben. Wer eine Liebe zu klassischen Detektivgeschichten hat, ist bei "A Study in Scarlet" an der richtigen Stelle.

★★

  Headline - Taschenbuch
  ISBN: 9780755334476 Seiten: 164

The Humans von Matt Haig

Die Menschen sind ein Volk voller Gewalt. So ist zumindest die Meinung der Aliens und sie müssen davor bewahrt werden, dass sie in die Zukunft eingreifen. Daher bleibt es nicht aus, dass einer von ihnen in den Körper des Mathematikprofessor Andrew Martin gesteckt wird, um das Schlimmste zu verhindern. Aber so wirklich vertraut ist er mit menschlichen Verhalten nicht. Erst läuft nackt durch Cambridge und wundert sich, warum sich jeder wundert und das wohl Orgasmus die wichtigste Sache der Mesnchen ist. Fast schon eine Art orgasmische Religion. Erst nach und nach lernt er die Kuriositäten der Menschheit kennen, beschreibt sie witzig und urig und manchmal muss man selbst feststellen: Wir sind ganz schön seltsam. Doch die eigentliche Aufgabe ist es zu verhindern, dass die Menschen sich weiterentwickeln, denn die unlösbare Riemannsche Hypothese wurde gelöst und die Folgen werden grässlich sein.
Doch so einfach gestaltet sich die Aufgabe für den Alien bald nicht mehr. Die Menschen liegen ihm plötzlich doch sehr am Herzen trotz ihrer Fehler. Sie haben ein völlig falsches Bild von ihnen. Er lernt zu lieben, stellt fest, die Menschen sind ja gar nicht nur ein Volk, dass auf Gewalt aus ist, sondern viel mehr und so beschließt er etwas folgendschweres: Er will seine Aufgabe nicht erfüllen, den eigentlich müsste er alle umbringen, die die Lösung zuder Hypothese kennen könnten. Ein Zwiespalt, der sich gar nicht so leicht lösen lässt.

Matt Haig ist ein Sprachtalent und hat eine Beobachtungsgabe, die seinesgleichen sucht. In ein paar Sätzen einfach den Irrsinn des Menschen eingefangen und von einem Alien beschrieben, muss man nicht nur oft schmunzeln, sondern ist oftmals überrascht wie unglaublich seltsam wir doch für eine hochintelligente Spezies sind. Wobei, eigentlich sind wir nur bitterer Durchschnitt. Wenn wir mal eben nur die Kuh Fleisch nennen, damit sie anonymer ist und soziale Regeln, die genauer betrachtet nur hirnlos sind, sind wir eigentlich ganz schon dämlich. . Nichtsdestotrotz bleibt, wird sind genau deswegen liebenswert, weil auch etwas schräg, aber liebenswert.Niemand bringt das so schön auf den Punkt auf Haig in witzigen Metaphern und das es eben doch die Kleinigkeiten sind, die uns Menschen großartig machen Ein Roman zum Lachen, Weinen und gleichzeitig voller Leben und Erkenntnis, den man nur mögen muss.

★★

Canongate Books - Taschenbuch
  ISBN:  9780857868787 Seiten: 294

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