Rezension: AchtNacht von Sebastian Fitzek

24 März 2017 |

Ich gehöre ja zu diesen Menschen, die, wenn ein neuer Fitzek angekündigt wird, erstmal einen Freudentanz aufführen und dann nur noch sehnsüchtig darauf warten, dass der Roman erscheint. Da konnte ich auch nicht an "AchtNacht" vorbei und musste kurz nach seinem Erscheinen in der örtlichen Buchhandlung vom Stapel geholt werden. Auch wenn diesmal (man will ja nicht als Psychopath gelten) zur Tarnung ein paar Kinderbücher auf der Ladentheke Platz fanden.



Eine tödliche Nacht

In Fitzeks neuesten Thriller dreht es sich alles um eine Prämisse: Was wäre, wenn für eine Nacht es erlaubt wäre, eine speziellen Menschen umbringen zu dürfen. Jemanden, der vogelfrei ist. Nur diesen Menschen darf man straffrei töten. Was würdest du tun? Eingebettet in eine Todeslotterie, in der Menschen online andere zur Lotterie zulassen können, und einer Prämie von 10 Millionen Euro für den erfolgreichen Jäger, der den Auserwählten zur Strecke bringt, klingt das nach einen attraktiven Angebot für alle, die wneig Skrupel haben, oder?
Erinnert stark an "The Purge"? Tut es auch und der Autor macht keinen Hehl daraus, dass er sich vom Film hat inspirieren lassen. Wobei in "The Purge" jeder, jeder umbringen darf, bleibt es bei Fitzeks "AchtNacht" nur bei den Auserwählten und dazu zählen zwei: Arezu, eine Psychologiestudentin mit psychischen Problemen und Ben, dessen Tochter im Krankenhaus liegt. Jetzt denkt man sich, die Regierung lässt sowas bestimmt nicht zu. Anders als in der Vorlage "The Purge" ist der Staat auch nicht sehr begeistert von dieser Idee. Aber wenn der Gedanke einmal bei den Menschen eingepflanzt ist, wird er sich auch verbreiten können bis alle damit angesteckt sind. Nicht zu selten sieht man das an Hetzjagden im Netz, die irgendwann sogar ihren digitalen Raum verlassen und in die Realität überkippen.

Das Gedankenspiel wird zum Ernst

Fitzeks Roman wird dadurch nicht nur eine Flucht vor den Jägern, sondern auch zum psychologischen Gedankenspiel und Experiment. Wenn es alle verbreiten, wird es dann nicht irgendwann einfach wahr? Wir teilen jeden Tag tausende Nachrichten, tweeten, teilen und tauschen uns digital aus. Fake News sind schon lange ein Problem, aber was ist, wenn Leute so einen Schwachsinn zu ernst nehmen? Dann können Menschen das Ganze aufgreifen und es für ihre Zwecke ausnutzen. Schließlich haben sie sich im Recht gefühlt.
Ein beängstigens Szenario, dass nicht zu selten schon längst immer wieder Realität wurde. Von Jungen, die ihre Mitschüler anzünden für Aufmerksamkeit oder Gewaltvideos, die über den Bildschirm strahlen. Und wir klicken als Mutprobe noch darauf. Von Flashmobs in denen die Masse dazu führt, dass die Lage eskaliert und alle den Anderen glauben lassen, dass ihr Handeln gerechtfertigt ist. Es ist ein kollektiven Phänomen, dass uns alle vergiften kann.
Ist "AchtNacht" also eine Kritik an die sozialen Medien? Mitunter und trotzdem kommt sie an manchen Stellen zu kurz. Zwischen der Hetzjagd und den Schrecken, denen sich Arezu und Ben stellen müssen, bleibt die Kritik ein wenig zu sehr an der Oberfläche. Sie kämpfen um ihr Leben in die sich immer mehr Gegner einmischen, in denen Nachrichten über Ben gestreut werden, die nicht wahr sind, aber den geschürten Hass nur versteigern. Er alleine kann sich dagegen nicht wehren und niemand glaubt ihn mehr die Wahrheit. Ein bitteres Schicksal bei den man den Tod der beiden nur sehen kann. Entweder sterben sie aus eigener Verzweiflung oder werden umgebracht. Außerhalb davon schlagen sich in der Jagd selbst nicht zu selten ein paar Logikfehler wieder, die nicht nur das Handeln der Personen betreffen. Vieles wirkt zu schnell, zu aufgesetzt und nichtsdestotrotz peitscht Sebastian Fitzek einen durch die "AchtNacht", dass man über die Seiten wieder nur so rast. Man sieht über diese Fehler gerne hinweg, hat man doch einen spannungsgeladenen Thriller, der einen den Puls nach oben treibt.
Bis man erfährt, wer hinter der "AchtNacht" steckt und einerseits überrascht wird, andererseits Schwierigkeiten hat das Ganze zu glauben. Vom psychologischen Problem mal abgesehen, schreit es auch viel zu sehr nach großen Effekt als Aufklärung. Dem Roman ein paar Seiten mehr gut getan, um Entwicklungen und Emotionen genauer zu beleuchten, um der Geschichte seinen Raum zu geben und auch den beiden Gejadgten Platz für tiefere Entwicklung zu lassen. So bleibt es nur an der Oberfläche, die zwar rasend schnell verläuft, aber manchmal über sich selbst stolpert im Adrenalinrausch.

Fazit

"AchtNacht" ist ein grausames Gedankenspiel, dass Realität werden kann, aber an mancher Stelle zu sehr auf Effekte statt Kritik setzt. Ein spannender Thriller aus Fitzeks Feder, der aber manchmal zu oberflächlich bleibt.


  Knaur TB - Taschenbuch
  ISBN: 9783426521083   Seiten: 416

Kommentare:

  1. Ich hab das neue Fitzek Buch auch mal wieder verschlungen, sobald es da war :) Wie immer als Hörbuch und war echt stolz, dass ich es trotz Arbeit immer am Abend dazwischengeschoben habe. Letztendlich fand ich es wieder sehr spannend und fesselnd. Aber mir gehts bisschen wie dir, der Tiefgang fehlte. Es passieren so viele entsetzliche Sachen. Aber dadurch, dass alles so rasch vorwärtsgeht, hat man kaum Zeit innezuhalten und den Eindruck sackenzulassen...

    Liebe Grüße
    Tina

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    1. Das Problem hatte ich damit eben auch... Da wäre einfach noch ein bisschen mehr drinnen gewesen!

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  2. Ach Mensch! Ich bin auf der verzweifelten Suche nach Rezensionen, die dieses Buch richtig loben.
    Der Klappentext hört sich einfach so toll an und ich will das Buch unbedingt lesen, aber irgendwie finden alle das Buch nur durchschnittlich. Wobei Du mit Deinen 4 Sternen schon die beste Rezension hast. Aber oberflächliche Story... ach ich weiß auch nicht.
    Werd wohl noch ein wenig warten, bis ich nochmal drüber nachdenke, nach dem Buch zu greifen

    Alles Liebe, Nelly

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    1. Es liest sich halt gut und schnell weg, aber es fehlt der Tiefgang. Wer dem einfache Seting reicht, der wird komplett bedient werden, ansonsten bleibt es trotdzem unterhaltend. Also einen Versuch ist es wert :)

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  3. Hallo Sky,
    dein Eindruck kann ich aus eigener Erfahrung weder bestätigen noch widersprechen. Was ich jedoch aus eigener Erfahrung sagen kann, ist dass mir die ersten Bücher von ihm besser gefallen. "AchtNacht" habe ich selbst noch nicht gelesen und zögere auch ein wenig.
    Liebe Grüße,
    Marie

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    1. Die ersten Bücher waren tatsächlich besser, waren aber auch stärker auf Psychothriller gerichtet. Wobei ich fand, dass "Das Paket" sehr gut wieder daran angeknüpft hat.

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